WARSCHAUJACQUELINE KIMMER

Staatsbesuch: Polnische „Geschichtsstunde“ für die Gäste aus Luxemburg

Polen ist ein junges, modernes Land mit einer jungen, dynamischen Bevölkerung, die über eine ausgezeichnete Ausbildung verfügt, meinte Außenminister Jean Asselborn am Rande des Staatsbesuchs des großherzoglichen Paares. „Wir Luxemburger müssen uns endlich von den gängigen Polen-Klischees verabschieden, während die Polen ihre Traumvorstellung, Luxemburg sei ein Schlaraffenland, aufgeben müssen“, so der Außenminister. Nach der Eröffnung des „Business and Financial Forum Poland-Luxembourg“ statteten Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa zusammen mit dem polnischen Präsidentenpaar dem Museum des Warschauer Aufstandes einen Besuch ab. In dem Museum geben alte Radiosendungen, Fotos, Filmaufnahmen, Gespräche und moderne Simulationen einen Eindruck von dem 63 Tage dauernden Aufstand der polnischen (Untergrund)-Heimatarmee gegen die Naziherrschaft im Spätsommer 1944. Bei dem Aufstand kamen mindestens 200.000 Menschen ums Leben, Warschau wurde völlig zerstört. An der „Mauer des Gedenkens“ zündeten die Gäste aus Luxemburg im Rahmen einer schlichten, aber ergreifenden Feier eine Kerze in Erinnerung an die Opfer des Warschauer Aufstandes an.

Wie Phönix aus der Asche

Als nächstes besuchten Großherzog Henri und Großherzogin Maria Teresa das Warschauer Getto-Gelände. In dem Getto hatten die deutschen Nationalsozialisten bekanntlich ab Ende 1940 fast eine halbe Million Juden unter grausamsten Bedingungen eingepfercht. Das 1948 errichtete Monument der Getto-Helden erinnert an den im April 1943 ausgebrochen Getto-Aufstand. Optisch beherrscht wird der Platz allerdings von dem neuen Museum der Polnischen Juden, das im kommenden Herbst offiziell eröffnet wird. In dem Museum, dem das großherzogliche Paar einen kurzen Besuch abstattete, wird die 1.000-jährige Geschichte der polnischen Juden dokumentiert. Nächste Station des großherzoglichen Paares in der polnischen Hauptstadt war die polytechnische Universität in Warschau, die im kommenden Jahr ihr hundertjähriges Bestehen feiert.

Derzeit werden hier 36.000 Studenten in 28 Fachbereichen unterrichtet. Nach einem Rundgang über das Universitätsgelände wurde den hohen Gästen die Zusammenarbeit zwischen der Warschauer Universität und der Uni Luxemburg von Professor Franck Leprévost, Vice-President Organisation & International Relations der Uni präsentiert. An der Luxemburger Universität sind im Augenblick 42 polnische Studenten eingeschrieben. Ferner stellten der „Fonds National de Recherche“ (FNR) und des „Centre National Polonais de Recherche et de Développement“ ihre Kooperation im Bereich der Sicherheit der Telekommunikationen vor.

Promenade durch die Altstadt

Die Besichtigung des Königsschlosses und der Warschauer Altstadt warteten gestern Nachmittag auf das großherzogliche Paar. Seit Ende des 16. Jahrhunderts war das Warschauer Schloss offizieller Sitz der polnischen Könige (von 1025 bis 1791 war Polen bekanntlich ein Königreich). 1939 während der Belagerung Warschaus durch die deutschen Truppen ausgebrannt, wurde das Königsschloss 1944 von den Nazis gesprengt. Mit Spenden der Bevölkerung konnte die Residenz bis 1984 wieder aufgebaut werden. Anschließend stand ein Gang durch die Warschauer Altstadt an. Der Stadtteil, wo einst die reichen Warschauer Kaufleute wohnten, wurde von 1949 bis 1953 detailgetreu von Neuem errichtet.

Mit einem Chopin-Konzert des luxemburgischen Pianisten mit französisch-polnischen Wurzeln Jean Muller und einer abschließenden „Réception dînatoire“ zu Ehren des polnischen Präsidentenpaares sollte der zweite Tag des Staatsbesuches des großherzoglichen Paares in Polen ausklingen.