COLETTE MART

Hier und jetzt, wo die Luxemburger Frauenszene darüber diskutiert, dass nur fünf Frauen in der neuen Regierung sind, rührt die Programmierung des Luxemburger Dokumentarfilms „Histoire(s) de femmes(s)“ von Anne Schroeder an den gleichen wunden Punkt in unserer Gesellschaft. Die Wahrheit kommt mit
Schroeders Dokumentation diskret daher, oft in schwarzweißen Archivbildern des „Centre National de l’Audiovisuel“, sensibel und auf leisen Sohlen, aber mit einer Intensität, die aufrüttelt und zum Nachdenken anregt. Es sind Bilder und Aussagen über die Hartnäckigkeit und die Härte der Diskriminierung von Frauen, die Scheinheiligkeit der Gesellschaft allgemein gegenüber den stillen und intimen Leiden der Luxemburger Frauen im 20. Jahrhundert, als es noch keine Verhütung gab, dafür aber traumatische Abtreibungen, die einfach unter den Teppich einer konservativen Gesellschaft gekehrt wurden.

Die ledige Mutter, die ihr Baby allein zuhause bekommt, weil nicht einmal eine Hebamme sich um sie kümmern will, die Frauen, die ein Kind nach dem anderen in die Welt setzen, weil Verhütung nicht existiert und von Abtreibung nicht gesprochen wird, jene, die über Jahrzehnte nach Brüssel, Amsterdam oder Maastricht fuhren, um heimlich abzutreiben, jene, die nicht einmal ein Kleid hatten, sondern nur Schürzen, damit sie auch immer zuhause bleiben sollten, jene, die strickten und nähten, damit sie auch nicht beim Lesen auf rebellische Gedanken kommen sollten, jene, die keine Chance hatten, etwas zu lernen, sind einige, die in diesem Film zu Wort kommen. Beeindruckend ist der Kampf, den die Frauen um die Mitte der sechziger Jahre hier in Luxemburg anzettelten, als es bereits die Pille gab, diese aber nicht unbedingt vom Arzt verschrieben wurde, weil das „Empire“ des Konservatismus gegen die sexuelle Emanzipation der Frauen zurückschlug, die sich mit der Achtundsechziger Bewegung auch hier in Luxemburg ankündigte.

Die Geschichte des „Mouvement de Libération des Femmes“, der zaghafte Versuch, eine erste Beratungsstelle für ungewollt Schwangere zu öffnen, der Mangel an Unterstützung, der Einsatz des „Planning Familial“, die Bemühungen um die Enttabuisierung der Sexualität sind einige Aspekte, die hier angesprochen werden. Anne Schroeder entlarvt zahlreiche Tabus und liest die Geschichte auch zwischen den Zeilen. Zwar wissen viele von uns, wann das erste Mädchengymnasium öffnete, aber wie all jene Mädchen erzogen wurden, die nicht aus bürgerlichem Milieu kamen und in dieses Lyzeum geschickt wurden, weiß kaum jemand.

Kinder gebären, Nähen und Stricken, Kochen und mit der Ehe minderjährig werden, mit Stress und voller Angst auf die nächste Regelblutung warten, dies war der Alltag der Luxemburger Frauen bis in die sechziger Jahre. Demnach gab es also in den letzten 50 Jahren rasante Fortschritte, jedoch war der Kampf gegen Vorurteile, Diskriminierungen, und gegen die grausame Gleichgültigkeit der Gesellschaft gegenüber den intimen Leiden der Frauen ein starkes Stück Luxemburger Geschichte.