PASCAL STEINWACHS

Wie groß die Wohnungsnot in Luxemburg inzwischen tatsächlich ist, das wurde im vergangenen Monat geradezu dramatisch deutlich, als mehrere dutzend Menschen die ganze Nacht über vor dem Sitz der „Société Nationale des Habitations à Bon Marché“ (SNHBM campierten, nur um ihre Bewerbungsdokumente abzugeben, da die Vergabe von subventionierten Wohnungen beim öffentlichen Bauträger in chronologischer Reihenfolge erfolgt, so dass, wer sein Dossier eher abgibt, auch mehr Chancen hat, eher dranzukommen.

Wie groß die Wohnungsnot in Luxemburg tatsächlich ist, das wurde aber auch bei der jüngsten Politmonitor-Umfrage deutlich, wo der Zugang zu bezahlbarem Wohnraum bei den konkreten Sorgen der Bürger bei 82 Prozent der Befragten an erster Stelle rangierte, noch vor dem Klimawandel, der hier nur an vierter Stelle kam.

Wie besorgniserregend die Situation in Luxemburg ist, das zeigt sich ebenfalls an rezenten Zahlen der Statec, denen zufolge das Wohnen von Jahr zu Jahr teurer wird, die Wohnkosten stärker als die Einkommen steigen, und immer mehr Menschen durch die steigenden Immobilienpreise in die Armutsfalle zu geraten drohen, wobei inzwischen jeder vierte Einwohner von Armut bedroht ist und die Wohnkosten bei den Geringverdienern mehr als die Hälfte des verfügbaren Einkommens in Anspruch nehmen.

Derweil erschwingliche Wohnungen langsam aber sicher auch in unseren Nachbarländern zum Problem werden, dem unsere deutschen Nachbarn zum Beispiel mit solch umstrittenen Maßnahmen wie der Mietpreisbremse zu Leibe rücken wollen, versucht sich seit Antritt von Blau-Rot-Grün vor sechs Jahren mit dem Grünen Henri Kox nun schon der vierte Wohnungsbauminister an einer Lösungsfindung, nachdem sich seine Vorgänger in dieser Frage allesamt - mal mehr mal weniger - die Zähne ausgebissen haben.

Der neue Minister lässt indes nichts anbrennen, stellte er doch, obwohl er erst im vergangenen Monat vereidigt wurde, nicht später als diese Woche den „Pacte logement 2.0“ vor, der allerdings erst im nächsten Jahr als Gesetzentwurf deponiert werden soll, um dann 2021 anzulaufen. Die Kommunen, die bislang auch Geld für demografisches Wachstum erhielten, sollen zukünftig nur noch dann Geld vom Staat erhalten, wenn sie auch erschwingliche Wohnungen bauen. Die Schaffung von erschwinglichem Wohnraum sowie die Mobilisierung von Bauland und leer stehendem Wohnraum stehen dann auch im Mittelpunkt des neuen Pakts gegen die Wohnungsnot.

Ein 23-Punkte-Programm für eine neue Dynamik im Wohnungsbau stellte gestern übrigens auch die größte Oppositionspartei vor, bei dem es darum geht, günstiger und schneller zu bauen, mehr Bauland zu erschließen und mehr Wohnungen zu bekommen.

Die öffentliche Hand sollte dann auch, und in Wien hat das bestens funktioniert, schnellstmöglich in den Besitz von mehr Wohnungen und Grundstücken kommen. Parteipolitik sollte in der Wohnungsbaupolitik jedenfalls keine Rolle spielen, wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten doch schon genug Zeit verschwendet. Wie heißt es doch so schön (so oder so ähnlich): Wohnst Du schon oder suchst Du noch...