Nachdem am Montag bereits der OGBL CSV-Präsident Michel Wolter aufgefordert hatte, „jegliche Art von Drohung gegenüber Radio 100,7 zu unterlassen und sich in aller Form bei Radio 100,7 und seinen Journalisten für seine verbalen Entgleisungen zu entschuldigen“, forderten gestern auch die beiden Journalistenvereinigungen ALJ und SJL eine öffentliche Entschuldigung von Wolter.
Dieser hatte am Montag zwar aufgrund der Gerüchte, jemand aus der CSV habe der Presse das Pädophilie-Dossier über die Verdächtigungen gegen Generalstaatsanwalt Roby Biever zugespielt, eine persönliche Erklärung abgegeben, in der er sich zur Pressefreiheit und zum Quellenschutz bekannt, sich dabei aber nicht entschuldigt.
Mit seiner Erklärung habe sich Michel Wolter keineswegs aus der Affäre gezogen, so das „Syndicat des Journalistes - Luxembourg“ (SJL). Erstens weil er sich geweigert habe, Fragen von Journalisten nach der Verlesung seiner Stellungnahme zuzulassen, was den Verdacht nahelege, dass es ihm lediglich um die mediale Aufmerksamkeit gegangen sei und nicht um den Dialog mit der von ihm angegriffenen Presse. Und zweitens habe seine Stellungnahme zwar eine Entschuldigung an Journalisten enthalten, die er vielleicht „zu hart angefasst hat“, aber ein Schuldeingeständnis dafür, dass er den Quellenschutz infrage gestellt und Journalisten gedroht habe, suche man vergebens.
Joseph Lorent: Die Presse hat auchPflichten
Der Generalsekretär des Presserats, der frühere „Wort“-Journalist Joseph Lorent, zeigt sich hingegen überzeugt, dass nach der Erklärung von Michel Wolter „mehr Klarheit“ herrsche, wie er seine Äußerungen von letzter Woche gemeint habe, wie er gegenüber der Erzbistumszeitung unterstrich. Nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Journalisten nicht nur Rechte, sondern auch Pflichten hätten, und sie alle Nachrichten auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüfen müssten. Zudem gelte nicht nur die Unschuldsvermutung, sondern müsse „der Schutz der Privatsphäre, der gute Ruf und die Ehre der betroffenen Personen“ bewahrt bleiben.
Die Journalistenvereinigungen dürften sich ob solcher Belehrungen des Generalsekretärs des Presserats mächtig freuen. Der Presserat selbst will sich übrigens erst „zu einem späteren Zeitpunkt“ mit dem Vorfall befassen.
Wie hieß es doch gleich noch mal in Elton John romantischem Gassenhauer? „Sorry seems to be the hardest word“.
Genau...
