LUXEMBURG
VIDOSAVA KUZMICK

Zwei Künstler reisen mit gemeinsamer Vision und mobilem Atelier quer durch Europa

"Nomad Workshop“ ist genau das, was der Name suggeriert. Mit einem mobilen Atelier pilgern die jungen Künstler Nora Wagner und Romain Simian durch Europa. In fünf Monaten stellen sie in vier verschiedenen Ländern ihre Kunst aus: Griechenland, Moldawien, Luxemburg und Lettland. Im „Journal“-Interview erzählt uns Nora mehr über dieses experimentelle Projekt.

Woraus besteht euer Projekt?

Nora Wagner Romain und ich werden uns in vier verschiedenen Ländern mit lokalen Künstlern zusammentun, um an verlassenen Orten freie Ausstellungen aufzubauen. Wir verbringen jedes Mal einen Monat vor Ort, das heißt wir leben und arbeiten zusammen mit den Künstlern am Ausstellungsort. Dadurch, dass wir in Länder mit völlig verschiedenen kulturellen Hintergründen reisen, könnte man das Projekt auch als soziales Experiment betrachten.

Wie ist die Idee dazu entstanden?

Wagner 2014 haben wir in der Galerie Bradtke ein ähnliches Projekt durchgeführt. Fünfzehn Künstler haben wochenlang an einer gemeinsamen Ausstellung gearbeitet. Das hat ziemlich gut funktioniert, also wollten wir diese Idee weiter ausbauen und schauen, wie weit man die Idee der Kooperation durchsetzen kann.

Welche Ziele verfolgt ihr dabei?

Wagner Wir wollen ein globales Netzwerk schaffen und den Austausch zwischen Künstlern, Publikum und kulturellen Institutionen ermöglichen. Uns geht es aber auch darum, einen Freiraum für die Kunst zu erschaffen und sie aus dem elitären Kreislauf loszulösen. Deshalb stellen wir auch an Orten aus, wo der Zugang zur Kunst nicht gegeben ist. Schlussendlich versuchen wir, den Leuten Mut zu machen, selbst kreativ zu werden, um so vielleicht einen anderen Blick auf die Welt zu bekommen.

Woher bekommt ihr Unterstützung für euer Vorhaben?

Wagner Eigentlich von allen Seiten, von Freunden und Fremden. Finanzielle Hilfe kommt zum Beispiel von Stiftungen. Und im Ausland helfen uns kulturelle Institutionen bei der Kommunikation unseres Projektes. Vor kurzem haben wir auch ein „analoges Crowdfunding“ organisiert. Wir haben auf Facebook einen Aufruf gestartet und eine Liste mit Dingen veröffentlicht, die wir benötigen. Dabei ist vieles zusammengekommen. Wenn auch fast nichts von der Liste, wie Marmelade oder Augentropfen, aber schaden kann es nicht. Die größte Hilfe kommt aber von einem moldawischen Künstler. Er ist in Montréal und kann deswegen nicht direkt mitmachen, aber da er von unserer Idee begeistert ist, hilft er uns von dort aus - sei es durch Kontakte oder moralische Unterstützung. Wir haben manchmal vor Rührung geweint, weil wir einfach nicht glauben konnten, wie viel Hilfe und Vertrauen uns über die Grenzen hinaus entgegen kommt.

Mit welchen Schwierigkeiten wird man konfrontiert?

Wagner Am Anfang des Projekts war es schwierig zusammen zu arbeiten, da wir beide keine feste Wohnung oder ein Atelier hatten. Wir mussten alles über Skype besprechen bis wir in den „Annexes“-Künstlerateliers in Bourglinster für drei Monate untergekommen sind. Dann war es auch schwieriger in Luxemburg und der Großregion Kooperationspartner zu finden als im Ausland. Hier war die erste Frage meistens, wie das Budget aussehe. Da endeten die meisten Diskussionen schon. Wir müssen das Geld nämlich gut managen, damit wir den Künstlern wenigstens ihre nächste Miete garantieren können. Außerdem rechnen wir fest mit Autopannen, unser Auto ist nicht mehr das Neueste.

Wo werdet ihr in Luxemburg ausstellen?

Wagner Im Juli sind wir mit unserem Workshop in Wiltz. Uns steht ein leer stehendes Geschäft zur Verfügung, wo wir Pop-Up Stores und -Cafés oder Vorlesungen organisieren können. Wir werden aber in der ganzen Stadt verteilt intervenieren. Wir überlegen uns auch, anstelle eines Künstler-Teams mit den Leuten von „Coopérations“ zusammen zu arbeiten. Das ist eine Vereinigung für behinderte Personen. Wir haben uns schon kennen gelernt und verstehen uns super.

nomadworkshop.tumblr.com