CORDELIA CHATON

Es brennt seit Wochen so sehr in Australien, dass nicht nur Millionen von Tieren sterben, sondern auch Menschen leiden und selbst prestigeträchtige Turniere nicht stattfinden können. Auf der anderen Seite der Weltkugel sieht es nicht besser aus: Unter Brasiliens rechtsextremem Präsidenten Bolsonaro hat die Abholzung des Regenwaldes im Amazonas drastisch zugenommen. 2019 vergrößerte sich die Fläche, die geschlagen oder gerodet wurde, um 85 Prozent. 9.166 Quadratkilometer Wald wurden abgeholzt.

Da wird es etwas verständlicher, warum ausgerechnet das noble Weltwirtschaftsforum sich im grünen Umhang drapiert: Wie gestern bei der Vorstellung bekannt wurde, steht der Treff der Mächtigen unter dem Slogan: Gemeinsam gegen den Klimawandel. Nur eine sofortige Kooperation von Politik, Wirtschaft und Gesellschaft verspricht nach Ansicht des Schweizer Forums aus Davos Erfolge im Kampf gegen die derzeit größten Gefahren. Ansonsten drohten „katastrophale“ Folgen wie wirtschaftliche Konflikte und politische Polarisierung, geopolitische Turbulenzen sowie Abschottung. Die wahren Herausforderungen für die großen Chefs seien also die Klimakrise, der Verlust der biologischen Vielfalt und ein rekordverdächtiger Artenrückgang.

Siemens-Chef Joe Kaeser ist einer von denen, die in Davos eingeladen werden. 2018 machte er Schlagzeilen als Trump-Schleimer, gerade hat er seinem Konzern und der deutschen Industrie insgesamt mit seinem Kurs zur Lieferung an ein Kohlekraftwerk in Australien diskreditiert. Zugute halten kann man ihm, dass das Kohlebergwerk ein politisches Projekt der australischen Politik ist - deren konservativer Premier ja auch den Klimawandel leugnet.

Überhaupt wird es beim Thema Kohle hitzig. In Deutschland ist der Streit um Mittel für das Aufgeben von Kohlekraftwerken entbrannt, in Polen würde ein Land, dass unter seiner schlechten Luft leidet, ohne Kohle bibbern. Was tun mit den verschlafenen Chancen, dem Kurs, der schon vor Jahren hätte geändert werden müssen? Es wird mal wieder ein Thema von Geld und Arbeitsplätzen.

In dieser Situation profiliert sich ausgerechnet der Chef von BlackRock als grüner Vordenker. Denn Larry Fink hat in seinem jährlichen CEO-Brief an die wichtigsten Konzernchefs der Welt – darunter nicht nur Kaeser, sondern auch Apple-Chef Tim Cook – zu neuem ökologischen Bewusstsein aufgerufen. Das vom Klimawandel ausgehende Risiko würde „bislang nur zögerlich zur Kenntnis genommen“. BlackRock ist mit sieben Billionen US-Dollar der weltweit größte unabhängige Vermögensverwalter - und auch hier im Land präsent.

Blöd nur, dass die „Börsen-Zeitung“ nachgehakt hat. In ihrer neuesten Ausgabe listet sie präzise auf, wie BlackRock an den großen Gas- und Ölfirmen dieser Welt beteiligt ist. Egal ob BP, Royal Dutch Shell, Lundin Petroleum oder Saipem: alle sind vertreten. Auch bei der Deutschen Börse, der Deutschen Bank und der Commerzbank ist „die heimliche Weltmacht“ („Handelsblatt“) größter Einzelaktionär. Wenn die Konzernbosse Glaubwürdigkeit wollen, müssen Taten folgen. Sonst fachen sie nur das Feuer an.