Nur noch fünf Wochen trennen uns von einem Termin, an dem die Bevölkerung unseres Landes aufgerufen ist, Farbe zu bekennen. Farbe zu bekennen darüber, ob wir „bleiwe, wat mir sin“ oder aber, einem Impuls von Offenheit, Mut, Solidarität und Partnerschaft folgen wollen. Ob wir resolut das Tor zu einer neuen Phase unserer nationalen Entwicklung aufstoßen wollen und ein Zeichen setzen, bei uns, in Europa und darüber hinaus, für eine beispielhafte Integration, auf die wir mit Recht stolz sein können. Es wäre ein Zeichen für ehrliches und faires Miteinander, für Beteiligung nicht nur an der enormen Wirtschaftsleistung, sondern auch an der künftigen Gestaltung eines Landes, das mit den alleinigen Kräften seiner „nationalen“ Bürger schon in den letzten drei Jahrzehnten wesentlich kleinere Brötchen gebacken hätte und, heute wie auch zukünftig, kaum noch überlebensfähig wäre.
Zu dieser Einsicht muss eigentlich jeder kommen, der ehrlich die Lebensumstände in diesem Land betrachtet. Auf Schritt und Tritt arbeiten und leben wir mit Nicht-Luxemburgern, vom Fahrer des privaten Busunternehmens, über den Sicherheitsmann am Eingangstor zum Betrieb, die Verkäuferin im Zeitungsladen, die Hilfskraft in der Kantine bis hin, ja, bis zum Nebenmann am Arbeitsplatz, der die gleiche Arbeit verrichtet, die gleichen Sozialversicherungsbeiträge entrichtet und einen Teil seines Lohns in die gleiche, die luxemburgische Steuerkasse bezahlt wie wir alle.
Viele von uns „Einheimischen“ mögen sich wundern, dass der eine oder andere „ausländische“ Mitbürger mit unserer Politik und unseren gesellschaftlichen Besonderheiten wenig am Hut hat. Vielleicht ist das aber auch nur so, weil wir ihm eben bislang nicht die Möglichkeit oder den Anlass geboten haben, konkreter darüber nachzudenken.
Ist es ehrlicher oder gar konsequenter, den Ertrag aus Milliardenvermögen ausländischer Anleger am Finanzplatz Luxemburg in Beschlag zu nehmen, um unseren Sozialstaat zu finanzieren, dagegen aber die Menschen aus den gleichen Ländern, die bei uns wohnen, in keiner Weise am Entscheidungsprozess zu beteiligen?
Vor gerade mal zwei Generationen, als die Entscheidung anstand, die neuen europäischen Institutionen in Luxemburg anzusiedeln, ging die Angst um vor einer „Überfremdung“, vor einem Verfall unserer Sitten und Traditionen aufgrund all der vielen Ausländer, die mit den damaligen EGKS- und späteren EWG- und EU-Beamten ins Land kommen, unsere eigene Kultur auflösen und verdrängen würden. Jeder urteile selbst über die heutige Situation!
Ob wir sie mögen oder nicht: Die Globalisierung ist auch bei uns angekommen, sie hat uns viele Vorteile und auch die eine oder andere Herausforderung gebracht. Aber konnten wir nicht gerade auch bei deren Bewältigung auf die Mithilfe unserer nicht-luxemburgischen Mitarbeiter und -bürger zählen?
So what?



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