SCHIFFLINGEN
PATRICK WELTER

Mit der Tunnelbohrmaschine von Esch zur Kläranlage in Schifflingen

Es geht tief hinunter, mindestens zehn oder elf Meter und die Baugrube, eingefasst mit stabilen Betonwänden dürfte denselben Durchmesser haben. Wird hier eine U-Bahn gebaut? Angesichts der Gerätschaften die auf dieser Baustelle stehen ist die Frage durchaus berechtigt, aber wir sind in Schifflingen - hier baut doch niemand eine U-Bahn.

Tunnelbau wie bei den Großen

Der Vergleich ist aber gar nicht so falsch, denn zurzeit wird die Stadt Esch/Alzette über einen gewaltigen Abwassersammler von rund zwei Metern Durchmesser an die SIVEC-Kläranlage in Schifflingen angeschlossen. Damit man dafür nicht über Jahre hinweg, Straßen aufreißen und tiefe lange Gräben ziehen muss, geht man dort wie beim U-Bahnbau vor. Allerdings in einem kleineren Maßstab. Die Tunnelbohrmaschine gleicht zwar ihren großen Schwestern in den Alpen- und Eisenbahntunneln, ist aber um 80 Prozent kleiner. Dieses „Tunnelvortriebsverfahren“ verlangt nur alle paar hundert Meter nach einem tiefen Loch im Boden, den sogenannten Startgruben wo die Maschine ihre Arbeit anfängt und der Zielgrube wo sie später aus dem Erdreich wieder herausbricht. Dazwischen liegen etliche hundert Meter. Gestern wurde in Schifflingen eine kombinierte Ziel- und Startgrube, das beschriebene tiefe runde Loch, besichtigt.

Eingepresste Rohre aus Spezialbeton

Hinter den Tunnelbohrmaschinen werden Kanalrohre mit dem entsprechenden Querschnitt hydraulisch eingepresst. Diese Betonrohre sind im Inneren besonders geglättet, damit keine Rückstände der Abwässer haften bleiben. Aufgrund ihrer Größe sind die Rohre sogar begehbar, der glatte Beton und die Feuchtigkeit sind allerdings tückisch - was gestern schon einen Escher Schöffen im feinen Zwirn in den Matsch der Baustelle beförderte.

Zwar fand die Baustellenbesichtigung gestern in Schifflingen statt, eingeladen hatten aber der Escher Schöffenrat schließlich ging es um eine Abwasserleitung die Esch entsorgt. Grob verläuft der Abwassersammler von Esch-Lallingen, zum Escher „Cactus“, dann bis zur gestern vorgestellten Ziel- und Startgrube in Schifflingen, westlich der Rue de Hedange. Von hier aus setzt sich der Bohrer demnächst nach Nordosten in Bewegung, um die Saarautobahn zu unterqueren und dann die Zielgrube in der Kläranlage zu erreichen. Das Tunnelbohrsystem erlaubt es Straßen, Wohnviertel oder Eisenbahnlinien zu unterqueren, ohne dass es zu Störungen kommt.

Der Haken am Bau einer neuer Kanalisation liegt darin, dass notgedrungen und notwendigerweise Millionen Euro im Boden versenkt werden ohne dass die Bürger später etwas davon zu sehen bekommen. Ein Kanal fällt erst auf, wenn er nicht mehr funktioniert.