BONNEWEG
PATRICK VERSALL

Serge Tonnar und Claude Mangen gründeten vor 20 Jahren MASKéNADA

Als Serge Tonnar und Claude Mangen vor 20 Jahren das Künstlerkollektiv MASKéNADA gründeten, hielt Luxemburg noch dem Vergleich mit einer kulturellen Wüste stand. Vorbilder aus dem Ausland hatten der Musiker Tonnar und der Theatermacher Mangen keine; sie fingen bei Null an. Beide hatten das Problem, dass in Luxemburg Strukturen wie Produktionsplattformen fehlten, um eigene Projekte auf die Beine zu stellen. Kunstschaffende mussten ihre Projekte amateurhaft umsetzen, oder, wenn sie professionell arbeiten wollten, mit existierenden lokalen Strukturen zusammen arbeiten. Er und Mangen hätten also eine Struktur in Form einer a.s.b.l. gegründet, die ihnen einen legalen Rahmen für die Produktionen geboten und erlaubt habe, subventioniert zu werden. Seit 1999 hat MASKéNADA, das in der Bonneweger Banannefabrik seinen Sitz hat, eine Konvention mit dem Kulturministerium, die jetzt wieder erneuert wurde. „Seitdem arbeiten wir auch professioneller. Wir haben heute eine fest angestellte Mitarbeiterin, die sich unter anderem um die Verwaltung der Finanzen, und um den Ticketverkauf kümmert. Unsere Mitglieder arbeiten alle ehrenamtlich. Das ehrenamtliche Engagement spielt nach wie vor eine große Rolle”, erklärt der Frontmann der Band Legotrip und Präsident des Kollektivs. MASKéNADA hat in den letzten 20 Jahren eine Evolution von einer rein ehrenamtlichen hin zu einer professionellen Organisation durchgemacht. „Es ist heute nicht mehr denkbar, das Kollektiv von zuhause aus zu leiten“, betont Tonnar.

Steigende Nachfrage

Tonnar und Mangen sind heute noch die Gesichter des Kollektivs, das um die 30 Mitglieder zählt – Künstler und Kunstinteressierte. Ein erster großer Erfolg war 1996 die Inszenierung von MäcBess. „Claude inszenierte das Stück, ich steuerte die Musik bei. Wir haben nichts daran verdient, beide verzichteten wir auf unsere Gage.“ Damals seien die Leute hungrig nach Neuem gewesen, auf der anderen Seite habe man immer das gleiche Publikum gesehen, erinnert sich Tonnar. Heute gebe es mehr Publikum, die Nachfrage nach Qualität sei grösser, also müsse man sich mehr Mühe geben, um das Publikum an sich zu ziehen, fügt er hinzu.

MASKéNADA legte sein Augenmerk zu Beginn auf Theater- und Musikproduktionen; nach und nach vermischten sich die Kunstformen und man begann, interdisziplinärer zu arbeiten. Das Kollektiv ist offen für jede Art von Projekt: „Unser Ziel ist es, unseren Mitgliedern zu ermöglichen, ihre privaten Kunstprojekte durchzuführen. Hat ein Künstler eine Idee für ein Buch, ein Theater-oder Filmprojekt, dann unterstützen wir ihn bei der Suche nach finanziellen Mitteln oder helfen ihm, Partner zu finden.“

Tournee mit Frittenbude

Welche Projekte zurückbehalten werden, das entscheidet ein fünfköpfiges Exekutivkomitee. Das Komitee initiiert neuerdings auch selbst Projekte wie zum Beispiel „Plang B“, das im Stadtviertel Bonneweg aufgeführt wurde. MASKéNADA verfügt, im Gegensatz zu anderen Gruppen, über kein Haus, in dem es seine Produktionen zeigen kann. Sie würden aus diesem Grund raus zu den Leuten gehen, dorthin, wo keine Kultur sei, erklärt Tonnar und fügt hinzu, dass sie sich dort auch die notwendige Infrastruktur aufbauen müssten. „Unsere Projekte sind populär im positiven Sinn des Wortes, nicht populistisch: Qualitative Produktionen, die ein breites Publikum ansprechen und nicht übertrieben intellektualisiert sind.“

Im Sommer baut das Kollektiv eine „Frittenbude“ auf, um seinen 20. Geburtstag zu feiern: Zwischen Juni und August wird an fünf Orten in der „Friture Henriette“ ein Kulturprogramm aufgeführt. Dem Kollektiv sind in der letzten Zeit auch einige junge Kreative beigetreten, die sich längerfristig engagieren wollen.