CLAUDE KARGER

Drei Wochen nach den Wahlen sitzt der Gambia-Schock und das CSV-„Out“ bei manchen „Wort“-Schreiberlingen noch immer derart tief, dass ihnen die Maßstäbe völlig durcheinander geraten. So drehte gestern der „Leid“-Artikler wieder eine wunderliche Pirouette über die Dreierkoalition: „Sie ist demokratisch machbar, und für einen Teil der Wähler ist sie auch legitim, wobei man aber einhaken muss, dass das, was legitim ist, nicht gleichzeitig auch richtig, und das was richtig ist, nicht immer legal sein muss“. Hä? Versucht der Autor, der die Chefs von DP, LSAP, und Grünen am Vorwahltag „Rädelsführer“ schimpfte, die neue Koalition zwischen den Zeilen in die schummrige Ecke der Konspiration zu drücken? Natürlich traut er denen nicht zu, dass sie eine „Politik für das Land in seiner Gesamtheit machen“ wollen. Dabei wollen DP, LSAP und Grüne genau das machen, was der Autor anmahnt. Deshalb ist Bettels Aktentasche, die der Editorialist warum auch immer als „Edel-Tasche“ und potenzielle „Wundertüte“ bezeichnet, auch so voll. Dem Spaßvogel aus dem Erzbistumsblatt dürfte denn auch nicht behagen, dass einer der Partner gestern im „Quotidien“ verdeutlichte, wie hoch die Koalitionäre selbst die Latte legen: „Pour cette coalition, il y a un principe fondamental: nous n‘avons pas le droit d‘échouer“, sagte Etienne Schneider. Dont acte!