PASCAL STEINWACHS

Wir wissen nicht, welche Laus LSAP-Fraktionschef Bodry Anfang der Woche über die Leber gelaufen ist, aber seinen gegenüber dem Online-Magazin „Reporter“ gemachten Aussage nach zu urteilen, derzufolge es kein „blau-rot-grünes Projekt“ mehr gebe, muss es eine ziemlich große Laus gewesen sein. Zumal einem mit allen Wassern gewaschenen Politiker wie Bodry bewusst gewesen sein dürfte, was er mit seiner Aussage so alles anrichten würde, auch wenn er eigentlich nur sagen wollte, dass die Regierung ihr ambitiöses Reformpaket inzwischen fast vollständig umgesetzt habe, und die drei Lebensabschnittspartner von DP, LSAP und „déi gréng“ vier Monate vor den Wahlen nun wieder dazu übergehen sollten, sich auf „ihre eigenen Programme“ zu besinnen.

Aber der Ton macht bekanntlich die Musik, auch, und vielleicht besonders in der Politik, und dass Bodry dann auch noch hervorheben musste, dass die LSAP den Grünen von der Programmatik her am nächsten stehe, und die DP wieder mehr und mehr als „Interessenvertreter der Unternehmen“ auftrete, das klang dann doch ganz danach, als habe der sozialistische Fraktionspräsident, der ja auch einer der führenden Köpfe der Regierungskoalition ist, das blau-rot-grüne Projekt tatsächlich endgültig begraben und jegliche Hoffnung auf eine Fortsetzung der vielfarbigen Ménage-à-trois gänzlich aufgegeben.

Als politischer Insider dürfte Bodry zum Zeitpunkt seiner Aussagen auch über das Ergebnis der im Auftrag von „Wort“ und RTL durchgeführten „Sonndesfro“ im Bild gewesen sein, laut der die LSAP auf Landesebene nur noch auf neun Sitze kommen würde, und eine Fortsetzung der Dreierkoalition - die DP kommt bei besagter Umfrage auf zehn, und die Grünen auf sieben Sitze - schon rein rechnerisch nicht mehr möglich sei. Da bekommt die Bodry‘sche Ankündigung, dass er seiner Partei empfehlen würde, in die Opposition zu gehen, sollte sie die Wahlen verlieren, und elf oder noch weniger Mandate bekommen, eine ganz andere Bedeutung. Kein Wunder, dass LSAP-Spitzenkandidat Schneider, der immer noch davon träumt, der erste sozialistische Regierungschef in Luxemburg zu werden, seinem allzu ehrlichen Parteikollegen bescheinigte, sich etwas unglücklich ausgedrückt zu haben.

Staatsminister Bettel, der sich gestern nach langer Zeit endlich wieder mal zu einem Pressebriefing im Anschluss an den Regierungsrat hinreißen ließ, reagierte indes vor der versammelten Presse wie erwartet, nämlich gar nicht. Auf das Ende des blau-rot-grünen Projekts angesprochen, sagte er nur, dass er „voll motiviert“ in den Wahlkampf ziehen werde, dies mit der Zielsetzung, auch die nächsten fünf Jahre Premier von Luxemburg zu bleiben.

Glaubt man der „Sonndesfro“ nach der Wunschkoalition, dann wünschen sich übrigens 18 Prozent der Befragten eine Koalition zwischen CSV und Grünen, 13 Prozent eine Fortsetzung des Dreierbündnisses, elf Prozent eine CSV/DP-Regierung, und nur neun Prozent eine CSV/LSAP-Regierung, aber in den nächsten Monaten kann sich ja noch so einiges ändern. Und dass man Umfragen nicht allzu ernst nehmen sollte, davon weiß insbesondere die adr ein Liedchen zu singen, wurde diese doch in den bisherigen Meinungsumfragen immer überschätzt. Es bleibt spannend...