Na bitte, geht doch! In den vergangenen Tagen haben uns, eigentlich nur einmal mehr, die Organisation für Zusammenarbeit und wirtschaftliche Entwicklung (OECD) sowie der Internationale Währungsfonds (IWF) das bestätigt, was wir aus langjähriger Erfahrung auch selbst schon wussten: Der Werdegang unseres Landes über die letzten 50 Jahre hinweg ist eine klare Erfolgsgeschichte und der stark international ausgelegte Finanzplatz - Abbau von Souveränitäts-Nischen hin, zunehmende Anpassung an einheitliche Kontroll- und Besteuerungssysteme her - besitzt weiterhin enormes Wachstumspotenzial. Das gilt im übrigen auch für die allgemeine Wirtschaftsstruktur, wie weiter diversifiziert werden muss und kann.
Wenn wir uns auf die erste Feststellung, die mit der Erfolgsgeschichte, auch zu Recht etwas einbilden dürfen, so sollten wir doch vor allem den zweiten Befund, den mit dem Entwicklungspotenzial, beherzigen. Nichts in unserer schnelllebigen Welt ist nämlich noch von Bestand, außer dem konstanten Wandel, dem sich unser Land in den vergangenen Jahrzehnten zu stellen wusste. Erfreulich, nebenbei bemerkt, ist die Tatsache, dass man Luxemburg eine optimistische Zukunftsgestaltung auch ohne Mitwirkung der langjährigen Regierungspartei CSV zumutet.
Trotz gewisser Berechtigung einer angemessenen Selbstbeweihräucherung sollten wir aber nicht übersehen oder vergessen, dass wir einen nicht unwesentlichen Teil unserer jüngeren Erfolgsgeschichte vielen tausend Menschen zu verdanken haben, die aus anderen Ländern zu uns gekommen sind und sich mit ihren vielseitigen Kompetenzen maßgeblich eingebracht haben. Ihnen verdankt das im Herzen immer noch provinzielle Luxemburg zu wesentlichen Teilen jenes Maß an Internationalität, an globalem Denken, ohne das die erfolgreiche Gestaltung einer zukunftsorientierten Wirtschaftspolitik nicht vorstellbar wäre. Ist es deshalb wirklich so vermessen, jenen Leuten, die über viele Jahre zur Entwicklung unseres Landes beigetragen haben, sich somit als verdienstvolle Mitglieder der Volkswirtschaft bewährt haben, auch politische Mitgestaltungs-Kompetenz zuzugestehen und sie in wichtigen Fragen mitbestimmen zu lassen?
So positiv das von OECD und IWF vermittelte Bild unseres Landes und seiner Perspektiven auch sein mag, so vermag es an einem zunehmend unerträglichen Zustand nichts zu verändern, nämlich an einer immer bedenklicheren Zahl von Menschen, die in der prosperierenden Wirtschaft keine Beschäftigung mehr finden.
Vor allem an der Bewältigung dieses Problems, die in der Bildungspolitik ansetzen muss, wird sich der künftige Erfolg der luxemburgischen Wirtschaftsentwicklung messen lassen. Nicht zuletzt wird auch die Bereitstellung von ausreichend Wohnraum für die von anhaltend starkem Wachstum geprägte Bevölkerung den Grad des künftigen Erfolges mitbestimmen. Auch das gehört zum Umfeld einer Kursfindung, die Luxemburg wirtschaftlich und gesellschaftlich voranbringen soll. Eine Regierung, die all diesen Fragen den gebührenden Stellenwert und Handlungsbedarf einräumt, ist sicher nicht auf dem falschen Weg.


