LUXEMBURG
MARCO MENG

Statt lästiger Kundenkarten und Bonusheftchen soll eine App reichen

Wer kennt das nicht: Man sammelt „Treuepunkte“ in Geschäften, die man sowieso gerne besucht - aber wenn man dann dort einkauft, hat man die Kundenkarte oder das Bonusheftchen doch gar nicht dabei oder man findet sie an der Kasse nicht und will dann auch nicht lange danach suchen. Yollty verschafft Abhilfe, denn jetzt ist es möglich, Punkte per App zu sammeln. Alexandros Trepeklis, studierter Programmierer, hat sich das ausgedacht und das gleichnamige Startup „Yollty“ gegründet - der Name ist eine Kunstwort, das von „Loyality“ herrührt, denn darum geht es ja bei sogenannten Treuekarten, wie Trepeklis dem „Journal“ erläutert.

Was ist „Yollty“?

Alexandros Trepeklis Yollty ist eine kostenlose App, die auf Android- und Apple-Smartphones funktioniert und beispielsweise dort im Appstore heruntergeladen werden kann.

Meine Idee war, damit die Plastiktreuekarten oder die Bonusheftchen, die man von Geschäften oder Restaurants erhält und die einem die Brieftasche verstopfen, zu ersetzen. Mit Yollty hat man diese ganzen Karten und Heftchen auf dem Mobiltelefon.

Statt reale Stempel in ein Heft bekommt man nun beispielsweise nach dem Restaurantbesuch einen digitalen Stempel, darüber hinaus ermöglicht Yollty noch Extrafeatures wie „Extrastempel“, um das Bonusguthaben als kostenlosen Kaffee, kostenlosen Haarschnitt oder um was es sich eben handelt, zu bekommen.

Das hat zum einen die genannten Vorteile für den Kunden, während für teilnehmende Geschäfte eine Kundenbindung erreicht wird, indem sie die Kunden für einen Besuch in ihrem Geschäft oder Restaurant mit Yollty-Punkten belohnen, die über die App gesammelt werden.

Für ein gepostetes Foto auf Instagram oder Facebook mit kurzem Feedback zum Beispiel nach einem Cafébesuch können ebenfalls Punkte vergeben werden. Gut für Kunden wie Unternehmen, die dadurch in den sozialen Medien Aufmerksamkeit erreichen und mit der Zufriedenheit ihrer Kunden direkt werben können.

Wann schufen Sie Yollty und gründeten das Unternehmen?

Trepeklis Ich komme aus Griechenland und arbeitete damals schon in Luxemburg, als ich vor einigen Jahren die Idee dafür bekam. Im Frühjahr 2016 gründete ich dann Yollty S-àr.l.

Dem gingen natürlich viele Überlegungen voraus, wie man das ganze umsetzen und wie man daraus auch ein funktionierendes Geschäft machen kann. Setzt man ein solches Vorhaben um, entdeckt man oft, dass verschiedenes nicht so funktioniert oder umsetzbar ist, wie man sich das vorher gedacht hatte. Die ganze Entwicklungszeit dauerte etwa anderthalb Jahre.

Und wie war der Firmenstart?

Trepeklis Die App wurde gleich zu Beginn beim Startup-Wettbewerb „Fit4Start“ von Luxinnovation ausgewählt, womit wir eine Förderung von 15.000 Euro erhielten. Derweil haben wir Yollty aufgrund von Nutzerfeedback und den Erfahrungen der Geschäfte, die die App einsetzen, stets weiterentwickelt. Jetzt bald, am 1. Juli, wird die neue Yollty-Version herauskommen, in der wir viele neue Features eingebaut haben.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Trepeklis Ich studierte in Griechenland Informationstechnologie und anschließend in London auf dem University College London IT-Sicherheit.

Dann arbeitete ich bei Ernst & Young in Griechenland und kam 2011 für EY Luxembourg ins Großherzogtum. Jetzt habe ich unbezahlten Urlaub genommen, um mich auf Yollty zu konzentrieren.

Hatten Sie keine Angst, diesen Schritt zu tun? Das Projekt könnte scheitern...

Trepeklis Es könnte vielleicht, ja. Aber mir ist die Idee wert, dass ich sie umzusetzen versuche. Allein die Erfahrung, die ich bei der Entwicklung der App und des Geschäfts während der letzten anderthalb Jahre machten, waren so bereichernd, dass ich es nicht bereue, selbst wenn es am Ende kein geschäftlicher Erfolg würde. Aber ich glaube fest daran, dass es auch wirtschaftlich Früchte trägt.

Wie viele Geschäfte beteiligen sich an Yollty?

Trepeklis Mittlerweile sind es rund 50 Partner, die sich daran beteiligen, dazu gehört seit kurzem auch das Shopping-Center Belval Plaza. Wir haben Verträge mit Geschäften, vor allem aber Bars und Restaurants, beteiligen sich daran. Darauf hatten wir uns von Anfang an konzentriert, aber auch Läden oder Tankstellen, die bislang Kundenkarten oder Bonushefte anboten, sind natürlich unsere Zielgruppe, da sie mit Yollty mehr erreichen.

Was sind die nächsten Pläne?

Trepeklis Wie gesagt, am 1. Juli bringen wir die neue Version der App heraus, mit der wir natürlich auch hoffen, mehr Partner zur Teilnahme zu gewinnen. Voraussichtlich im Herbst werden wir dann versuchen, Läden aus der Großregion als Partner zu gewinnen.

Gleichzeitig sind wir in Gesprächen mit potenziellen Investoren; gewinnen wir genügend Privatinvestoren können wir von einer weiteren staatlichen Förderung profitieren, was uns bei unseren Expansionsplänen unterstützen würde. Ist das erfolgreich, wäre das nächste Ziel, europaweit zu expandieren.