MÜNCHEN
CHRISTIAN SPIELMANN

„Fack ju Göhte se Mjusicäl“ feiert in München Premiere

Regisseur Bora Dagtekin realisierte 2013 den Film „Fack ju Göhte“, mit Elyas M’Barek und Karoline Herfurth. Mit über sieben Millionen Besuchern war er ein Riesenerfolg. Und wie immer, wenn ein Film erfolgreich ist, werden Fortsetzungen gedreht: Teil zwei folgte 2015 und Nummer drei 2017. Stage Entertainment sah im Film genug Potenzial, um ein Musical daraus zu erschaffen. Die beiden Erfolgskomponisten Nicolas Rebscher und Simon Triebel wurden mit dem Komponieren der Musik beauftragt und Kevin Schröder mit der Adaption des Filmdrehbuchs. Christoph Drewitz wurde für die Regie engagiert. Im Münchener Werksviertel Mitte, gegenüber dem Ostbahnhof, wurde eine Industriehalle zu einem Theater, „Werk 7“, mit 700 Sitzplätzen umgebaut, in dem „Fack ju Göhte se Mjusicäl“ am 22. Januar Premiere feierte.

Auf Beutesuche

Zeki Müller (Max Hemmersdorfer) wird aus dem Knast entlassen, wo er wegen eines Raubüberfalls einsaß. Seine Freundin Charlie (Jennifer Siemann) hat die Beute aus dem Raub vergraben. Leider wurde über dem Versteck in der Zwischenzeit die neue Turnhalle der Goethe-Gesamtschule gebaut. Ein Mittäter, Attila (Enrico Treuse), will seinen Anteil von Zeki haben. Zeki bewirbt sich für die Stelle des Hausmeisters an der Schule, wird aber anstelle einer erkrankten Lehrerin von Direktorin Gerster (Elisabeth Ebner) engagiert. Weil Zeki die Diplome der Lehrerin Lisi Schnabelstedt (Johannna Spantzel) mit seinem Namen fälscht, erpresst sie ihn. So muss er die Chaoten-Klasse 10b übernehmen, und sie kann wieder zu ihren „normalen“ Schülern zurück.

Das Problem mit der 10b ist, dass alle Schüler zusammen nicht auf den durchschnittlichen Intelligenzquotienten eines Menschen kommen. Doch Zeki spricht dieselbe Sprache wie Chantal (Rebekka Corcodel), Burak (Anthony Curtis Kirby), Danger (Lukas Sandmann), Zeynep (Susi Studentkowski) oder Jerome (Robin Cadet). Nur die überdurchschnittlich begabte Laura (Sandra Leitner), Lisis Schwester, passt nicht in diese Klasse. Nach einiger Zeit hat Zeki sich durchgesetzt, und die Chaoten werden zu Schülern. Nebenbei gräbt er nachts in der Turnhalle nach der Beute. Und er beginnt den neuen Job zu mögen, wie auch Lisi.

Rap und Bollywood

Komponist Rebscher schrieb unter anderem den Hit „No Roots“ für Alice Merton, und Triebel etliche Lieder für die Gruppe Juli, wie „Die perfekte Welle“. Die allermeisten Songs fangen wie ein Rap an und gehen in wuchtige Rock- und Poprhythmen über, wie „Alle drehen durch“ oder „Spring ins kalte Wasser“. Ein wunderbarer Moment ist der im Bollywood-Sound gehaltene Song „Schule, Schule, Schule“, mit einer rasanten Choreografie von Frederik „Benke“ Rydman. Auch die Schüler-Fassung von „Romeo und Julia“ ist extrem originell und mit einem flotten Rap unterlegt.

Das Bühnenbild von Andrew D. Edwards stellt eine Turnhalle dar, die schnell mit Sprungkästen, Turnbänken und -matten in den Klassensaal oder Lisis Wohnung umgebaut wird. Humor wird großgeschrieben, und es sind vor allem die absolut dummen Antworten der Schüler auf einfache Fragen, welche die Lachmuskeln anregen. Insgesamt spielen und singen die Schauspieler und Schauspielerinnen ihre Rollen auf eine ausgezeichnete Art und Weise. „Fack ju Göhte se Mjusicäl“ überrascht und überzeugt in allen Belangen und muss bei einem Besuch der bayrischen Hauptstadt auf dem Programm stehen.

Weitere Informationen und Tickets unter www.stage-entertainment.de. Das Theater befindet sich in dem an die Friedensstraße (81671 München) angrenzenden Werksgelände in der Speicherstraße. Diese alte Industriehalde wird zurzeit umgebaut. Hier findet man bereits zahlreiche Restaurants, Clubs und Geschäfte. Über tausend Wohnungen, wie einige Hotels und Geschäfte werden noch gebaut.