LUXEMBURG
ANNETTE WELSCH

CNS 2017: Bessere Leistungen, bessere Information und Erreichbarkeit und neue Konventionen

Dass es der Gesundheitskasse CNS finanziell seit 2014 so gut geht, dass die Reserven drohen, die gesetzlich festgelegte Grenze von maximal 20 Prozent der jährlichen Ausgaben zu überschreiten, ist bekannt. Ein Plus von sechs Millionen Euro 2014, von 105 Millionen 2015 , von 129 Millionen in diesem Jahr und voraussichtlich 121 Millionen Euro im kommenden Jahr bedeutete Handlungsbedarf, denn die Reserven dürften 2017 bei 386 Millionen Euro liegen: In der Herbst-Quadripartite entschied man sich dafür, die Beiträge nicht zu senken, sondern die Reserven gesetzlich nicht mehr zu begrenzen und dafür aber auch den Versicherten bessere Leistungen zukommen zu lassen sowie die Sparmaßnahmen, die 2011 bei den Leistungserbringern eingeführt wurden, nicht weiterzuführen.

NEUE CNS-LEISTUNGEN

Zähne und Augen im Visier

Ab dem ersten Januar gilt:
- Es werden zwei Behandlungen pro Jahr zum Entfernen von Zahnstein erstattet - nun also alle sechs Monate anstatt einmal pro Jahr
- Die Lokalanästhesie bei Zahnfüllungen wird erstattet
- Bei Brillen wird von der CNS künftig auch ohne Verschreibung und generell Kunststoffglas übernommen
- Kontaktlinsen können nun alle drei (vorher alle vier) Jahre erneuert werden und auch schon ab sechs und nicht mehr erst ab acht Dioptrien
- Bei Transportfahrten mit dem Taxi werden künftig 1,60 Euro anstatt 1,40 pro km und eine Mindestpauschale in Höhe von 6,40 Euro bezahlt - die gab es vorher nicht
- Bei Transportfahrten mit der Ambulanz gelten nun eine Pauschale von 38 Euro (vorher 34) und Kilometergeld von 1,25 Euro (vorher 1,12)
- Für Diabetiker werden orthopädische Schuhe erstattet
- Im Zusammenhang mit dem neuen Präventivprogramm des Gesundheitsministeriums zur Früherkennung von Darmkrebs übernimmt die CNS die Arzt- und die Krankenhauskosten für die Darmspiegelung

Freitag stellten Sozialminister Romain Schneider und die Vertreter der CNS, Präsident Paul Schmit sowie erster Regierungsrat Jean-Paul Juchem die Neuerungen vor, die ab dem ersten Januar 2017 greifen werden. Sie betreffen nicht nur die Leistungsverbesserungen (s. Info-Kasten), sondern auch die Konventionen mit den verschiedenen Leistungserbringern und die Informationspolitik der CNS. „Wir lassen weiter Vorsicht walten“, kommentierte Minister Schneider die statutarischen Maßnahmen, die leicht zu machen waren und direkt greifen. „Es handelt sich um Maßnahmen, die zu kontrollieren und zu steuern sind.“ Sie entsprächen zudem dem Grundsatz „l’utile et le nécessaire“.

Weitere Leistungsverbesserungen ab 2018

Im Laufe des nächsten Jahres würden dann im Rahmen der Nomenklaturkommission noch weitere Verbesserungen diskutiert, für die dann entsprechende Tarife eingeführt werden müssen. So soll bei Kindern das Versiegeln von Rissen und Furchen auf den Kauflächen erstattet werden - als präventive Maßnahme. Es sollen zudem bei Plomben weiße Zahnfüllungen erstattungsfähig werden und bei Implantaten und solchen, die zum Halten von Prothesen nötig sind soll die Kassenbeteiligung steigen. Für die Brillenträger soll das ganze System der Erstattungen überarbeitet werden: Ziel ist es, mehr mit Pauschalen zu arbeiten und die Verwaltung zu vereinfachen. 2018 könnte es dann soweit sein.

Verbessert wird auch die Information der Versicherten, die vor allem dem Minister am Herzen lag. „Ich habe von Anfang an gesagt, macht einen besseren Internet-Site, kommuniziert einfacher und verständlicher und baut die Telefonzentrale aus“, sagte Schneider. Nun wird die CNS am 22. Dezember im neuen Look online gehen, um 45 Posten wurden und werden die 435 Stellen bei der CNS erstmals seit zehn Jahren verstärkt - unter anderem die Telefonzentrale wurde personell aufgestockt - und ab März 2017 kann man über guichet.lu verschiedene Zertifikate einfach ausdrucken und auch seine Abrechnungen einsehen.

Neue Nomenklaturenfür die Leistungserbringer

„Die CNS ist ein komplexes System, das in Beziehung mit vielen Leistungserbringern steht“, sagte Schmit. So wurden und werden derzeit alle Tarifordungen (Nomenklaturen) überarbeitet: Die mit den Physiotherapeuten und den Krankenpflegern ist fertig, an der mit den Laboren arbeitet man derzeit noch, sie soll Ende des Jahres fertig sein. „Bei den Ärzten haben wir die Methodologie festgelegt, nach der wir vorgehen wollen, in zwei Jahren sollten die größten Ungleichheiten ausgeglichen sein.“

Kostenneutralität war die Bedingung für die neue Nomenklatur mit den Physiotherapeuten. „Wir wollten eine Vereinfachung, mehr Pauschalen und mehr Re-Zentrierung auf die Rehabilitation, aber auch mehr Freiheit für die Therapeuten, ihre Behandlungsmethode zu wählen“, beschrieb Juchem die Ziele. Nun sind Qualitätsnormen für die Infrastruktur und die Leistungen festgelegt und die Verschreibung durch den Arzt wurde standardisiert. Missstände, wie die zu kurze (unter 20 Minuten) oder die gleichzeitige Behandlung mehrerer Patienten oder auch die „Scheinselbständigkeit“ sollten so künftig vermieden werden. Die Kosten der Physiotherapie werden weiterhin wie folgt übernommen: 70 Prozent bei geläufigen Behandlungen, 100 Prozent für schwere Pathologien, Rehabilitation nach Operationen und für Kinder unter 18.

Zur Verbesserung der Palliativpflege im häuslichen Bereich und in den Heimen wurden zwei neue Pauschalen in der Nomenklatur der Krankenpfleger eingeführt. Generell wurden die Pflegetarife, die im Rahmen der Pflegeversicherung - stationär und ambulant - abgerechnet werden können überarbeitet und zwei neue Leistungen für die Zwangsernährung und die Sauerstofftherapie eingeführt.

Bei den Ärzten können künftig neue Leistungen im Bereich der Geriatrie und der Reha in Rechnung gestellt werden. Aufgebessert wurden verschiedene technische Akte der Dermatologen, Psychiater und Rheumatologen sowie die Konsultationen im rahmen der Dienste im Krankenhaus.