LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Der Bankenverband ABBL präsentierte bei der Generalversammlung im 80. Jahr die Bilanz

Das Ritual ist jedes Jahr das gleiche: Morgens die Generalversammlung des Bankenverbandes ABBL und nachmittags die Pressekonferenz, auf der die Zahlen zu Luxemburgs wichtigstem Wirtschaftsbereich präsentiert werden, der immerhin rund 50.000 Menschen im vom Finanzrecht regulierten Sektor beschäftigt und davon gut 26.000 in Banken.

Auch im 80. Jahr ihres Bestehens bleibt die ABBL sich treu und legt lieber Fakten vor, statt auf den Tisch zu hauen. Die sind, grob gesagt, in Ordnung, aber kein Banker jubiliert. Die Gründe dafür sind seit Jahren - insbesondere seit der Finanzkrise 2008 - die gleichen: Niedrige Zinsen, ein hohes Level an Reglementierungen und viele Investitionen, die durch Digitalisierung, Automatisierung und Fintech notwendig werden. „Die Rentabilität des Finanzplatzes muss im europäischen Kontext gesehen werden“, meinte denn auch ABBL-Präsident Guy Hoffmann, der darüber hinaus CEO der Raiffeisen Luxemburg ist. Und fügt hinzu: „2018 war grundsätzlich ein positives Jahr.“

Immerhin: In den Luxemburger Depots liegen 239 Milliarden Euro, von denen allein 162 Milliarden Euro den Fonds zuzurechnen sind, aber auch 30 Milliarden den Haushalten. Die Banken finanzieren im wesentlichen Steine: Sowohl im Privatsektor als auch bei Unternehmen waren Immobilienkredite sehr gefragt. Sowohl im Privatsektor als auch im Unternehmenssektor verdoppelte sich ihr Volumen innerhalb von zehn Jahren. Kredite für den persönlichen Konsum waren hingegen weniger gefragt. Der ABBL-Präsident verwies darauf, dass viele Immobilienkredite heute nicht mehr nur über 20, sondern sogar über 30 oder 40 Jahre laufen. „Dafür braucht man professionelle Akteure“, betonte er.

Hoher Kostendruck

Hoffmann betonte, dass die Banken unter einem enormen Kostendruck stünden. „Vor zehn Jahren waren von 100 Euro Verdienst 43 Euro Kosten, heute liegt das bei 57 Prozent, also 57 Euro“, sagte er. Darüber hinaus hätten die Banken in den vergangenen zehn Jahren ihre Reserven um 47 Prozent und ihr Kapital um 57 Prozent aufgestockt. „Gleichzeitig schrumpfte die Bilanz innerhalb von zehn Jahren um 15 Prozent“, betonte er.

Die Bilanz der ABBL-Mitglieder in Zahlen sieht so aus: Die Zinsmarge stieg um zwei Prozent, die Einnahmen aus Kommissionen um 5,4 Prozent im Vergleich mit 2017 und das vorläufige Nettoresultat vor Provisionen liegt laut Finanzaufsicht CSSF bei -8,2 Prozent. Das erklärt sich vor allem durch Kosten, die um über sechs Prozent stiegen. Der Jahresüberschuss der luxemburgischen Banken sank 2018 um 3,03 Prozent auf 3.609 Millionen Euro. Die Zahl der Mitarbeiter stieg leicht um 200 auf 26.317.

Hoffmann fürchtet, dass in Zukunft der Niedrigzins sowie die höheren Kosten und die Reglementierung die Banken in Schwierigkeiten bringen werden. „Insgesamt ist der Sektor solide“, stellte er fest. Jedoch: „Die Industrie ist extrem im Wandel.“ Das zeigt sich auch bei den Mitgliedern, unter denen sich nun auch E-Pay-Abwickler befinden, ebenso wie Anwalts- und Steuerkanzleien. Die ABBL hat deshalb unter anderem ihre Beitragsstruktur angepasst. Um auf technische Herausforderungen zu reagieren und die Mitglieder zu informieren, hat die ABBL ein „Payment Cluster“ unter Leitung von Marc Hemmerling gegründet.

Da die Mitarbeiterzahl steigt, aber immer weniger Luxemburgisch sprechen, versucht die Bank, mit Kursen gegenzusteuern. Die ABBL strebt darüber hinaus Weiterbildung in einem breitem Rahmen an, der auch möglichst Gegenstand des Kollektivvertrags sein soll. Ein Knackpunkt bleibt noch, wer wen in den Verhandlungen zum Kollektivvertrag vertritt, da 54 Prozent der gewählten Arbeitnehmervertreter nicht gewerkschaftlich organisiert sind. Hier sieht die ABBL das Ministerium in der Pflicht für eine Entscheidung. Um Jugendliche für den Sektor zu interessieren, hat die ABBL 2018 zwei Filme realisiert und ihre Anstrengungen bei der Finanzbildung von Schülern verstärkt. An der diesjährigen „Woch vun de Suen“ nahmen 1.100 Schüler aus 42 Schulen teil. Erstmals machte eine Klasse beim „European Money Quiz“ mit. Aufgrund der Qualität der Bewerber nehmen die meisten Banken nur noch Absolventen mit Bac+4/5.

Ein Thema, was die Banken darüber hinaus beschäftigt, ist Governance. Dazu wurde heute ein Deontologie-Code verabschiedet. „Wenn eine Bank in einem anderen Land ein Problem hat, ist ihr Ruf beschädigt. Wenn eine Bank in Luxemburg ein Problem hat, fällt das auf das Land zurück“, hielt ABBL-CEO Serge de Cillia fest. Beim Thema Geldwäsche gibt es deshalb einen Aktionsplan, kommendes Jahr wird er gemeinsam mit der „Financial Action Task Force“ überprüft.

Zum Thema Nachhaltigkeit gibt es eine Arbeitsgruppe sowie zwei Weiterbildungsmodule. Am 14. Mai findet eine Konferenz gemeinsam mit PwC zum Thema statt und im Juni ein Forum von „Luxembourg for Finance“.

Die ABBL setzt sich mit acht anderen Bankenverbänden aus Deutschland, Österreich, Kroatien, Dänemark, Italien Polen, der Slowakei und Slowenien für eine angemessenere Reglementierung im Bankenbereich ein. Das scheint bei der EU anzukommen. Der Brexit kam ausnahmsweise nur kurz zur Sprache. Die Mitglieder seien auf alles vorbereitet, hofften jedoch noch auf einen Vertrag, fasste Hoffmann die Lage zusammen.