LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Caroline Kubisch gab ihren Job als Buchhalterin auf, um spanische Pferde zu züchten

Im Jahr 2015 machte Caroline Kubisch (44) ihre Passion zum Beruf: Sie gründete ihren eigenen Betrieb, den Zucht- und Ausbildungsstall Bailaora in Dorscheid. Ihren Alltag verbringt die Pferdeliebhaberin nun mit spanischen Rasse-Rössern. Uns schildert sie, wie sie zum Züchten kam und was es auf dem Gestüt zu entdecken gibt.

Was fasziniert Sie an den spanischen Pferden?

Caroline Kubisch Zum einen bestechen die Pferde der Pura Raza Española natürlich durch ihr elegantes Aussehen. Sie haben einen schönen, starken Hals und anmutige, ausdrucksvolle Bewegungen. Hierin liegt meiner Meinung nach auch der größte Unterschied zu deutschen Pferderassen. Sie sind aber auch sehr angenehm zu reiten und lassen einen bequem sitzen. Zudem sind sie einfach zu handhaben und haben meistens einen tollen, ehrlichen Charakter.

Wie wird man Pferdezüchter?

Kubisch Das hat sich bei mir eigentlich so über die Jahre entwickelt, learning by doing. Eigentlich habe ich zuvor 15 Jahre lang als Buchhalterin gearbeitet. Pferde spielten aber bereits seitdem ich sechs war eine wichtige Rolle in meinem Leben. Ich habe anfangs ganz normalen Reitunterricht auf einem benachbarten Reiterhof genommen und bekam mit 16 mein erstes eigenes Pferd. Ganz früher war ich aber eher dem Springreiten verschrieben und hatte vorwiegend deutsche Reitpferde. Irgendwann hat mir die Art und Weise des Reitsports aber nicht mehr zugesagt. Bei einem Urlaub in Spanien habe ich mir mein erstes spanisches Pferd gekauft und mit nach Hause gebracht. Es sollte nicht das Einzige bleiben, ich habe noch einige nachgeholt, bis ich mir eine eigene Zuchtstute zugelegt habe. Nach den ersten gelungenen Deckversuchen sind dann noch weitere Stuten dazugekommen, die ich als Fohlen hergeholt und selber aufgezogen habe. Mittlerweile bin ich im Zuchtregister für spanische Pferde in Spanien anerkannt und eingetragen. Anfangs wollte ich nur für meinen persönlichen Spaß züchten, nach und nach hat sich das aber so gut entwickelt, dass ich mich entschloss, als Buchhalter zu kündigen, meiner Passion nachzugehen und mein eigenes Gestüt aufzumachen.

Auf welche wirtschaftlichen Faktoren müssen Sie in Ihrem Betrieb achten?

Kubisch Momentan ist es eher schwierig, da wir unsere Pferde als Fohlen herholen und erst nach der Aufzucht weiterverkaufen. Zuerst gibt es relativ viele Unkosten durch Futter, Stall, Ausbildung, Tierarzt und Schmied, so dass wir in dieser Zeit nicht sehr viel Gewinn machen. Das wird sich aber in den nächsten Jahren etwas einpendeln. Das Interesse an spanischen Pferden muss hier in Luxemburg erst noch geweckt werden. Je mehr wir darauf aufmerksam machen, umso mehr Leute begeistern sich auch für die Spanier. Wir wollen auch diejenigen Reiter ansprechen, die sich ein feines Pferd wünschen mit dem sie unabhängig vom gängigen Turniersport hohe Lektionen reiten können, die Spaß an Ausbildung und reiterlicher Weiterbildung haben, und die bislang einfach nur noch nicht das richtige „Modell“ dafür gefunden haben.

Nach welchen Kriterien suchen Sie die Pferde aus?

Kubisch Mir ist es wichtig, die Pferde live zu betrachten. Zunächst schaue ich zu Hause Videos der Pferde an, um ihren Zustand, die Bewegungen und ihre Figur zu begutachten. Ist etwas Entsprechendes dabei, fahre ich nach Spanien, um die Pferde persönlich kennenzulernen. Von Blindkäufen aus dem Internet rate ich dringend ab. Natürlich spielen eine gute Abstammung und ordentliche Papiere auch eine wichtige Rolle. Bin ich im Auftrag eines Kunden unterwegs, muss ich natürlich dessen Wünsche berücksichtigen. Hier wähle ich dann auch nach Größe und Farbe, Alter und Können aus. Es muss ja schließlich auch zu dem Reiter passen. In Madrid, Barcelona und Valencia habe ich Verbindungen zu etablierten Händlern, mit denen ich ständig zusammenarbeite.

Auf was konzentrieren Sie sich auf Ihrem Gestüt Bailaora?

Kubisch Uns geht es darum, das spanische Pferd und die klassisch barocke Reitweise zu präsentieren und in Luxemburg bekannt zu machen. Dazu gehören die Aspekte der Haltung, Pflege, Fütterung und natürlich auch die Zucht. Wir züchten reinrassige spanische Pferde, wobei der Charakter des Tieres für uns das A und O darstellt. Im Speziellen achten wir zudem auch noch auf das Erscheinungsbild. Mir liegt viel daran, auch außergewöhnliche Farben wie Cremellos, Palominos oder Falben zu züchten.

Wie sieht die alltägliche Arbeit auf dem Gestüt aus?

Kubisch Früh morgens stehe ich auf und versorge die Pferde mit Heu und Kraftfutter. Während sie fressen, habe ich Zeit zum Frühstücken. Dann bringe ich die Pferde auf die Weiden. Unser Angestellter hilft dann beim Misten. Mittags gibt es die zweite Runde Heu, bevor das Training beginnt. Die Pferde, die in Beritt sind, werden geritten und es werden Reitstunden abgehalten. Hier helfe ich dabei, die Pferde für die Lehrstunde fertig zu machen und die Kunden zu betreuen. Die Kurse werden von unserer Ausbilderin geleitet. Meistens reite ich später dann noch selbst eins unserer Pferde. Am Abend nehmen wir die restlichen Pferde in den Stall und füttern noch einmal. So geht das sieben Tage die Woche, bei jedem Wetter.

www.bailaora-horses.com und Facebook unter „Zucht- und Ausbildungsstall Bailaora“