LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Schwestern-Trio soll nach Ansicht der Staatsanwaltschaft ins Gefängnis

An drei Verhandlungstagen mussten sich drei rumänische Schwestern vor der Kriminalkammer verantworten. In ihrem Prozess ging es unter anderem um den Vorwurf des versuchten Totschlags. Die drei Angeklagten sollen in der Nacht zum 12. Mai 2016 in Esch/Alzette einen damals 74-Jährigen in seiner Wohnung brutal angegriffen und schwer verletzt haben.

Er war blutüberströmt durch ein Fenster geflüchtet. Das Opfer hatte am vergangenen Dienstag ausgesagt und sein Martyrium beschrieben.

Die Angeklagten Larisia B. und Claudia S. stellten sich am Mittwoch insgesamt drei Stunden den Fragen der Vorsitzenden Richterin Sylvie Conter. „Wir hatten gerade keine Arbeit, wir arbeiteten halt im Kabarett“, sagte B.. Wie B. am Mittwoch weiter ausführte, hatte sie mit dem damals 74-jährigen Opfer eine Beziehung. Es „war Liebe auf den ersten Blick.“ Sie habe zuerst vorübergehend in seiner Wohnung in Esch gewohnt. Dann seien ihre zwei Schwestern zugezogen, doch es wäre schwierig geworden.

Angeklagte beteuern Unschuld

B. gab aber dem Opfer die Schuld an dem Geschehen. Die Frauen hätten am Abend vom 11. auf den 12. Mai einen harmonischen Abend zuerst in einem Wirtshaus, dann in einer Diskothek verbracht. Als sie zur Wohnung zurückkamen, hätte der Mann vor der Tür auf sie gewartet und sie beschimpft, weil ihre Schwester Marinela stark alkoholisiert gewesen sei. Im Haus sei der Mann ihnen bis in den ersten Stock gefolgt, wo es zu einer handgreiflichen Auseinandersetzung zwischen ihr und dem Mann gekommen sei.

Er hätte sie geschlagen. Sie hätte zurückgeschlagen. Der Mann sei dabei im ersten Stock in der Nähe des Badezimmers zu Boden gestürzt und dann die Treppe hinuntergefallen. Schließlich hätten sie den aufgeregten Mann in den ersten Stock getragen und dort im Zimmer eingesperrt - damit er sich beruhige. Die beiden anderen Frauen, Claudia S. und Marinela S., bestätigten diese Aussage in den richterlichen Vernehmungen.

Die Anklage geht aber davon aus, dass der Mann im zweiten Stock die Treppe hinuntergestoßen wurde - in der Treppe im zweiten Stock wurden die Pantoffeln des Opfers gefunden. Im ersten Stock sei er dann blutüberströmt in ein Zimmer eingesperrt worden, bis er später mit letzter Kraft aus dem Fenster geflüchtet sei. Der Anklagevertreter Laurent Seck wertete den Sturz als versuchten Totschlag und forderte in seinem Plädoyer eine Haftstrafe von zehn Jahren für Larisia B. beziehungsweise für Claudia S.. Wegen unter anderem unterlassener Hilfeleistung forderte er für Marinela S. eine Freiheitsstrafe von 24 Monaten.

Freisprüche gefordert

In seinem Schlussvortrag sah Verteidiger Roby Schons hingegen den Tatbestand des versuchten Totschlags seiner beiden Mandantinnen als nicht erfüllt an. Schons fordert für Larisia B. und Marinela S. einen Freispruch. Einzig und allein bleibe eine einfache Körperverletzung für Larisia B., sagte Schons. Sie hatte dem Opfer drei- oder viermal mit der Hand ins Gesicht geschlagen.

Der Verteidiger von Claudia S. forderte einen Freispruch für seine Mandantin. Die Tatbestände versuchter Totschlag oder auch Freiheitsberaubung seien für den Verteidiger nicht erfüllt.

Die Angeklagten beteuerten gestern erneut ihre Unschuld.

Das Urteil wird für den 13. Dezember erwartet.