LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Prozess: Mann soll zwei Prostituierte verprügelt und bestohlen haben

Je betrunkener der Angeklagte war, desto mehr mussten die Prostituierten ihm zu Willen sein. Er nahm Kokain und verlangte von den Frauen mehrmals Geschlechtsverkehr. 2016 soll der 33-jährige Freier innerhalb von zwei Monaten zwei Prostituierte zum Teil schwer verletzt haben. Am Mittwoch stand er vor Gericht. Die Anklage: Versuchter Totschlag und Diebstahl. Die Verhandlung fand allerdings ohne die beiden Opfer statt, da sie sich zurzeit im Ausland aufhalten. Staatsanwaltschaft und Verteidigung verzichteten auf ihre Aussagen. Das Gericht hatte dadurch Schwierigkeiten, die Tathergänge genauer zu rekonstruieren.

Am 18. Dezember 2016 gegen 7.00 wurde die Polizei in die Straßburger Straße im hauptstädtischen Bahnhofsviertel gerufen. In der Nähe der Nice Bar lag eine Frau blutüberströmt auf dem Boden. Vier Kriminalbeamte sagten am Mittwoch vor Gericht über den Fall aus. Ob die Frau auf der Straße angegriffen wurde, war nicht klar. Die Prostituierte hatte behauptet, die eigentliche Tat habe sich in einem Zimmer im zweiten Stock in der Nice Bar ereignet. Hier soll die Prostituierte ihre Dienste angeboten haben.

Laut Anklage soll der 33-jährige Mann eine gewisse Zeit bei der Prostituierten gebucht haben. Er sei bekannt dafür, dass er öfter einen über den Durst trinkt, Kokain nimmt und danach die Fassung verlieren kann. Die Frau soll zunächst einverstanden gewesen sein, soll sich dann aber geweigert haben, ihm das Geld, das er ihr bereits ausgehändigt hatte, zurückzuzahlen. Dabei habe der 33-Jährige die Prostituierte niedergeschlagen. Der Frau soll er wegen ihrer heftigen Gegenwehr mit einem kaputten Glas mehrere Schnittwunden zugefügt haben.

Der mutmaßliche Täter bestritt nicht, die Frau mehrere Male ins Gesicht geschlagen zu haben, eine Tötungsabsicht hingegen schon. Dass er die Frau gewürgt und mit einem kaputten Glas mehrmals in den Arm gestochen haben soll, bestritt der Mann ebenfalls.

1.500 Euro geklaut

Der Freier soll ihr - nach eigenen Angaben der Frau - auch noch 1.500 Euro in bar gestohlen haben. Die Polizei geht davon aus, dass sich Opfer und mutmaßlicher Täter schon vor der Tat kannten. Da Verdächtiger und Opfer in der Tatnacht sexuellen Kontakt hatten und der mutmaßliche Täter dabei seinen Personalausweis auf dem Bett liegen gelassen hatte, war es für die Ermittler recht
einfach, die Identität des Angreifers schnell zu klären.

Aber weder DNA-Spuren noch Fingerabdrücke konnten die Ermittler finden, denn das Zimmer war vor Eintreffen der Polizei schon geputzt worden.

Die zweite Prostituierte verlor zwei Schneidezähne bei der Auseinandersetzung mit dem Angeklagten. Der Fall soll sich bereits im Oktober 2016 an gleicher Stelle zugetragen haben. Über diesen Streit ist weiter nichts bekannt, nur, dass der Angeklagte auch hier gewalttätig wurde und wegen des Geldes ausrastete. Bei der Polizei hatte die Frau zu Protokoll gegeben, vom Freier im Schlaf bestohlen worden zu sein. „Raub war es nicht“, sagte der Beschuldigte vor Gericht. Sie habe ihn in den Finger gebissen, dadurch hätte sie die Schneidezähne verloren.

Der Verteidiger zweifelte die Aussagen der beiden Prostituierten an. „Von dem Anklagepunkt versuchter Totschlag bleibt nichts übrig“, sagte der Verteidiger. Um das Ganze abzurunden, bat er das Gericht, die Haftstrafe seines Mandanten zur Bewährung mit Auflagen auszusetzen.

Bewährung bei psychiatrischer Behandlung möglich

Das war der Staatsanwaltschaft zu milde. Der Anklagevertreter forderte eine Haftstrafe von zehn Jahren, da der Angeklagte äußerst brutal vorgegangen sei. Ein Teil dieser Freiheitsstrafe könne zwar zur Bewährung ausgesetzt werden, sagte der Vertreter der Staatsanwaltschaft, allerdings nur unter einer Bedingung, dass sich der Beschuldigte in psychiatrische Behandlung begebe.

Das Urteil wird am 7. Februar gesprochen.