LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Die eigene Schwester missbraucht: 33-Jähriger musste sich verantworten

Wegen Vergewaltigung seiner Schwester hat die Kriminalkammer des Luxemburger Bezirksgerichtes am Mittwoch den 33-jährigen Laurent T. zu zehn Jahren Haft ohne Bewährung verurteilt. Ihm werden von der Staatsanwaltschaft sexuelle Nötigung, Vergewaltigung, Inzest, Belästigung (Stalking), eine Reihe von Sittlichkeitsdelikten sowie Körperverletzung vorgeworfen. Die Staatsanwaltschaft hatte acht Jahre Haft gefordert. In der Nebenklage wurde der Schwester eine Entschädigung von 8.000 Euro zugesprochen.

Zehn Jahre lang (2007-2017) missbrauchte T. seine Schwester, oft mehrmals in der Woche.

Da der Angeklagte nicht zur Prozessverhandlung erschienen war und dadurch den Vorwürfen nicht entgegen trat, wurde er allein auf Grundlage des Klägervortrags verurteilt. Da ein Versäumnisurteil (jugement par défaut) nur ergeht, wenn der Angeklagte die Möglichkeit hatte, am Prozess teilzunehmen, wird sein Anspruch auf rechtliches Gehör zwar beeinträchtigt, allerdings nicht verletzt. Er hat 15 Tage Zeit Einspruch dagegen einzulegen. Es gibt zwei Rechtsmittel: Einspruch und Berufung. Im Falle eines Versäumnisurteils wird der Fall von einer Kammer desselben Bezirksgerichts wiederholt, die das Urteil in Verzug gesetzt hat. Im Falle einer Berufung wird der Fall vor dem Berufungsgericht erneut geprüft.

Niemand will etwas davon gemerkt haben - die Schwester zeigte ihren Bruder 2017 an. In der Aussage, die sie bei der Polizei gemacht hatte, schilderte sie die Taten. Vor dem Untersuchungsrichter hatte der Angeklagte die Vorwürfe der Vergewaltigung bestritten und er beteuerte, dass alles, was er getan habe, einvernehmlich war. Damit blieb der Schwester eine Aussage vor Gericht nicht erspart. Da das Opfer nicht unter der Anwesenheit von Zuschauern und Medien vor der Kriminalkammer aussagen wollte, fand ihre gerichtliche Befragung unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.