LÉON BRACONNIER

Die anfänglichen skeptischen Stimmen waren schnell verstummt. Inzwischen befindet sich das Kulturzentrum „Cube 521“ in Marnach in seiner zehnten Spielzeit. Der runde Geburtstag wird am 1. Juli 2017 mit einem großen ganztägigen Programm gefeiert. 

„Manchmal, in den bequemen Sesseln des großen Saals im „Cube 521“, da könnte man tatsächlich an ein Wunder glauben. Steht hier im 300-Seelen-Dorf Marnach wirklich ein hochmodernes Kulturhaus? Mit einem Programm, das dem vieler Bühnen in europäischen Metropolen keineswegs nachsteht? Mit bemerkenswerter Beleuchtungs- und Tontechnik? 

Blicken wir 30 Jahre zurück. Eine Zeit, in der vielerorts im Ösling die grünen, blauen und roten Traktoren noch unterwegs waren; die Zahl der in der Landwirtschaft Beschäftigten nahm allerdings rapide ab. Heute bewirtschaften moderne Großbetriebe gewaltige Areale. Auch im Tourismus haben sich die Zeiten drastisch verändert: Wer hätte damals von einem Golfplatz, von einem 5-Sterne Hotel in Clerf zu träumen gewagt? Von einem Unesco-Schatz im altehrwürdigen Schloss? 

Aber vor 30 Jahren, 1987, da passierte Unerhörtes. Da ertönten in der Dorfkirche in Marnach plötzlich ungewohnte Klänge. Eine Geige, ein Cello, ein Klavier. Klassische Musik im Nordösling! Unerschrockene hatten ,De klenge Maarnicher Festival‘ ins Leben gerufen. Die Zuhörer eilten herbei, und nicht wenige fanden, dass Mozart und Haydn, und auch Bach, in der Höhenluft des Öslings so anders klangen.

Der Wunsch nach einem professionellen Kulturhaus wuchs mit der Zeit, und im Jahr 2000 wurde die Idee eines Kulturhauses in Marnach geboren. Der Gemeinderat von Munshausen, mit Emile Eicher als Bürgermeister, unterstützt von Kulturministerin Erna Hennicot-Schoepges, entwickelte eine mutige Vision. 

2007 wurde die Vision greifbare Realität. Das „Cube 521“ öffnete seine Tore und wurde sofort angenommen. Die Welt der Musik, des Theaters, des Variété, des Tanzes hatte eine Bleibe an der Nordspitze gefunden. Die Auslastung von 92 Prozent über all die Jahre ist wohl das beste Argument, das Projekt „Cube 521“ zu rechtfertigen. Über 700 Veranstaltungen fanden in den vergangenen zehn Jahren statt, 2.500 Künstler aus Luxemburg und der übrigen Welt gaben sich die Ehre! Und 170.000 Besucher haben einen meist begeisterten Applaus gespendet. Eine tolle Erfolgsstory! 

Allerdings: Trotz beispielhafter Unterstützung der Gemeinde Clerf, trotz Konvention mit dem Kulturministerium gelingt es nur mit Hilfe von weitsichtigen Partnern und Sponsoren, finanziell über die Runden zu kommen. Die Dezentralisation der kulturellen Infrastrukturen ist ohne jeden Zweifel eine lobenswerte politische Entscheidung. Das „Cube 521“ ist dafür ein Paradebeispiel. Doch für manch ein Konzert in einer prestigeträchtigen Infrastruktur anderswo im Großherzogtum wird mehr hingeblättert als unser künstlerisches Jahresbudget. Gleichwohl wäre es sicherlich unfair, zu vergleichen, was der Staat pro Besucher in den einzelnen Kultureinrichtungen zuzahlt. 

Aber so oder so, wenn man dem Charme eines Saxofons verfällt, der Virtuosität einer Gitarre erliegt, der Faszination einer Stimme, wenn man vom Theaterstück ergriffen nach Hause fährt, dann ist das Haus auf 521 Metern über dem Spiegel der Meere tatsächlich wie ein kleines Wunder. Wie eingeatmeter Sternenstaub, wie gefühltes unendliches Glück.“