PETINGEN
LJ
Steckbrief zu Petingen

Eine Rekordzahl an Kandidaten

Die Gemeinde Petingen ist die einzige in Luxemburg, die sowohl an Frankreich als auch an Belgien angrenzt. Sie erstreckt sich über insgesamt 1.193 Hektar und umfasst die Ortschaften Petingen, Rodingen und Lamadeleine. Obwohl sie eine der flächenmäßig kleinsten Gemeinden im Land ist, zählt Petingen heute 18.238 Einwohner gegenüber 16.085 bei den vorherigen Gemeindewahlen und ist somit die fünftgrößte nach der Einwohnerzahl. Die Kommune wird geführt von einer CSV/LSAP-Koalition. An der Spitze: Bürgermeister Pierre Mellina (CSV) sowie die Schöffen Roland Breyer (CSV), Raymonde Conter-Klein (CSV) und Romain Mertzig (LSAP). Die CSV hält im Gemeinderat insgesamt acht Sitze, die LSAP vier, die Grünen zwei, die DP einen sowie Joe Thein einen. Er hatte 2011 als ADR-Kandidat den Einzug in den Gemeinderat geschafft. Später wurde er allerdings aus der Partei ausgeschlossen und gründete seine eigene Bewegung „Déi Konservativ“. Sie ist eine von acht Listen (gegenüber fünf im Jahr 2011), die am 8. Oktober antreten. Zusätzlich zu „Déi Konservativ“, CSV (hier ist auch der ehemalige Innenminister, Ex-„député-maire“ von Petingen und heutige Abgeordnete Jean-Marie Halsdorf Kandidat), LSAP, Grüne, DP und ADR treten auch „déi lénk“ und die „Piratepartei“ mit Kandidaten für den Gemeinderat an.

Das erste Mal bei den Gemeindewahlen dabei und dann gleich Spitzenkandidat: Eric Derume, 25, aktiv bei den „Jonk Demokraten“, führt die DP-Liste in Petingen an, allerdings gemeinsam mit Marie-Louise Berens, der Witwe des 2014 im Alter von nur 59 Jahren verstorbenen DP-Gemeinderats Jean-Claude Bouché. Er hatte 2013 die Nachfolge von Gilbert Welter angetreten - der ehemalige Schöffe war 2013 aus Altersgründen zurück getreten. Derzeit verfügt die DP mit Claude Tockert über einen einzigen Sitz im Petinger Rat. Um die Mandate bewerben sich diesmal eine Rekordzahl von Kandidaten: nicht weniger als 136 Kandidaten auf acht Listen treten für den Einzug in den 17-köpfigen Gemeinderat an.

Viele Herausforderungen für die fünftgrößte Gemeinde

Für die DP in Petingen ist das Ziel klar: den Stimmenanteil der Liberalen vergrößern, mindestens einen zusätzlichen Sitz erringen und im Idealfall in die Verantwortung zurück gelangen, wie das zwischen 2005 und 2011 der Fall war, als die DP mit der CSV koalierte.
Und wie will die liberale Liste das erreichen? „Wir sind keine Mannschaft, die sagt: es ist alles schlecht, was entschieden wurde. Nein, wir wollen auf der Arbeit aufbauen, die in den vergangenen Jahren auch mit DP-Schöffenratsbeteiligung geleistet wurde und Verbesserungen für die Bürger vornehmen“, erklärt Eric Derume.
Die Herausforderungen an die rasant wachsende fünftgrößte Gemeinde Luxemburgs nach der Einwohnerzahl seien nämlich mannigfaltig und eine langfristige Planung notwendig. Handlungsbedarf sieht die DP in ihrem Zehn-Punkte-Wahlprogramm demnach etwa bei den Kinderbetreuungsstrukturen. Bei den „Maison Relais“ gebe es jetzt schon zu lange Wartezeiten, um die Kinder zu platzieren, neue Betreuungsplätze müssten deshalb unbedingt her. Wichtig ist den Liberalen auch, dass gemeinsam mit den Vereinen an Konzepten gearbeitet wird, um die Kinder aus den „Maison Relais“ durch Sport und andere Aktivitäten zu beschäftigen und damit der Integration Vorschub zu leisten.

Sicherheit und Fahrradausleihsystem

Begegnungs- und Integrationsfaktoren sind auch die Spielplätze. „Es ist gut, dass es viele davon in der Gemeinde gibt, allerdings sind nicht mehr alle auf die Bedürfnisse der Bevölkerung zugeschnitten und auch qualitäts- und sicherheitstechnisch veraltet“, bemängelt Derume, der sich außerdem wünscht, dass mehr Aktivitäten auf diesen Spielplätzen stattfinden.
Die Sicherheit ist ebenfalls ein großes Anliegen der DP. Zunächst in punkto Verkehr. Die Liberalen sträuben sich dagegen, dass Fußgängerübergänge verschwinden sollen. Auch setzen sie sich dafür ein, dass die Parkplätze erhalten und sogar neue geschaffen werden. Zum Beispiel durch ein unterirdisches Parkhaus im Herzen von Petingen aber auch durch Parkhäuser nahe der umliegenden Ortschaften, wo Arbeitnehmer oder Geschäftskunden ihr Auto abstellen können, um dann bequem zu Fuß oder mit dem Fahrrad zu ihrem Ziel zu gelangen.
„Wie andere große Ortschaften braucht auch Petingen ein Fahrradausleihsystem“, unterstreicht Eric Derume, der außerdem die Verbesserung der Anbindung Petingens an den öffentlichen Transport voran treiben will. „Wenn in der Gegend große Veranstaltungen stattfinden, werden die Besucher aus Petingen auf dem Rückweg immer nur bis vor die Tore der Stadt gebracht“, erklärt der Spitzenkandidat, „wir werden dafür sorgen, dass sie auch in ihre Viertel zurück gebracht werden“.

Modernisierung und Verschönerung der Ortskerne

Die Flüssigkeit des Verkehrs innerorts der Gemeinde hängt für die DP Petingen auch maßgeblich von der Umgehungsstraße ab. Sie plädiert für den Ausbau auf drei Spuren und das Überdenken der Auf- und Abfahrten: Eine Studie müsse feststellen, wo Knoten entstehen können und Lösungen unterbreiten, wie sie beseitigt werden können. Das wäre auch eine Vorbedingung für die Modernisierung und Verschönerung der Ortskerne.
Die DP sorgt sich hier um den Erhalt der historischen Bausubstanz. Für sie gibt es Wege, ältere Häuser energetisch zu sanieren und zu Wohngemeinschaften umzubauen, statt sie abzureißen und anstelle Residenzen zu bauen. Dass Petingen mehr Wohnraum braucht sei klar, sagt Eric Derume, allerdings müsse es dafür ein Gesamtkonzept geben, das seines Erachtens zufolge bislang nicht vorliegt. Zu diesem Konzept müssten unbedingt auch Regeln gehören für den behindertengerechten Zugang zu den Gebäuden und für Grünflächen. Die DP Petingen will mehr solcher Flächen einrichten und attraktive und sichere Fußgängerwege schaffen.

Kostenloser Medikamentenlieferdienst

In punkto Sicherheit setzt sich die Partei vor allem auch dafür ein, dass das Polizeibüro 24 Stunden auf 24 besetzt ist - „eine Selbstverständlichkeit in einer Gemeinde dieser Größenordnung“, betont Eric Derume - und sowohl die Beamten als auch die „Agents municipaux“ mehr Präsenz zeigen. Das hatte die DP bereits 2011 gefordert. Mehr Sicherheit sei auch gut für die Attraktivität Petingens als Wirtschaftsstandort. Dafür müsse man aber auch anderweitig Bedingungen schaffen. Zum Beispiel indem man die kommunale Gewerbesteuer senkt. Der globale Besteuerungssatz für Betriebe sei in Petingen nämlich höher als anderswo.
Unter den weiteren Ideen im Wahlprogramm der DP Petingen finden sich etwa ein Gratis-Medikamentenlieferdienst, der im Zusammenspiel mit den Apotheken organisiert wird und die flächendeckende Aufstellung von Mülleimern mit integriertem Aschenbecher und Hundekottüten-Verteiler.