LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Minister Lex Delles stellte Maßnahmen zur Unterstützung des gesamten Tourismussektor vor

Gestern morgen stellte Minister Lex Delles die Unterstützungsstrategie der Regierung für die luxemburgische Tourismusbranche, mit dem Schwerpunkt auf Beherbergungsbetrieben, vor. Der Tourismus sei die erste Branche gewesen, die den Corona-Maßnahmen unterlegen habe und sei auch die letzte, die aus dem Shutdown entlassen wurde, stellte Minister Delles zu Beginn fest. Man habe aber vom ersten Tag an geholfen. Jetzt könne es allerdings kein Zurück zu einem Vorher wie früher geben: „Wir müssen lernen mit Corona zu leben.“ Dazu zählten eine Reihe von Maßnahmen, auf die sich die Branche einstellen könne.

Für 2020 habe sich auch die Tourismusbranche allgemein geändert, Fernreisen lägen weltweit auf Eis. Buchungen von Urlaubszielen oder Übernachtungen, auch in Luxemburg, werden in der nächsten Zeit sehr kurzfristig erfolgen. Das Ministerium will die Branche in den nächsten Wochen durch zwei „Webinare“ umfassend über die veränderten Verhältnisse und den Umgang damit informieren.

Jeweils fünf Stützpfeiler zur Stärkung

Der luxemburgische Tourismus gliedert sich seit Jahren in zwei Geschäftsfelder: Den Freizeit- oder Urlaubstourismus einerseits, und die Geschäftsreisen und den MICE-Sektor (Meetings, Incentives, Conventions, Events) andererseits. Beide Sektoren werden in der nächsten Zeit von Seiten der Regierung mit jeweils fünf Säulen oder Pfeilern gestützt werden.

Drei Millionen Euro für Verkehrsvereine

Der Tourismus vor Ort ist weitgehend ehrenamtlich organisiert. Eine Vielzahl von Vereinen und Tourismusverbänden sorgen sich um touristische Attraktionen. Um diese Vereine zu unterstützen, hat der Regierungsrat einen „Tourismusfonds“ in Höhe von drei Millionen Euro beschlossen.

Die touristische Werbung wird sich vor allem auf die Nachbarländer konzentrieren: Belgien, Deutschland, Frankreich, sowie die Niederlande. Weiterhin soll der Schwerpunkt auf Qualitätstourismus liegen. Zur Zielgruppe gehören auch die Einwohner des Großherzogtums und die Grenzgänger.

Mit der Kampagne „Lëtzebuerg - Dat ass Vakanz!“ wird Luxemburg als erstklassiges Reiseziel präsentiert. Der zentrale Anreiz werden die personalisierten Gutscheine im Wert von 50 Euro sein, die von der Regierung an jeden Einwohner und Grenzgänger vergeben werden und die bei einem luxemburgischen Beherbergungsbetrieb einzulösen sind. Minister Delles rechnet mit der Ausgabe von rund 700.000 Gutscheinen.

Die Corona-Krise hat zwar einen großen Sprung in Sachen Digitalisierung gebracht. In zahlreichen Hotels oder Campingplätzen gibt es aber immer noch Defizite. Dem will das Ministerium durch kostenlose Diagnosen des Ist-Zustands abhelfen und dann den Betrieben Empfehlungen zum Ausbau ihrer online-Strategie geben.

Im Laufe des aktuellen Fünfjahresplans für den Tourismus sind staatliche Mittel von 60 Millionen Euro vorgesehen, von den bereits 34 Millionen ausgezahlt wurden. Jetzt müsse es darum gehen, mit der verbleibenden Summe die Widerstandskraft der Branche für kommende Krisen zu stärken.

Digitale Konkurrenz

Bei den Geschäftsreisen, die vor allen für die Hotels in der Hauptstadt essentiell sind, hat die Corona-Krise binnen weniger Wochen zu einem strukturellen Wandel geführt. Laut Minister Delles werden mittlerweile 25 Prozent aller Meetings virtuell durchgeführt. Was bedeute, dass sich die ganze MICE-Branche neu aufstellen muss.

So will die Regierung helfen:

Ab dem 1. Juli greift ein Solidaritätsfonds zur Unterstützung von Unternehmen in der Beherbergungs- und Bewirtungsbranche. Aus diesem Fonds wird eine direkte monatliche Unterstützung in Höhe von 1.250 Euro pro Mitarbeiter im Betrieb und 250 Euro pro Mitarbeiter in Kurzarbeit gezahlt.

Die Rolle des „Luxembourg Congress Bureau“ (LCB) wird gestärkt, was zum Teil schon durch die Krise selbst geschehen ist. Vor Corona hatte das LCB 70 Partnerbetriebe, laut Delles sind es jetzt schon 144. Um den Willen zu einer, den Umständen angepassten, Kongress- und Meeting-Struktur zu verdeutlichen wird ein nationales Label für – coronasichere - Business Events eingeführt. Der wirtschaftliche Einbruch durch die Corona-Krise hat erhebliche Auswirkungen auf die Budgets von Unternehmen und Verbänden – und damit auf die Organisation von Fachveranstaltungen.

Daher wird das LCB seine Werbeaktivitäten vorrangig auf die lokale Wirtschaft und die Großregion ausrichten, um Veranstaltungen der kurzen Wege zu propagieren.

Lokale Dienstleister und Start-ups werden bei der Entwicklung technologischer Lösungen unterstützt. Die Veranstaltungsbranche wird auch beim Beschreiten neuer Wege gefördert. Der Markt für Fachveranstaltungen verlangt nach digitalen Werkzeugen wie Webinare, Live-Meetings, virtueller Realität oder hybriden Veranstaltungen.

Noch keine Zahlen zu Pleiten

Der Tourismusminister konnte noch keine Antwort auf die Frage geben, ob schon Zahlen über Horesca-Betriebe vorliegen, die die letzten Monate kommerziell nicht überlebt haben oder aktuell in massiven wirtschaftlichen Schwierigkeiten stecken und ums Überleben kämpfen.