PATRICK WELTER

Es geht doch! In der letzten Woche wurde das Gesetz über die Reform des Rettungswesens verabschiedet, am Anfang dieser Woche zählten dann Innenminister Kersch und seine Beamten die lange Liste der Arbeiten auf, die in den nächsten Wochen und Monaten noch zu tun sind, um endlich das einheitliche und teilprofessionalisierte Rettungskorps Realität werden zu lassen. Zehn Jahre lagen zwischen dem ersten Hilferuf der Retter in beiden Korps und dem endlich verabschiedeten Gesetz. Es hätte auch schneller gehen können, hätte der Staatsrat nicht mehrfach Haare spaltend auf der Bremse gestanden.

Zur Erinnerung ein paar Zeilen, die ich im Januar 2009 an dieser Stelle wutschnaubend verfasst habe: „(…) Die Rettung eines Notfallpatienten im schönsten aller Großherzogtümer liegt außerhalb der Hauptstadt in den Händen von freiwilligen Helfern, die aus ihrem Job heraus auf privates Risiko zur nächsten Rettungsstation toben müssen, um ihren Ambulanzwagen zu übernehmen (…).

Anachronismen mögen ja Charme haben, aber ein freiwilligenbasierter Rettungsdienst ist für ein postindustrielles Land des 21. Jahrhundert
nur noch peinlich. Noch viel peinlicher ist, dass schon unter dem Innenminister Wolter klar war, dass es so nicht gehen kann. (...)

Vor etwas mehr als einem Jahr (2008) haben sich Vertreter von Zivilschutz und Feuerwehren in einer konzertierten Aktion an die Öffentlichkeit gewandt und dringend um eine Teilprofessionalisierung der Rettungszentren gebeten. (...) Das Argument, dass von der Politik, insbesondere diversen Innenministern, gerne als argumentativer Schlagetot benützt wird, professionell besetzte regionale Rettungszentren seien zu teuer ist nur eines: Abgrundtief peinlich!“

Nachdem Generationen von Innenministern geschlafen haben, wagte sich Jean-Marie Halsdorf (CSV) an die angeblich nicht zu bezahlende Rettungsdienstreform. Dafür gilt ihm immer noch Lob. Halsdorf hatte die richtigen Ideen mit der Einbeziehung aller Rettungskräfte, egal ob staatlich oder kommunal, und der Hinzuziehung ausländischer Experten. Leider kam er, wie so oft, mit seinen Ideen nicht voran, ausgebremst vom eigenen Beamtenapparat oder den Parteifreunden. Wer glaubte, ein CSV-Finanzminister mache Geld für einen CSV-Innenminister locker , wurde enttäuscht. Halsdorf hatte keine Chance.

Da musste erst das Dreierbündnis kommen, um zwei Reformen zu stemmen die keine CSV-dominierte Regierung auch nur angerührt hat. Bei der Gemeindefinanzreform gab sich die CSV noch beleidigt und bockte. Immerhin schaffte es Wiselers schwarz-schattierte Truppe in Sachen Rettungsdienst über ihren Schatten zu springen.

Dan Kersch hat an vorderster Front gekämpft, verhandelt, gekungelt, überzeugt und wahrscheinlich mehr als einmal getobt und gebrüllt, um den luxemburgischen Fleckenteppich aus kleinsten Korps, ersten Rettungszentren, Freiwilligen, Profis, Beamten und den Berufsfeuerwehren zu einem neuen Organismus zusammenzuschmieden. Doch er stand nicht allein. Im Gegensatz zu den erbsenzählenden christsozialen Vorgängern, hat die blau-rot-grüne Truppe von Anfang an klar gesehen: Die Sicherheit der Bürger kostet, aber jedes verlorene Leben kostet noch viel mehr!