LUXEMBURG
SVEN WOHL

Die japanische Mangazeichnerin Kumiyo lädt in Luxemburg zum „Salon du Manga“, wo mehr als Techniken ausgetauscht werden

Runde, große Augen, niedlich-kindliche Figuren mit überzogenen Gesichtsausdrücken: Jeder glaubt, „den“ Manga-Stil zu kennen. „Es gibt viele Varianten des Manga-Stils“, erzählt uns die Zeichnerin Kumiyo. Sie lebt seit 2015 in Luxemburg und hat im „1535° Creative Hub“ in Differdingen ihr Atelier. Hier finden sich nicht nur die zahlreichen Utensilien und Zeichnungen, die sie selbst geschaffen hat, sondern auch eine ganze Reihe an Mangabänden. Wer ihre Facebook-Seite oder Homepage besucht, weiß, dass ihre Kreationen nur so vor Energie und Details strotzen. Kein Wunder also, dass man sie schnell bat, Manga-Kurse anzubieten.

Lernen durch Abzeichnen

„Ich denke, um anderen das Mangazeichnen beizubringen, ist es keine gute Idee, einen Kurs zu organisieren“, gesteht die Japanerin. Stattdessen habe sie sich für das Modell des „Salon du Manga“ entschieden. Hier wird gemeinsam gezeichnet und der Austausch vorangetrieben. Das hat seine Gründe: „Die meisten Mangazeichner in Japan haben das Zeichnen nicht an einer Schule erlernt. Techniken eignet man sich an, indem man als Assistent für einen etablierten Zeichner arbeitet. Doch der Autor gibt den Assistenten keinen Unterricht“, erklärt die Zeichnerin und weiter: „Auch ich gebe hier keinen Kurs, sondern wir zeichnen gemeinsam. Dabei zeichnen wir aus Manga ab, was ich für nützlicher halte. Danach tauschen wir uns darüber aus, was wir gelernt haben.“

Es gibt jedoch einen weiteren Grund, weshalb die junge Mangazeichnerin auf den klassischen Unterricht verzichtet. So existierten, wie zu Beginn erwähnt, verschiedene Varianten des Manga-Stils. Mal seien sie realistischer geartet, mal würden sie mit Deformationen eher einer Karikatur gleichen. „Wenn ich also einen Kurs geben würde, würden die Studenten
Gefahr laufen, sich auf meinen Stil zu fixieren“, erläutert Kumiyo. Stattdessen möchte sie den Teilnehmern helfen, ihren eigenen Stil zu finden.

Vielfältige Vorbilder

Doch wie hat sie zu ihrem Stil gefunden? Auch sie hätte zunächst bei anderen Mangaka (so werden Mangazeichner genannt) abgezeichnet. Heute passt sie ihren Stil der Zielgruppe des jeweiligen Werkes an. „Ich zeichne anders, wenn ich mich an Kinder richte“, meint sie. In dem Fall würden die großen Augen eine wichtigere Rolle spielen. Realistischere Zeichnungen passen etwa zu erklärenden Illustrationen, die sie für einen japanischen Heizkörperhersteller anfertigt.

Unabhängig davon sei es wichtig, die Emotionen per Gesichtsausdruck und die Bewegungen der Figuren stets zu vermitteln. Es liegt ihr am Herzen, dass Nachwuchszeichner hierauf acht geben. Auf ihre Vorbilder angesprochen nennt sie allen voran Hayao Miyazaki, bekannt durch Manga und Anime, unter anderem zahlreicher „Studio Ghibli“-Klassiker, und Naoki Urasawa, Zeichner der Mangareihe „20th Century Boys“ und „Monster“. Jedoch hätte sie stets eine Vielzahl von unterschiedlichen Autoren gelesen, auch weil es in ihren Augen keine gute Idee ist, immer die gleichen Zeichner zu lesen.

In ihrem „Salon du Manga“ geht es nicht ausschließlich um das gemeinsame Zeichnen. Auch ein gewisser kultureller Austausch findet hier statt. Dieser ist unter anderem wichtig, weil Manga in Luxemburg eine andere Wertschätzung genießen, als dies in Japan der Fall ist. „In Japan ist die Hälfte des Manga-Marktes auf Erwachsene ausgerichtet“, meint Kumiyo und verweist darauf, dass Manga auch die Mentalität und die japanische Gesellschaft der jeweiligen Epoche wiederspiegeln würden. Das erklärt, weshalb sich Akademiker mit dieser Kunstform auseinander setzen würden. Diese Aspekte spricht sie ebenfalls im „Salon du Manga“ an. Denn in Luxemburg herrsche noch oft das Vorurteil vor, Manga seien nur etwas für Kinder oder Teenager.

Mehr Informationen zu Kumiyo findet man auf: facebook.com/kumiyonoe und kumiyonoe.com

Der nächste „Salon du Manga“ findet am 10. April von 18.00 an statt. Eintritt: 6€, keine Reservierung nötig. Eine Ausstellung findet im „Aalt Stadhaus“ in Differdingen vom 12. bis zum 27. April statt.