COLETTE MART

Wir werden Ostern 2020 nicht so schnell vergessen. Das Wetter war wunderbar, es lud zu einem Waldspaziergang ein, aber unsere Stimmung war durchwachsen, denn in unserem Hinterkopf kursierten schlechte Nachrichten über zehntausende Tote.

Für alle Escher waren es die ersten Ostern ohne Kirmes, die Teil des Lokalkolorits der Südmetropole ist, sich seit 60 Jahren kaum verändert hat, und deswegen Generationen miteinander verbindet. Die Einwohner der Stadt Luxemburg mussten auf ihre „Emaischen“ verzichten, und der Verkauf der „Péckvillercher“ über Internet führte uns vor Augen, wie tief das Virus in unsere alten Gewohnheiten eingegriffen hat.

Ostern 2020 war auf jeden Fall ein Moment der Sehnsucht! Sehnsucht nach einem Mittagstisch, der alle Familienmitglieder vereint, von den Enkelkindern bis zu den Urgroßeltern, die man leider oft isoliert in einem Altenheim zurücklassen musste. Mit den Kindern und Enkelkindern sprach man lediglich über Face-Time, allerdings schickte man ihnen vielleicht ja auch eine Karte, oder einen kleinen Brief, und auf diese Weise wurden fast vergessene Kommunikationsmöglichkeiten neu aktiviert.

Nicht einmal Blumen konnte man ins Altenheim schicken, lediglich am Fenster stehen und winken, und gleichzeitig mit der Oma telefonieren.

Um uns herum entstand eine neue Welt: die Medien berichteten, wie die Luft-und Wasserverschmutzung zurückgehen, in der Stadt gehört die Straße den paar Bussen und den Fahrrädern, und in den Wäldern tummeln sich plötzlich zu allen Tageszeiten Eltern mit Kindern. Eltern und Kinder wurden wieder tagsüber zusammengeführt, was nicht mehr üblich ist in unserer Zeit, Eltern mussten sich verstärkt mit Schulinhalten auseinandersetzen, und kreativ sein, um die Kinder den ganzen Tag zu beschäftigen.

Diese Nähe birgt allerdings auch Gefahren, und zwar in jenen Familien, bei denen die Wohnungen eng sind, viel Alkohol getrunken und danach zugeschlagen wird. Frauen und Kindern sind verstärkt Gewalt und auch sexuellem Missbrauch ausgesetzt. Auch hier spielten moderne Medien eine Rolle, Telefonnummern für Hilfestellungen kursierten und die Bilanz der Zeiten der Pandemie steht noch aus. Sie wird uns alle interessieren und uns mit unseren gesellschaftlichen Problemen konfrontieren.

Wir konnten uns nicht mit Freunden im Café treffen, nicht einmal Familie oder Freunde zum Grillen einladen. So wurden die meisten von uns, nach vier Wochen Ausgangsperre, langsam aber sicher traurig.

Hinzu kommen die Sorgen, wie es mit unseren Betrieben weitergeht, ob sie sich erholen können, ob nicht doch zu viele Arbeitsplätze verloren gehen oder die Schaffung neuer Posten eingefroren wird. Hier sind viele Familien betroffen, besonders Freischaffende.

Ostern 2020 war schlussendlich ein heimliches und hoffnungsvolles Warten darauf, dass das Ende der Krise doch, demnächst angekündigt wird, dass man sich wiedersieht, dass man die gewohnte Geselligkeit zurückfindet, und trotzdem auch etwas dazu gelernt hat, was vielleicht doch in unserer Konsumwelt und unserer Lebensweise schiefgelaufen ist.