LUXEMBOURG
COLETTE MART

Die Aktualität lässt uns nicht los, und das bekannte „Sommerloch“, das es für Journalisten jedes Jahr zu überbrücken gilt, hat noch nicht begonnen, wenn es dieses Jahre überhaupt auftaucht. Wir warten auf mehr Informationen zu den steigenden Corona-Fällen und wollen wissen, was schlussendlich aus unseren Sommerferien wird.

Und trotzdem sollte die Sommerzeit auch eine Zeit des Nachdenkens sein, was in unserer Gesellschaft gut oder schlecht läuft, und was daran zu ändern wäre.

Ein verheerendes gesellschaftliches Phänomen ist leider der die Gewalt beim Umgang zwischen Menschen, die sich sowohl physisch als auch in der Sprache ausdrücken kann, die Verachtung und Bösartigkeit, die viele Menschen in ihrem Alltag erleben müssen.

Während wir fast täglich Schlagzeilen lesen über häusliche Gewalt, wird eher wenig über Gewalt durch Sprache, verachtendes, unhöfliches Benehmen, respektive Intrigen diskutiert.

Im allgemeinen Umgang zwischen den Menschen, insbesondere in beruflichen Milieus, fehlt es oft schlicht und einfach an Freundlichkeit, konstruktiver Kommunikation, einem ermutigenden Wort, einem Lob, auf das so viele warten, da sie tagtäglich ihr Bestes geben und dafür ein bisschen Anerkennung brauchen.

Obwohl es ja eigentlich gar nichts kostet, einem Mitarbeiter hin und wieder ein Lob auszusprechen, oder einfach mal im Alltag ein nettes Wort für eine treue Freundin oder einen loyalen Arbeitskollegen zu finden, verschwindet Freundlichkeit aus unserer Kultur.

Dies führt dazu, dass wir mittlerweile in teuren Seminaren konstruktive Kommunikation lernen, um zu erfahren, wie man sich ausdrücken soll, um Mitarbeiter zu motivieren, ihr Bestes zu geben. Die Frage ist und bleibt allerdings: Was ist uns verloren gegangen? Wieso müssen wir wieder lernen, ein Lob zu geben, wieso müssen Kinder Empathie in der Schule lernen, wieso kommen Werte wie Liebenswürdigkeit oder Freundlichkeit uns abhanden?

Wer in der Privatwirtschaft oder in der öffentlichen Funktion Karriere machen will, merkt, dass allgemein mit harten Bandagen, Lügen und Intrigen gekämpft wird. In einem solchen Kontext kann Freundlichkeit Naivität dokumentieren, weil Intriganten sie nicht verdienen oder sie ausnutzen.

Aber was wird aus all jenen Menschen, die doch noch mit Einsatz und Freude ihre Arbeit machen wollen?

Und dies im besten Fall in einem Umfeld, das einigermaßen erträglich ist, in dem man sich nicht andauernd gegen irgendwelche Attacken und Verleumdungen zur Wehr setzen muss, und sich demgemäß innerlich verschließt und auf keinen Fall zur offenen Kommunikation bereit ist?

In einem wirtschaftlichen Umfeld, in dem zurzeit viele den Boden unter den Füßen verlieren, riskieren Rivalitäten in der Berufswelt zuzunehmen, und mit ihnen auch schlechtes Benehmen, Abwertung anderer, Diskriminierung, Bösartigkeit.

Der Sommer sollte demnach auch eine Gelegenheit bieten, über unser alltägliches Verhalten im Beruf nachzudenken, und den Vorzügen eines empathischen Miteinanders mehr Platz einräumen. Schlussendlich ist nämlich Liebenswürdigkeit ein Zeichen von Stärke, die sich mittelfristig durchsetzen kann.