COLETTE MART

Im Februar 2017 appellierten die Vereinten Nationen an das Gewissen der Welt, als sie in Afrika und auf der arabischen Halbinsel vor einer großen Hungerkatastrophe warnten, die insbesondere die Länder Äthiopien, Somalia, Kenia, Nigeria, Südsudan und Jemen treffen würde. In diesem Kontext machte dann auch der amerikanische Präsident Donald Trump auf dem G20-Gipfel in Hamburg eine Finanzzusage von 639 Millionen Dollar für die Hungernden in Afrika. Etwa 12.000 Menschen aus armen und kriegsgeschüttelten Ländern versuchen darüber hinaus jede Woche, das Mittelmeer zu überqueren. Auf den Booten befinden sich oft Mütter mit Babys, und es ist mittlerweile bekannt, dass flüchtende Frauen vergewaltigt werden, oder aber mit Sex bezahlen, um einen Platz in einem der Boote zu bekommen, von denen sie sich ein besseres Leben versprechen.

Afrika ist demgemäß seit langem der wunde Punkt in der Weltwirtschaftsordnung, und ebenfalls der blinde Punkt, denn es wäre an der Zeit, sich die richtigen Fragen zu stellen, wie dem Kontinent und seinen Menschen nachhaltig geholfen werden könnte. Am Beispiel Südsudan beschreibt „Die Zeit“ diese Woche, dass man die traditionelle Entwicklungshilfe und Geldspenden kritisch hinterfragen sollte. In der Tat pumpte Amerika Milliarden Dollar in den Aufbau eines demokratischen Staates im Südsudan. Das Land kollabierte jedoch trotzdem wegen Bürgerkriegen und dem daraus resultierenden Hunger für die lokale Bevölkerung. Die amerikanischen Finanzhilfen versickerten in der Korruption, zwei Volksgruppen begannen einen Krieg gegeneinander, die Menschen flüchteten in einsame und abgelegene Gegenden, verarmten und verhungerten.

Der Fall Südsudan beweist, dass auch sehr großzügige Finanzspritzen völlig ineffizient sein können, weil in der Tat eine gute Staatsführung, sowie der Aufbau lokaler Wirtschaften die wichtigsten Herausforderungen für die Entwicklung Afrikas sind.

Carlos Lopes, Ökonom aus Guinea-Bissau und 2016 Generalsekretär der UN-Wirtschaftskommission für Afrika, plädiert dann auch in einem Interview in der „ Zeit“ für Investitionen in Afrika, und ist der Meinung, dass die Wirtschaftskraft verschiedener afrikanischer Länder in Statistiken unterschätzt wurde. Mit dem Fokus auf Hilfsgelder für Afrika bleibe ein düsteres Bild des schwarzen Kontinents erhalten, was wiederum Investoren verunsichere.

Nach Ansicht von Lopes hätten zumindest Nigeria und Ägypten neben Südafrika beim G20-Gipfel mit am Tisch sitzen sollen. Auch wäre es nach Ansicht von Lopes wichtig, mit den afrikanischen Ländern deren eigene Agenda der Entwicklung zu diskutieren und also die Eigeninitiativen der Afrikaner zu unterstützen. „Wir brauchen nicht ständig neue Initiativen von außen. Es würde schon helfen, wenn man uns nicht immer wieder neue Steine in den Weg legte,“ sagt Lopes.

Auf jeden Fall wären Investitionen, die Unterstützung lokaler Initiativen und des lokalen Know-How, der afrikanischen Forschung und einer dem Klima und der Natur angepassten technologischen Entwicklung, sowie die Begleitung in guter Staatsführung wichtige Aspekte einer effizienten Zusammenarbeit mit dem schwarzen Kontinent.