KAYL
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Steckbrief Kayl

Vier Formationen im Rennen

Die Gemeinde „Käl-Téiteng“ im Kanton Esch dehnt sich auf 1.486 Hektar aus und zählt heute 8.932 Einwohner gegenüber 7.767 im letzten Gemeindewahljahr 2011. Bürgermeister ist John Lorent (LSAP), der an der Spitze einer Koalition LSAP-“Déi Gréng“ steht. Schöffen sind Marcel Humbert (LSAP) und Viviane Pétry („Déi Gréng“). Die LSAP zählt sechs Räte, die CSV drei und DP und „Déi Gréng“ jeweils zwei. Die gleichen Formationen treten am 8. Oktober bei dem Gemeindewahlen in Kayl an.

Mehrmals hatte er angekündigt, nach fast 30 Jahren Gemeindepolitik, davon fast zwölf als Bürgermeister, nicht mehr antreten zu wollen. Doch John Lorent wurde trotzdem Spitzenkandidat der LSAP, die bei den letzten Gemeindewahlen 2011 ihre absolute Majorität von acht von 13 Sitzen abgeben musste und eine Koalition mit den Grünen schmiedete. Diese waren damals erstmals mit einer Liste angetreten und hatten zwei Sitze geholt. Die CSV blieb stabil bei drei und die DP bei zwei Sitzen. Wie sehen die beiden DP-Räte Patrick Krings - seines Zeichens ehemaliger Schöffe - und Romain Becker die Bilanz der Koalition? Welche Ziele haben sie sich gesetzt? Wir haben nachgefragt.

Herr Krings, Herr Becker, welche Ziele hat sich die DP Käl-Téiteng für die Gemeindewahlen gesteckt?

Patrick Krings Wir wollen natürlich unser Resultat von 2011 verbessern und zurück in die Verantwortung. Denn unsere wachsende Gemeinde braucht neue Impulse. Sie braucht politisch Verantwortliche mit Weitsicht und nicht nur welche, die lediglich verwalten, wie das jetzt der Fall ist. Diese Koalition zeigt viel zu wenig Einsatz in wichtigen Dossiers.

Woran machen Sie diese Feststellung fest?

Romain Becker Nehmen wir zum Beispiel die Verkehrslage. Die Kommune ächzt seit langem unter dem steigenden Durchgangsverkehr. Wir müssen alle Register ziehen, um die Verkehrslage zu entspannen, beim Staat immer wieder intervenieren, damit der öffentliche Transport gestärkt wird und Konzepte für den Ausbau der sanften Mobilität entwerfen. Das ist uns die Koalition bis heute schuldig.

Was schlagen Sie vor?

Becker Wir haben Transportminister François Bausch bei einer rezenten Versammlung darauf aufmerksam gemacht, dass auf der Bahnstrecke zwischen Rümelingen und Nörtzingen sofort ein Pendlerzug eingesetzt werden könnte, der quasi als „Tram“ fungieren könnte und für die rund 15.000 Einwohner des Kayltals zu einer interessanten Alternative werden könnte, wenn er in hohem Takt fährt und an mehr Haltestellen stehen bleibt. An diesen sollen P&R Parkplätze entstehen, zum Beispiel könnte man dafür das Gelände der ehemaligen Schlackenhalde in Tetingen nutzen.

Wir setzen uns auch dafür ein, dass direkte Zugverbindungen in die Hauptstadt und nach Belval eingerichtet werden und die Buslinie 197 reorganisiert wird. Ferner brauchen wir einen abgesicherten Fahrradweg entlang der Nörtzinger Straße, und Überführungen in der „Rue de l’Eau“, der „Rue de l’Industrie“ und der „Cité Helpertsbam“, um den Bürgern Umwege zu ersparen.

Hat Kayl ein Parkplatzproblem?

Krings Definitiv. Deshalb setzen wir uns für die Schaffung von mehr Parkraum ein und für ein Parkhaus, das in privat-öffentlicher Partnerschaft verwirklicht werden könnte.

Welche waren in Ihren Augen die größten Fehlentscheidungen dieser Koalition?

Becker Zum einen die Gemeindefinanzen aus dem Ruder haben laufen zu lassen. Dass sie jetzt Kredite aufnehmen muss, um laufende Kosten zu decken, zeugt davon, wie akut die Lage ist. Dann wurde die „Maison Relais“ derart falsch geplant, dass der Gemeinderat über zwei Millionen Euro nachstimmen musste.

Die DP hat angesichts der Notwendigkeit des Projekts damals zähneknirschend mitgestimmt. Gegen das Projekt der neuen „Faubourg“-Schule haben wir unterdessen sofort protestiert. Denn es verschärft die Verkehrssituation in dem Viertel, Weiher und Grünflächen mussten weichen, während ein Ausbau unmöglich wird. Wir hatten einen Neubau bei der Nuel-Schule in Tetingen vorgeschlagen. Über die Alternative wollte die Majorität aber nicht einmal diskutieren.

Wie sieht es eigentlich aus mit der Bürgerbeteiligung in Kayl?

Krings Jetzt, da wesentliche Weichenstellungen für die Zukunft vorgenommen werden müssten, lässt sie sehr zu wünschen übrig. Wir haben erreicht, dass alle Parteien in den Gemeindekommissionen vertreten sind und die Gemeinderatssitzungen endlich übertragen werden. Doch das reicht in unseren Augen nicht, wir möchten gemeinsam mit allen Bürgern, Geschäftsleuten und Betrieben einen zukunftsträchtigen Gemeindeentwicklungsplan ausarbeiten. Außerdem wollen wir regelmäßige Sprechstunden für die Bürger einführen und die Verwaltung so gestalten, dass sie schnell und effizient auf die Anliegen der Kayler eingeht.

Beim Gemeindeentwicklungsplan wird sicherlich auch die Wohnungsproblematik ein zentraler Punkt sein. Was schlagen Sie auf diesem Gebiet vor?

Becker Kayl braucht zweifelsohne mehr erschwinglichen Wohnraum und wir werden alles tun, um Grundstücke zu mobilisieren und beispielsweise über Erbpachtverträge jungen Familien zur Verfügung zu stellen. Wir wollen aber auch neue Wohngemeinschaften fördern und dafür sorgen, dass Kayl eine Seniorenresidenz bekommt. Unsere älteren Mitbürger sollen möglichst weiter in der Gemeinde wohnen bleiben können, auch wenn sie weniger autonom werden. Für dieses Anliegen hatte sich die DP bereits in ihrer Zeit im Schöffenrat zwischen 1994 und 1999 stark gemacht und damals den Impuls für das „Vitalhome“ gegeben.