LONDON
CHRISTIAN SPIELMANN

Drei Musical-Revivals in London

In London laufen momentan drei neue Produktionen von klassischen Musicals: „Show Boat“ im New London Theatre, „Funny Girl“ im Savoy Theatre und „Jesus Christ Superstar“ Open Air im Regent’s Park.

Unsterbliche Melodien

Jerome Kern komponierte 1927 das Musical „Show Boat“ und Oscar Hammerstein II schrieb das Buch und die Texte. Daniel Evans inszenierte die Show Ende 2015 in Sheffield. Im April wurde sie nach London transferiert. Im Mittelpunkt steht Magnolia (Gina Beck), die Tochter von Captain Andy Hawks (Malcolm Sinclair), dem Besitzers des Theater-Boots „Cotton Blossom“. Sie verliebt sich in den Spieler Gaylord Ravenal (Chris Peluso), und beide heiraten. Die Spielsucht von Gaylord bringt die junge Familie jedoch in Bedrängnis. Der absolute Evergreen der Show ist „Ol‘ Man River“, den Schiffsarbeiter Joe (Emmanuel Kojo) singt, und mit dem er die Situation der Farbigen in Amerika Ende des 19 Jahrhundert beschreibt. „Make Believe“, „Life Upon the Wicked Stage“ und „Can’t Help Lovin‘ Dat Man“ sind weitere Ohrwürmer aus diesem meisterhaft inszenierten und gespielten Revival. Es läuft noch bis zum 27. August, um Andrew Lloyd Webbers „School of Rock“ Platz zu machen.

Ein lustiges Mädchen

„Funny Girl“ von Jule Styne (Musik), Bob Merrill (Texte) und Isobel Lennart (Buch) wurde 1964 am Broadway uraufgeführt, mit Barbra Streisand als Fanny Brice, die wegen ihres Humors ab 1910 bis in die 1940er Jahre ein Star in Amerika war. 1966 wurde das Musical in London gespielt, und fast 50 Jahre später realisierte Michael Mayer das erste Revival in der „Menier Chocolate Factory“, das nun ins Savoy Theatre verlegt wurde. Fanny Brice (Sheridan Smith) erlernt Tanz und Gesang beim Tänzer Eddie Ryan (Joel Montague) und erhält einen Vertrag bei Mister Keeney (Maurice Lane). Sie heiratet den Spieler Nicky Arnstein (Darius Campbell) und wird in den Shows von Florenz Ziegfeld (Bruce Montague) ein Star. Stellenweise steif inszeniert, wird das Musical jedoch von einer fantastischen Sheridan Smith getragen, die mit Gefühl und Überzeugung diese legendäre Frau spielt. Die Hitsongs „People“ und „Don’t Rain On My Parade“ erhalten durch sie eine besondere Ausstrahlung.

Jesus im Park

Im Regent Park wird seit 1932 Open-Air-Theater geboten. Timothy Sheader inszenierte seine ganz spezielle Fassung von Andrew Lloyd Webbers „Jesus Christ Superstar“, die fast als konzertante Fassung zu betrachten ist, denn die Sänger und Sängerinnen benutzen gängige Mikrofone, die oft sogar an Kabel hängen. Declan Bennett, Sänger der Band Point Break, singt den Jesus auf eine markante Art und Weise, und ein ausgezeichneter Tyrone Huntley steht ihm als Judas zur Seite. Im zweiten Teil sticht die Auspeitschung hervor, wo die Statisten den blutenden Jesus mit Goldstaub bewerfen. Vom Gesang her ist diese Fassung äußerst beeindruckend.

Zu bemerken bleibt, dass mit „Guys and Dolls“ ein weiteres ausgezeichnetes Revival im Phoenix Theatre zu sehen ist. Bis zum 21. August spielt die amerikanische Schauspielerin Rebel Wilson („Pitch Perfect“) die Rolle der Miss Adelaide. See You in London!