LUXEMBURG
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Was man zur Vogelhaltung wissen muss

Wer Vögel als Haustiere halten will, muss sich bewusst sein, dass das schwieriger ist, als beispielsweise eine Katze oder einen Hund zu halten. Erstens sind sie keine Kuscheltiere, aber sehr sozial. Deshalb wird empfohlen, sie möglichst paarweise zu halten. Wenngleich die Ziervogelhaltung eine jahrtausendealte Tradition ist – bereits antike Quellen berichten davon – sind Sittiche, Finken, Loris, Kanarienvögel und Papageien nicht von Zucht auf zahm und auf Käfig getrimmt. Deshalb muss der Eigner viel Zeit und Geduld investieren, um ein Vertrauensverhältnis zu den Tieren aufzubauen. Was man zur Vogelhaltung wissen muss, haben wir nachstehend aufgeführt.

Die Fragen vor dem Start

Bevor man sich Haustiere anschafft, sollte man sich eine Menge Fragen stellen, nicht nur darüber, ob man bereit ist, genügend Zeit für sie aufzubringen, sondern auch über ihre artgerechte Haltung. Das ist bei Vögeln besonders wichtig.

Habe ich genügend Platz?

Es gibt zwar eine Menge platzsparender Käfige im Handel, aber solche, die schmal und hoch sind, sind ungeeignet. Denn Vögel fliegen nicht dauernd rauf und runter, sondern bewegen sich vielmehr seitlich. Man braucht also einen breiten Käfig oder aber eine Voliere. Manche Vogelhalter haben ein Extra-Vogelzimmer. Grundsätzlich gilt: je mehr Bewegungsfreiheit die Tiere haben desto besser. Sie brauchen auf jeden Fall täglich Freiflug.

Habe ich genügend Zeit?

Auch wenn sie nicht Gassi geführt werden müssen: Vögel brauchen Zuwendung und Pflege. Man muss bereit sein, sich täglich mit ihnen zu befassen und Zeit investieren, um ihren Käfig zu säubern.

Welche Vogelart passt zu mir?

Sie sind alle schön, haben aber auch unterschiedliche Bedürfnisse: bevor man sich Ziervögel anschafft, sollte man sich genauestens darüber informieren. Wichtig zu wissen ist auf jeden Fall, dass Vögel soziale Tiere und am glücklichsten im – gegengeschlechtlichen - Paar sind. Der Mensch reicht da als Partner nicht aus, ebenso irgendwelche Vogelattrappen oder gar Spiegel. Ansonsten drohen Vereinsamung und sogar Krankheiten. Man muss sich auch bewusst sein, dass verschiedene Vögel sehr lange leben können. Papageien wie Aras etwa können in Gefangenschaft schon mal über 70 werden und mehr. Da muss man also über mehrere Generationen denken und nach den Eltern müssen die Kinder ihre Verantwortung übernehmen. Ansonsten landen sie in Tierauffangstationen. Auch die Düdelinger Wildtierauffangstation kann ein Liedchen davon singen: regelmäßig werden hier Papageien abgegeben, die ihre Eigner überlebt haben, deren Erben aber nicht mit ihnen klarkommen.

Bin ich bereit, mich anzupassen?

Vögel sind sensible Tiere. Um ihnen ihr Leben in Gefangenschaft so angenehm wie möglich zu machen, sollte man demnach Stör- und Stressfaktoren möglichst entfernen. So vertragen sie schlecht, wenn man in ihrer Nähe raucht oder aggressive Gerüche wie etwa von Duftkerzen oder Sprays. Außerdem können verschiedene Zimmerpflanzen giftig für die Vögel sein. Neonröhren können sie stressen, denn Vogelaugen nehmen sie als unangenehmes Flackern wahr. Ebenso Fernseher. Vögel knabbern gerne – auch an Möbeln, Tapeten usw. – und fressen Substanzen, die ihnen nicht bekommen. Es drängt sich auch auf, Möbel oder Gefäße zu beseitigen und Spalten abzudecken, in denen sich die Tiere verfangen können oder an denen sie sich verletzten können. Man muss schauen, das Haus so vogelfreundlich wie möglich zu gestalten.

Bin ich lärmresistent – und meine Familie und mein Nachbar auch?

Vögel singen nicht nur, sondern kommunizieren meist lautstark untereinander und mit ihrem Umfeld. Das Gepiepe und Gezwitscher muss man abkönnen. Lebt man in einer Wohnung, sollte man auch darauf achten, dass es nicht durch die Wände dringt, damit es keinen Streit mit den Nachbarn gibt. Am besten auch Rücksprache mit dem Vermieter nehmen, ob er die Vogelhaltung erlaubt.
Vogelfreundlich ausstaffiert

Wie man den richtigen Käfig aussucht

Je größer, desto besser: wie gesagt fühlen sich die Piepmätze umso besser, wenn sie genügend Platz haben. Der Vogelkäfig sollte jedenfalls an einem ruhigen Platz stehen und mit einer Seite zur Wand, damit die Tiere so wenig Stress wie möglich haben. Ideal ist, wenn er auf Augenhöhe des Menschen steht. Unbedingt vermeiden, dass der Käfig im Durchzug steht, das sorgt für Erkältungen bei den Vögeln.
Manche von ihnen brauchen einen Rückzugsort innerhalb des Käfigs. Das variiert nach Vogelart. Innerhalb des Käfigs sollte es auf jeden Fall eine Badegelegenheit geben sowie diverse Sitzgelegenheiten und Beschäftigungsstationen wie Schaukeln, Ringe oder Seile.
Den Käfig nicht vollpacken mit allerlei Spielzeug und ja keine Spiegel aufhängen. Man hat herausgefunden, dass Spiegel schädlich für die Tiere sind. Denn sie suchen die Zuwendung ihres Gegenübers und versuchen ihn sogar zu füttern. Dabei würgen sie Körner hoch. Wenn das Gegenüber nichts davon annimmt, machen sie das wieder und wieder und das kann zu Entzündungen im Kropf führen. Von der psychischen Belastung ganz zu schweigen.
Bei der Auswahl des Käfigs sollte man darauf achten, keinen verzinkten zu nehmen, denn die Vögel knabbern an ihm und könnten sich dann vergiften. Das gleiche gilt für Käfiggitter mit Plastikummantelung. Keinesfalls einen runden oder weißen Käfig nehmen, denn das behindert die Orientierung und Wahrnehmung der Vögel.
Auch bei Spielzeugen sollte man auf Plastik verzichten und lieber welche aus Naturmaterialien nehmen.
Futter und Wasser am besten in Edelstahlnäpfen bereit stellen. Die tägliche Reinigung ist geboten, um Krankheiten zu vermeiden und auch des Wohlbefindens der reinlichen Tiere wegen. Beim täglichen Freiflug sollte neben der Sicherung der Wohnung (s. S. 26, dazu gehört auch das Abdecken von Fenstern) darauf geachtet werden, dass ein erhöhter Landeplatz bereit steht. Den kann man etwa aus Ästen leicht selbst basteln.

Clickertraining: Achtung vor Überforderung

Mit dem Geräusch eines sogenannten Clickers kann man Tieren ein bestimmtes Verhalten antrainieren. Denn immer wenn es klackt, weiß das Tier: Jetzt kommt eine Belohnung. Wenn diese Trainingsform mit Papagei und Sittich nicht den gewünschten Erfolg hat, sind meist Fehler des Trainers Schuld, weiß Vogeltrainerin Ann Castro: „Wenn der Vogel bei einer Übung deutlich zögert oder sich sogar ganz verweigert, ist das ein Anzeichen für Überforderung“, erklärt die Bloggerin in „Wellensittich & Papageien“ (Ausgabe 4/2019).
Auf der Waage stehen, Medizin aus der Pipette trinken oder einfach nur auf den Finger hüpfen: All das können mögliche Ziele für das Training sein. Dabei rät Castro die Übungen in kleinstmögliche Schritte zu unterteilen. Dadurch haben Tier und Halter leichter Erfolgserlebnisse und Spaß, statt Frust und Verängstigung. Beim Training sollte man dem Vogel volle Aufmerksamkeit schenken - und nicht mehrere Dinge gleichzeitig machen. Ob Hirsekolben, Kiefernsamen oder Sonnenblumenkerne - vor dem Clickern gilt es, den liebsten Leckerbissen des Vogels herauszufinden. Denn Clickertraining basiert auf Belohnung. Die Belohnungen sollten klein, aber häufig sein. Psychologisch ebenso wichtig: Eine Trainingseinheit sollte nicht länger als zwei Minuten dauern und immer beendet werden, wenn es am meisten Spaß macht. So behält der Vogel im Kopf, wie toll das Training war und nicht wie mühsam.  (DPA/TMN)

Heimvögel: Die beliebtesten Arten

Zu den beliebtesten Heimvogel-Arten gehören vor allem die Tiere aus der farbenfrohen Familie der Sittiche - Wellensittich, Nymphensittich (erkennbar an ihrer Haube), Bourke-Sittich und Mönchsittich - und der Papageien - Unzertrennliche (die ihren Namen nicht umsonst tragen), Weißkopfpapgeien oder Loris. Die Kanarienvögel sind „Klassiker“ unter den Heimvögeln. Das sind aber auch Finken wie der Zebrafink mit seinem knallroten Schnabel.

Vogel-Ernährung: Der Keim-Test

Zur artgerechten Ernährung von Heimvögeln gehört auch gutes Körnerfutter. Doch wie erkennt der Vogelhalter gute Körner? Die Zeitschrift „Ein Herz für Tiere“ (Ausgabe 10/2019) rät zu einem Keim-Test. Dazu werden rund 100 Körner auf ein feuchtwarmes Tuch gegeben. Hochwertig sind sie, wenn davon mindestens 60 Prozent keimen. Eine reichhaltige und bedarfsspezifische Ernährung gelinge am besten mit drei Näpfen: einer mit Sand und Grit, einer mit Obst, Gemüse und Grünfutter sowie gutem Körnerfutter.  (DPA/TMN)

Medikamente für den Piepmatz: So gelingt das Spritzentraining

Medizin für Heimvögel exakt zu dosieren, ist eine Herausforderung. Und einem Piepmatz diese zu verabreichen ist dabei die größte Hürde. Da hilft Training. Es ist wichtig, ihnen beizubringen, Flüssigkeiten aus einer Spritze aufzunehmen, empfiehlt das Magazin „Wellensittich und Papageien“ (Ausgabe 05/2019).
Zunächst gilt es, die Vögel an die Spritze zu gewöhnen. Dafür sollte der Vogelhalter eine ungefüllte Einmalspritze ohne Kanüle als Spielzeug in der Voliere platzieren, beispielsweise mit Kabelbindern am Käfig. Bei skeptischen Vögeln packt man am besten noch Leckereien dazu. Haben die gefiederten Freunde keine Angst mehr vor der Spritze, füllt man sie mit dem Lieblingssaft des Vogels. Diese hält man dann von unten an den Schnabel. So sehen Sittich und Co. das Plastikteil nicht als Bedrohung. Berührt die Schnabelspitze die Spritze, gibt man einen Tropfen in den Schnabel.
Wurde das oft genug geübt, geht man dazu über, mit der Einmalspritze erst waagerecht und dann von oben zu füttern - so wie es Vogeleltern in der Natur tun. Dabei sollte bei den Flüssigkeiten ruhig variiert und auch mal Wasser gegeben werden. Die Vogelexperten raten zu wöchentlichen Übungen.
Aus Hygienegründen sollte für jeden Durchgang eine neue Spritze verwendet werden. Die Vogelbesitzer müssen darauf achten, dass die Vögel die Spritzen nicht zerlegen, um Verletzungen durch Plastiksplitter vorzubeugen.  (DPA/TMN)