LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Mitdenken und mitmachen: Rotondes und Cercle Cité zeigen Werke junger Künstler

Es ist einiges an Zeitgeist und Stimmung des Erwachsenwerdens, die momentan von den Wänden der Rotondes und der Cercle Cité tropfen. Ob Desorientierung und das hoffnungsvolle Schwimmen im Meer der Möglichkeiten, oder das Stoßen an Grenzen und jenes Gefühl von „Lost in Translation“ im Kontakt mit anderen Kulturen und Sprachen. Hingeworfen werden diese Erfahrungen und Stimmungen in Bild und Ton durch 25 Kunstprojekte. Bei dieser vierten „Triennale Jeune Création“ zeigen junge Künstler aus Luxemburg und der Großregion, welche Disharmonien ihre Existenz stören und an welchen Hindernissen sie sich reiben.

Besucher wird eingebunden

Unter dem Thema „Jet lag/out of sync“ gibt es viele spannende Werke zu entdecken, die sich zum Teil mit der direkten Lebenswelt der Künstler befassen, aber auch den Besucher einbeziehen. So ruft der Franzose Paul Heintz mit seinem Gefüge aus Ölbildern und Zeichnungen die Art der Kommunikation mit dem Smartphone vor Augen: Mal lakonische Kommentare, mal Entschuldigungen für Nichterreichbarkeit, mal interkulturelle Erklärstücke oder einfach Spielerei. Heintz‘ Werk „The Factory“ ermöglicht es, mal wieder etwas Distanz zum alltäglichen Getippe und Gewische auf dem kleinen Bildschirm einzunehmen.

Richtig im Geschehen steht man beim Werk der Luxemburgerin Isabella Matern, welche mit der interaktiven Installation „alpha“ die Besucher im Ratskeller der Cercle Cité mit denen in der Buvette der Rotondes verbindet: Über eine Tastatur kann man Nachrichten aus dem Ratskeller schicken, die in der Buvette als Videobotschaft wiedergegeben werden. Der Haken ist allerdings, dass die Botschaften als Buchstaben-Videos wiedergegeben werden. Denn vorher wurden Menschen beim Aussprechen der Buchstaben im Close-up aufgezeichnet, sodass man nur ihre Münder sieht. Von den Lippen lesen lässt sich hier also gut trainieren. Virtuell mittendrin ist man bei Laura Mannelli aus Esch und ihrer „Near Dante Experience“, bei der es mittels Virtual-Reality-Brille in das Inferno des großen italienischen Dichters geht, gruselige Gestalten und Verdammte natürlich inklusive.

Sehenswert sind aber viele Werke, unter anderem die von Anna Krieps, die ihre Schwester Vicky in der Fotoserie „Kopf über“ in den unmöglichsten und unbequemsten Positionen im öffentlichen Raum Platz nehmen lässt. Anpassen und Anecken als zwei Seiten des Lebens. Fans der Realisten werden sich für die Gemälde von Chantal Maquet interessieren, die in „Nuets (firun der Dier)“ nächtliche Szenen aus luxemburgischen Dörfern auf Leinwand bringt. Durch mehrere Farbschichten, teilweise opak, und Lichtquellen lässt sie eine beklemmende Atmosphäre entstehen, und das obwohl die dargestellten einsamen Bushaltestellen oder Hausfassaden eigentlich gar nichts Bedrohliches zeigen.

Die Triennale findet zum vierten Mal statt und hat es sich zur Aufgabe gemacht, jungen Kreativen aus Luxemburg und der Großregion eine Plattform zu geben. Auch wenn sich der Bezug zum Triennale-Thema nicht immer erschließt, es ist eine junge und frische Schau mit vielen kreativen Medien.

Die Ausstellung wurde am 29. Juni eröffnet und ist dann in Rotondes und Cercle Cité bis zum 27. August geöffnet. Führungen finden sonntags um 15.00 statt. Eintritt frei. Weitere Informationen unter www.rotondes.lu und www.cerclecite.lu.