LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Luxembourg Art Week“ präsentiert sich zum fünften Jubiläum noch umfangreicher

Bei unserem Besuch am Morgen wurde noch überall gehämmert, vermessen, ausgepackt, gepinselt und zurechtgerückt. Menschen standen auf Leitern, Verpackungsmaterial und Plastik säumten den Weg, das Chaos war perfekt, doch bereits am Abend sollten die Preview-Gäste der fünften „Luxembourg Art Week“ (AW) in der Victor Hugo-Halle davon nichts mehr spüren. „Tatsächlich wird bis zur letzten Minute hier gearbeitet, das ist ganz normal, manche Aussteller sind noch überhaupt nicht eingetroffen. Wenn die ersten Besucher um 18.00 kommen, wird alles bereit sein. Da mache ich niemandem Stress“, winkte Alex Reding, CEO der „Luxembourg Art Week“, ab.

Neues Konzept zum fünften Geburtstag

In kürzester Zeit hat sich die noch junge Kunstmesse als wichtige Plattform für zeitgenössische Kunst in der Region etabliert. Rund 12.500 Besucher konnten im letzten Jahr gezählt werden. Die fünfte Auflage präsentiert sich seit gestern Abend mit einem neuen Konzept. Dazu gehört einerseits ein viel größeres Rahmenprogramm, das parallel teils auch in anderen luxemburgischen Kulturinstitutionen läuft, andererseits eine monumentale Skulptur von Erwin Wurm, die bereits am Rond-Point Schuman errichtet wurde und insbesondere eine Vergrößerung der Ausstellungsfläche. Neben der Victor Hugo-Halle wird in diesem Jahr auch die Sporthalle des „Lycée de Garçons“ in Beschlag genommen, sodass das Messegelände um mehr als 1.000 m2 erweitert wurde. Den Schülern wird derweil als Gegenleistung während der AW ein Programm nach Maß geboten.

„Zu diesen Neuheiten motiviert hat uns das fünfte Jubiläum. Wir haben uns gedacht, dass dies ein guter Anlass wäre, eine nächste Etappe zu nehmen, dies auch das Volumen betreffend. Letztes Jahr hatten wir 48 Aussteller, diesmal sind es rund 65. Um uns unseren Platz auf der internationalen Karte zu sichern, um von Brüssel, Paris, Berlin, Frankfurt, Köln wahrgenommen zu werden, muss man als Kunstmesse einen gewissen Umfang haben. Es war uns deshalb wichtig, uns zu vergrößern“, erklärte der Organisator und Galerist Alex Reding. Auch auf die Arbeit mit einer internationalen Kundschaft sei vermehrt Wert gelegt und somit auf die internationale Anziehungskraft aufgebaut worden.

Breiter aufgestellt für ein diverses Publikum

„Wir haben ein Programm auf die Beine gestellt, das die luxemburgischen Institutionen wie Mudam oder Casino Luxembourg einbindet, genau wie Aktivitäten etwa in der Cinémathèque oder Konferenzzyklen in Zusammenarbeit mit der Universität geboten werden. Wir haben uns demnach breiter aufgestellt, um das, was Luxemburg kulturell zu bieten hat, in die Messe zu integrieren“, erläuterte er. In erster Linie gehe es natürlich darum, das Interesse eines möglichst großen Publikums zu wecken. „Wir versuchen, ein möglichst breites Spektrum zu bieten, eine Vielzahl an Leuten aus der Kunstszene einzubinden und dadurch auch ein ganz diverses Publikum anzulocken. Diesbezüglich sind wir sehr offen, was sich letztlich auch in den Werken und der Auswahl der Aussteller widerspiegelt“, meinte Reding.

Insgesamt 20 neue Galerien nehmen an der diesjährigen Ausgabe teil. Unterteilt ist die „Luxembourg Art Week“ in drei Sektionen. Die Werke renommierter zeitgenössischer Künstler aus ganz Europa können an den Ständen von 34 etablierten Kunstgalerien in der „Main Section“ entdeckt und erworben werden. 26 junge Galerien und Kollektive finden ihren Platz im Bereich „Take off - La section prospective“ (Sporthalle), wo Werke zu erschwinglichen Preisen angeboten werden. Neu im Programm ist die Sektion „First Call“, wo sieben internationale Galerien empfangen werden, die zum ersten Mal an der AW teilnehmen. Ihnen werden besonders attraktive Bedingungen geboten.

„Wir haben darauf geachtet, die ganze Bandbreite an künstlerischen Kategorien zu zeigen. Tatsächlich ist alles dabei: Werke, die sich nahe an der Pariser Schule bewegen, genau wie ,art brut‘, Expressionismus, Fotografie, Pop Art und sogar Andy Warhol. Sammlern und Kunstliebhabern wird wirklich ein einmaliger Überblick über das zeitgenössische Kunstschaffen geboten. Ich finde, dass die Qualität im Allgemeinen fantastisch ist“, schwärmte Reding. Zur AW gehören außerdem ein Restaurant, ein Bookshop, eine Champagner-Bar, Foodtrucks… „Die Leute sollen eine angenehme Zeit hier verbringen und nicht nach einer Runde schon wieder gehen“, so der Organisator.


Die „Luxembourg Art Week“ eröffnet heute (8. November) offiziell um 11.00. Bis 21.00 kann sie dann besucht werden. Am Samstag von 10.30 bis 19.30 und am Sonntag von 10.30 bis 18.00. Der Eintritt ist frei.Alle Infos unter www.luxembourgartweek.lu

SALON DU CAL BIS ZUM 14. NOVEMBER

„Prix Grand-Duc Adolphe“ für Franz Ruf

Zum fünften Mal ist auch der „Salon du Cercle Artistique du Luxembourg“ in die „Luxembourg Art Week“ integriert, beziehungsweise findet im wenige hundert Meter entfernten „Tramsschapp“ statt. Er kann derweil bereits seit dem 2. November und noch bis zum 14. November besucht werden (wir haben berichtet). Gestern wurde der Name des diesjährigen Gewinners des „Prix Grand-Duc Adolphe“ bekannt gegeben: Franz Ruf hat laut Meinung der Jury in diesem Jahr die beste Arbeit eingereicht. Dabei handelt es sich um die drei Aquatinta-Fotogravuren „Spiegelung“, „Safe“ und „Portrait S.“. „L’oeuvre retenue de Franz Ruf démontre sa maîtrise de composition et de sensibilité. Ruf combine différentes techniques et révèle ses étapes d’impression successives par le transfert de la photographie vers la gravure Aquatinta. Ceci confère à ses oeuvres photographiques un aspect pictural. Ses oeuvres reflètent l’aboutissement d’une recherche de perspectives à travers les cadrages choisis. Le jury a observé des références aux grands maîtres flamands concernant le contraste clair-obscur, le rapport extérieur-intérieur et la création d’un espace intime [...]“, heißt es in der Jury-Begründung.