TRIER
CHRISTIAN SPIELMANN

Das Musical „Blue Jeans“ ist ein musikalisches Vergnügen

Regisseur und Autor Ulf Dietrich feiert zurzeit mit „Piaf“ einen großen Erfolg am Theater Trier. Ein zweiter könnte sich nun mit dem Musical „Blue Jeans“ hinzugesellen. Er schrieb es 1995 für das „Theater des Westens“ in Berlin zusammen mit Jürg Burth. Er inszenierte es bereits 2012 in Stuttgart.

Rock-’n’-Roll und Spießigkeit

Eberhard Neumann (Michael Hiller) besitzt ein Kaufhaus irgendwo in einer deutschen Stadt in den 1950er Jahren. Er will seine Verkaufsfläche vergrößern und hofft auf den Beistand von Baustadtrat Rudolf Karsuntke (Klaus-Michael Nix). Das Ganze scheint kein Problem zu sein, da sich Lisa Neumann (Anna Pircher) in Frank Karsuntke (Robin Jentys) verliebt hat. Zusammen mit ihren Frauen Hilde (Stephanie Theiß) und Hannelore (Barbara Ullmann) feiern sie Verlobung. Doch das Geschenk von Papa Neumann, ein neuer Opel, wird vom Mechaniker Tom (Dimetrio-Giovanni Rupp) schrottreif geliefert - er hatte einen Unfall. Kurz darauf trifft Lisa Tom bei einer Tanzveranstaltung. Nicht nur der neue Rock-’n’-Roll und die neuartigen Blue Jeans haben es ihr angetan, sondern auch Tom. Bei ihrem gemeinsamen Italienurlaub gesteht sie ihrer Mutter, dass sie von Tom schwanger ist. Diese hofft, dass Lisa kurzerhand mit Frank schlafen kann, um so den Schein zu wahren, da Tom nicht in ihre spießige Welt passt. Auch Frank entwickelt plötzlich Gefühle für eine andere, nämlich für Fräulein Schlösser (Bianca Spiegel), das Hausmädchen der Neumanns.

Bianca Spiegel sticht hervor

Die Musik besteht aus Schlagern der 1950er, und auch ein paar Titel aus den 1960er haben sich auch eingeschlichen. Sie passen ganz gut zu den jeweiligen Situationen, sei es als von Luiza Braz Batista und Paul Hess choreografierte Tanzeinlagen, unter anderem zu „Rock Around the Clock“, „Bei der Firma Rock und Roll“ oder „Blue Jean, Boy!“, oder als Ausdruck der Gefühle der Protagonisten, wie „Sag’ mir was du denkst“, „Keine Angst vor der Liebe“, „Can’t Help Falling in Love“ oder „Ein kleines Einfamilienhaus“, und zu „Steig in das Traumboot der Liebe“ soll die Hochzeitsfeier dann stattfinden.

Es braucht einen kurzen Moment, ehe sich das Ensemble in die Stimmung der 1950er gebracht hat, aber dann begeistert es mit allen Tanzschritten. Die Hauptdarsteller kannten diese Zeit nicht, aber sie fügen sich einwandfrei in ihre Rollen ein.

Besonders Bianca Spiegel sticht hervor. In einer hinreißend komischen Szene liest sie aus dem „Knigge“ und erklärt wie eine Dame sich bei den Annäherungsversuchen eines Mannes, hier der G.I. John (Gideon Rapp), zu verhalten hat. Während die Neumanns und Karsuntkes in Italien zelten, taucht sie in einem roten Kleid auf, ähnelt Melina Mercouri, und verdreht den beiden Herren und anderen Touristen den Kopf mit italienischen Schnulzen. Zu „Ich bin ein Mann“ gibt Frank zu erkennen, was er für Fräulein Schlösser übrig hat, und Bianca Spiegel beweist erneut ihr ganzes schauspielerisches Talent, mit der Art und Weise, wie sie Frank flachlegt. Robin Jentys hat genug Stehvermögen, um mitzuhalten. Ganz ordentlich spielen, singen und tanzen ebenfalls Anna Pircher und Dimetrio-Giovanni Rupp.

Die Requisiten, eine Tütenlampe, ein Sofa, zwei Stühle, ein Fernseher und ein Blumenstock, hängen über der Bühne und werden je nach Szene heruntergelassen. Die Band „Lazy Wester Wald“, spielt auf einem Podest im Bühnenhintergrund, so wie ein Tanzorchester in den 1950er. Mit sehr viel Humor durchtränkt und Liedern, welche die älteren Generationen kennen, begeistert „Blue Jeans“ in allen Belangen und ist den unbedingten Besuch wert. Und versuchen Sie mal zu entdecken, wo die Anspielungen an Heinz Erhardt, Theo Lingen (vielleicht auch Ilja Richter), John Travolta und Olivia Newton-John sind.


Weitere Informationen und Tickets unter: www.theater-trier.de. Die nächsten Vorstellungen sind am 26. Januar und 1. Februar um 19.30. Weitere Vorstellung sind am 10., 17. und 27. Februar und am 27. April und 21. Mai zu unterschiedlichen Zeiten