WADGASSEN
BIRGIT REICHERT (DPA)

Das Deutsche Zeitungsmuseum im saarländischen Wadgassen zeigt Highlights aus vier Jahrhunderten

Sie ist kleiner als ein Tablet und umfasst lediglich vier Seiten. Und doch ist sie ein historisches Juwel: Die „Wochentliche Ordinari Zeitung“, die 1629 in München erschien. Sie ist eine der ältesten Zeitungen, die es weltweit gegeben hat - und gehört zur Sammlung des Deutschen Zeitungsmuseums im saarländischen Wadgassen. „Bisher war sie für Besucher noch nicht zu sehen“, sagt Sammlungsleiter Christian Göbel. Zum 15. Geburtstag des Museums wird sie ab diesem Freitag in einer Sonderschau erstmals gezeigt.

Denn für das Jubiläum öffnet das Museum seine Schatzkammer. „Wir zeigen die Highlights, die wir in den vergangenen 15 Jahren neu dazu bekommen haben“, sagt Museumsdirektor Roger Münch. Sein persönlicher Star darunter ist eine Erstausgabe der „Süddeutschen Zeitung“ vom 6. Oktober 1945, die ein Pfälzer von einem befreundeten US-Amerikaner aus den USA bekommen hatte und dem Museum schenkte. Das Besondere an dem Exemplar: Auf der Titelseite stehen mehr als 30 Unterschriften von Personen - darunter Verleger und Redakteure - die bei der feierlichen Übergabe des ersten Exemplars dabei waren.

Mehr als 15.000 Exponate

„So etwas gibt es unseres Wissens nach nicht noch einmal“, sagt Buch- und Druckhistoriker Münch. Das Exponat sei für ihn „eines der bedeutendsten für das deutsche Pressewesen der Nachkriegszeit“ und von unschätzbarem Wert. Insgesamt 50 besondere Exponate haben die Macher für die Geburtstagsschau zusammengestellt: „Sie ist ein guter Querschnitt durch 400 Jahre Zeitungsgeschichte“, sagt Göbel. Als erste Zeitung der Welt gilt die in Straßburg publizierte „Relation“, die nachweislich seit 1605 erschien.

Das Deutsche Zeitungsmuseum in Wadgassen ist nach Angaben von Münch „das mit Abstand größte in Deutschland“ seiner Art. Auf einer Fläche von insgesamt 1.000 Quadratmetern in einem alten, sehr schmuck restaurierten Abteigebäude befinden sich eine Dauerausstellung plus wechselnde Sonderausstellungen. Seit der Öffnung in 2004 hat das Haus seine Sammlung enorm vergrößert. Von rund 4.000 Exponaten, die aus einer früheren privaten Sammlung des Pressehistorikers Martin Welke stammten, auf heute mehr als 15.000. Welke hatte seinen Bestand damals an die „Saarbrücker Zeitung“ verkauft, die ihn dann der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz schenkte. „Wir bekommen fast täglich etwas angeboten. Aus der ganzen Welt“, erzählt Münch. Rund 90 Prozent der Neuheiten seien Schenkungen. Ein weiteres großes Zeitungsmuseum in Deutschland ist das Internationale Zeitungsmuseum in Aachen, das Besuchern einen Streifzug durch die internationale Zeitungsgeschichte bietet.

In der ständigen Ausstellung geht die Zeitreise von Flugblättern aus dem frühen 17. Jahrhundert bis zur Massenpresse des 20. Jahrhunderts. Auch der sich wandelnden Technik sind etliche Räume gewidmet: Zu Setzmaschinen und Bleisatz, von Schnellpresse bis Rotationsmaschinen. „Je größer die Druckmaschinen wurden, desto größer die Zeitungen“, sagt Münch. Seit 20 Jahren sei die Tendenz bei der Größe wieder rückläufig: „Man geht wieder in Richtung Tablet-Format.“

Aussterbendes Papier

Auch einen Ausblick auf das elektronische Publizieren über das Internet mit E-Paper & Co gibt es. Mit ein paar Fragezeichen für den weiteren Aufbau der Sammlung: „Wenn die gedruckte Zeitung auf Papier mal aufhört zu existieren, was sammeln wir dann? Internetseiten?“, fragt Münch. Er schätzt, „dass die Zeitung schwarz auf weiß auf Papier in den nächsten fünf bis zehn Jahren verschwindet“. Vielleicht werde es dann noch Wochenendzeitungen geben. Der historische Wert des Museums werde somit eher noch größer werden. „Die Zeitung ist dann kein Alltagsgegenstand mehr“, sagt Göbel. Umso wichtiger wird es, das Wissen auch über das historische Zeitungsmachen zu erhalten. „Wir haben Mitarbeiter an alten Maschinen gefilmt“, erzählt Münch. Auch wenn die Maschinen heute noch funktionierten - „was uns fehlt und was uns immer mehr fehlen wird, sind die Menschen, die die Maschinen bedienen können.“ Das Museum zählt im Schnitt rund 18.000 Besucher im Jahr. Fasziniert steht Besucher Gerhard Thieser im Museum vor einer kleinen nachgebauten Rohrpost-Anlage. „Ich kann mich noch gut daran erinnern. Sie hat eigentlich immer gut funktioniert“, sagt der 82-Jährige, der in Mettlach und in Paris wohnt. Schade, dass es sie nicht mehr so häufig gebe. Und was wird sein, wenn es eines Tages keine gedruckte Zeitung mehr gibt? „Dann kann ich keine Mücken mehr erschlagen“, sagt er lachend.

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