CAPELLEN
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NATO-Agentur NSPA feiert doppeltes Jubiläum in Capellen

Seit einem halben Jahrhundert nun ist das beschauliche Capellen in der Gemeinde Mamer ein Schlüsselstandort für die Transatlantische Militärallianz. Dort ist nämlich die „NATO Support and Procurement Agency“ untergebracht, die Logistik- und Materialakquirierungsagentur des Verteidigungsbündnisses, die in Capellen rund 1.100 Mitarbeiter aus den 29 allierten Ländern beschäftigt. In der Hochsicherheitszone herrschte gestern der Ausnahmezustand. Der Grund: Zahlreiche Gäste von nah und fern waren gekommen, um ein doppeltes Jubiläum zu feiern: Den 60. Jahrestag der Gründung der Organisation und den 50. ihrer Einquartierung in Luxemburg.

NATO-Gipfel in Brüssel vorbereitet

Unter den Gratulanten: Das grossherzogliche Paar, Premierminister Xavier Bettel, Verteidigungsminister Etienne Schneider sowie NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg, der gestern auf Arbeitsbesuch in Luxemburg weilte, nicht zuletzt um mit den dort versammelten EU-Außen- und Verteidigungsminister über die Kooperation zwischen EU und NATO zu diskutieren. Am kommenden 11. und 12. Juli steht wieder ein NATO-Gipfel in Brüssel ins Haus, bei dem auf Druck der USA wohl wiederum die Beitragsfrage im Vordergrund stehen wird. Präsident Donald Trump hat mehrfach betont, dass einige Bündnispartner mehr Beiträge zahlen müssten. Das dürfte das Kernthema bei dem gemeinsamen Mittagessen Stoltenbergs mit Xavier Bettel und Etienne Schneider und dem anschließenden Treffen mit Außenminister Jean Asselborn gestern gewesen sein. Bei der Feier in Capellen wurde über die Beitragsfrage eher etwas gewitzelt, denn das Großherzogtum kommt trotz seiner rezenten Investition in einen Militärsatelliten nie auf die geforderten zwei Prozent. Der Premier unterstrich in seiner Rede lieber, dass Luxemburg ein Prozent seines Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe ausgibt.

„Mir wëllen och bleiwen, wou mir sinn“

Für Stoltenberg geht es vor allem darum, „mehr und besser“ für die Verteidigungspolitik des Bündnisses auszugeben, zu dem sich Luxemburg nach wie vor voll bekennt: „Wir bestätigen die Notwendigkeit von Einheit, Solidarität und der transatlantischen Verbindung“, sagte er nach dem Treffen mit dem NATO-Generalsekretär, „die NATO hat es geschafft, während eines halben Jahrhunderts den Frieden in Europa zu sichern und wir setzen alles daran, dass das sich nicht ändert“.

„Luxemburg wird seine Verpflichtungen honorieren“, sagte indes Verteidigungsminister Schneider, der von neuen Verteidigungsstrukturen in Luxemburg sprach, die aber nicht nur dem Militär nutzen würden, sondern auch bei einer nationalen Krise zum Einsatz gelangen. Geplant ist aber laut Bettel auch eine Renovierung der deutlich in die Jahre gekommenen Infrastrukturen in Capellen, die bald 1.500 Mitarbeiter aufnehmen können sollen.

„Mir wëllen och bleiwen, wou mir sinn“, sagte dazu NSPA-“General Manager“ Peter Dohmen in Anspielung auf die luxemburgische Nationaldevise. Er lobte die exzellente Zusammenarbeit mit den mit den luxemburgischen Behörden, mit denen die Agentur quasi täglich in Kontakt sei. Die NSAP sei zentral für die NATO. „Es gibt keine glaubwürdige Verteidigung ohne glaubwürdige Logistik“, schloss Dohmen.

„NATO Maintenance Supply Agency“ (NAMSA) - so hiess die 1958 gegründete und 1968 im Zuge des zeitweiligen Austritts Frankreichs aus der NATO in die ehemaligen Militärzone von Capellen verlegte Agentur bis 2012. Gemäss der Beschlüsse des NATO-Gipfels in Lissabon von 2010 fusionierte die Ersatzstückagentur damals mit der „NATO Airlift Management“-Agentur für den Lufttransport und dem CEPMA. Letzteres steht für „Central Europe Pipeline Management Agency“. Von Capellen aus wird also seither auch die Kerosinversorgung der NATO-Aktivitäten in Westeuropa gesteuert. Rund 1.100 Mitarbeiter aus den verschiedenen NATO-Mitgliedstaaten - darunter rund 90 Luxemburger - sind hier im Einsatz, es gibt aber auch Zentren in Italien, Ungarn und Frankreich. Insgesamt arbeiten derzeit 1.400 Personen für die Agentur, die als Logistikplattform also eine entscheidende Rolle für die Allianz spielt. Wobei Logistik vom Transport militärischen Materials von A nach B über die Gewährleistung der Verfügbarkeit und Erneuerung von Ersatzteilen für etwa 90 Waffensysteme bis hin zur Ausrangierung von Fahr- oder Flugzeugen und Recycling von Munition reichten kann. Die NSPA soll aber auch eines gewährleisten: Skalenvorteile beim Einkauf von militärischem Gerät für die Verteidigungsallianz. Ihr Umsatz ist in den letzten zehn Jahren insgesamt von 1,1 Milliarden Euro auf 4,7 Milliarden Euro gestiegen.