LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Arts Council“ wurde diskutiert: Noch ist die Idee relativ vage, die Ansätze stimmen aber

Die Schaffung eines „Arts Council“ ist eines jener Themen, die die Diskussionen um die Ausarbeitung eines Kulturentwicklungsplans von Anfang an begleitet haben. Die Idee hat ihren Platz schließlich auch im Maßnahmenkatalog des KEP gefunden. Am Donnerstag wurde im Rahmen des „Atelier KEP“ neben der künftigen Subventionspolitik (wir haben berichtet) auch ein erster Vorschlag, wie ein solcher „Arts Council“ aussehen könnte, unterbreitet. Bekanntlich soll dieses Gremium zu einer allgemeinen Vereinfachung in Sachen Verteilung der Fördermittel beitragen. Gleichzeitig sollen die Kompetenzen der aktuellen Strukturen unter einem gemeinsamen Dach gebündelt werden.

Jo Kox, „Premier conseiller“ im Kulturministerium, gab sich redlich Mühe, das Vorhaben und die damit verbundenen Möglichkeiten zu beschreiben. Konkret ist noch nichts. Das soll sich aber nun in einem offenen Prozess ändern. Vor allem sollen sich die Kulturschaffenden an der Ausarbeitung beteiligen. Als mögliche Vorbilder nannte Kox „Goethe-Institut“, „Institut français“, „Pro Helvetia“ und „British Council“. An diesen Beispielen könne man sich orientieren, allerdings müsse man sich gleich für eine Richtung entscheiden: „Entweder es bleibt alles unter der Obhut des Kulturministeriums, oder es kommt zu einer größeren Flexibilität in der komplexen Subventionspolitik, dadurch dass eine unabhängige Struktur diese Aufgabe übernimmt“.

Auslagerung verschiedener Missionen

„Wenn wir einen ,Arts Council‘ wollen, kommt es zu einer Externalisierung verschiedener Missionen des Kulturministeriums, wie das momentan ohnehin schon der Fall mit music:LX, dem Trois C-L oder der ALAC ist. Es geht nun darum, die ganzen Synergien und Kompetenzen zusammenzubringen“, fuhr er fort. Häufig würden sich zu viele Organe um den gleichen Bereich kümmern. Dies treffe etwa auf das Verlagswesen zu, wo es sowohl im Kulturministerium eine zuständige Stelle gibt, wie auch beim „Fonds national culturel“ (Focuna ) und der „Agence luxembourgeoise d’action culturelle“ (ALAC). Überdies kümmere sich eine externe Jury um die Autorenresidenzen. „Das alles gilt es, unter einen Hut zu bringen, damit dieses ganze Wissen und Know-how gebündelt werden kann. Letztlich sollen Aktionen besser koordiniert werden“, meinte Kox. Das Kulturministerium würde natürlich Herr über seine Kulturinstitutionen und den konventionierten Sektor bleiben.

Zu den Aufgaben eines „Arts Council“ würde die finanzielle Unterstützung zählen (Vergabe von Beihilfen oder Stipendien) oder strukturorientierte Aktionen (wie Künstlerresidenzen). Andererseits würde er auch eine wichtige Rolle im Bereich der internationalen Diffusion übernehmen, demnach für eine Vernetzung sorgen, die im kulturellen Sektor von besonderer Wichtigkeit sei. Jede kulturelle Aktion, die durch eine Unterstützung ermöglicht wird, soll künftig richtig begleitet werden. „Es reicht beispielsweise nicht, einfach nur mit einem Stück beim Festival in Avignon zu sein, weil es eins von 1.250 ist. Es heißt, sich zu behaupten. Minderwertigkeitskomplexe müssen wir nicht haben, wir müssen aber dafür sorgen, dass unsere Qualitäten auch wahrgenommen werden, deshalb ist es wichtig, in Zukunft etwa Pressebeauftragte im Budget vorzusehen“, beschrieb Kox.

Niemandem soll indes etwas weggenommen werden, es soll einfach effizienter gearbeitet werden können, dadurch dass beispielsweise music:LX oder Trois C-L in eine professionelle Struktur integriert werden. Auch die Missionen des Focuna würden in den „Arts Council“ migrieren. „Mudam oder Casino sollen sich auch weiterhin um die Organisation der Kunstbiennale von Venedig kümmern. Sie können aber durch den ,Arts Council‘ begleitet werden. Gleiches gilt für die Koproduktionen unserer Theaterhäuser. Sie gilt es in ihren Anstrengungen, eine Produktion ins Ausland zu bringen, zu unterstützen“, meinte er.

Unabhängigkeit und Flexibilität muss garantiert sein

Die Unabhängigkeit des künftigen „Arts Council“ müsse unbedingt - durch das juristische Statut einer öffentlichen Einrichtung - gewährleistet sein, hieß es weiter. In einer Rahmenkonvention mit dem Kulturministerium sollen die Aufgaben festgehalten werden. Ein Deontologiekodex müsse aufgestellt werden. Die einzelnen Kommissionen müssten sich aus Experten zusammensetzen. „Einer solchen Struktur muss unbedingt eine gewisse Flexibilität gelassen werden“, merkte Kox an.

Die vorgebrachten Ideen genau wie ein fiktives Organigramm sollen nun als Diskussionsbasis dienen. „Das hier soll nur ein Anstoß sein, damit ist die Diskussion nicht abgeschlossen. In einem nächsten Schritt werden wir jetzt ein ,Comité de pilotage‘ mit Vertretern der einzelnen Föderationen ins Leben rufen, um das Projekt Form annehmen zu lassen“, sagte Kulturministerin Sam Tanson. Vorschläge seien willkommen und könnten schriftlich eingereicht werden: „Wir wollen diesen ‚Arts Council‘ wirklich mit Euch zusammen auf die Beine stellen. Lasst uns auch unbedingt wissen, wo der Schuh drückt und was wir verbessern können“. Ihrer Vorstellung nach soll das Gremium in einem großen Gebäude untergebracht werden, „in dem alle zusammenarbeiten, das dem Publikum zugänglich ist, wo es einen Austausch gibt, wo es vielleicht auch Räumlichkeiten für die Kreation gibt, wo eine Art ,Creative Hub‘ entstehen kann“. Der Vorteil sei außerdem, dass eine größere Transparenz entstehe, was die Aufteilung des Budgets auf die verschiedenen Sparten anbelange.

„Soll der ,Arts Council‘ denn gleichzeitig ein ,Guichet unique‘ sein, wo Künstler Antworten auf praktische Frage bekommen?“, wollte Marc Hostert vom „Cercle Artistique“ wissen. „Diesbezüglich gab es schon Gespräche. Es ist sinnvoll, auch in diesem Kontext Verschiedenes zusammenzulegen. Eine Anlaufstelle gibt es bereits im Kulturministerium, allerdings ist sie nur durch eine Person gesetzt. Das sollten wir definitiv ausbauen“, antwortete die Kulturministerium. Natürlich kam auch die Frage nach dem Budget sowie der personellen Besetzung auf, woraufhin Kox meinte: „Wenn man die bestehenden Strukturen zusammenlegt, hat man schon ein gewisses Pensum an Personal. Durch diese Zusammenlegung wird zudem Geld gespart“. Sam Tanson ihrerseits versprach, dass sie sich dafür einsetze, dass das Budget für die Kultur weiter steige. Das Gesetzesprojekt zur Schaffung des „Arts Council“ soll nun möglichst schnell auf den Instanzenweg geschickt. „In meiner Wunschvorstellung noch dieses Jahr“, sagte die Ministerin.