LUXEMBURG
DANIEL OLY

Das neue „High Performance Training and Recovery Center“ wurde eingeweiht

Ein „High Performance Training and Recovery Center“, das ist aber auch kein leichtes Wortgefüge. HPTRC trifft es deshalb als Abkürzung genau so gut. Klingt auch professioneller - und das aus gutem Grund, denn es geht genau darum: Um Profis. In einem HPTRC trainieren die Elitesportler eines Landes und verschaffen sich den vielleicht entscheidenden Vorteil gegenüber ihrer Konkurrenz.

Auch Luxemburg hat ab sofort ein solches „High Performance Training and Recovery Center“. Nach fast einem Jahr Planung wurde das HPTRC am gestrigen Mittwoch in der „Coque“ auf dem Kirchberg eingeweiht. Zu Gast waren deshalb die Entscheidungsträger des Projektes, wie der Präsident des Olympischen Kommitees, sowie der verantwortliche Sportminister Dan Kersch.

„Das HPTRC ist ein wichtiger Bestandteil in unserer Förderungskette des Spitzensportes in Luxemburg“, meinte Kersch gestern bei der Einweihung. Wenn die „Coque“ ein Schatz der Sportlandschaft sei, so habe man sich hier einen weiteren geschliffenen Diamanten geschaffen. „Hier investieren wir konkret in die Sportzukunft Luxemburgs, und wir investieren vollständig mit öffentlichen Geldern und ohne Bezuschussung von privaten Sponsoren - damit haben wir volle Unabhängigkeit und können ganz im Sinne der Athleten agieren.“

Hochwertig und neu

Dafür wurde das neue Zentrum nach modernsten Standards geplant und gebaut: Neu geschaffene Trainingsräume, die zum Teil mit Ingenieuren ausgearbeitet und gefedert sind, erlauben präzise Trainingssitzungen. Verbaute Kameras ermöglichen später dann eine genaue Analyse des Trainingsvorgangs, so etwa auch auf der neuen Tartanbahn oder im Dojo. Neu ist auch eine Thermalkammer, in der extreme Hitzebedingungen bis zu 55 Grad möglich sind, sowie eine Höhentrainingskammer, in der sich Einstellungen von bis zu 5.750 Metern simulieren lassen. „Damit stellen wir eine echten Mehrwert für den Spitzensport im Großherzogtum“, betonte „Coque“-Direktor Christian Jung.

Ein Teil davon ist auch ein neuer Diagnostikraum, in dem Sportwissenschaftler genaue Analysen anfertigen können, etwa zum Atemverhalten. Ergometertests und Biomessgeräte komplettieren das Angebot. „Unser Fokus lag ganz klar auf professionellem Material, das wir mit mit perfekten Trainingskonditionen verknüpfen wollten; deshalb sind die Räumlichkeiten auch durchgängig klimatisiert“, erklärt er. „Wir haben uns viele Gedanken gemacht und bieten jetzt noch mehr für den Elitesport Luxemburgs.“

Marc Mathekowitsch, Präsident des Verwaltungsrates der „Coque“, freute sich sichtlich. „Es ist keine Idee mehr, sie ist Realität geworden. Das HPTRC ist ein Meilenstein für den Sport im Großherzogtum, ohne Frage.“

Die Grundidee sei bereits vom früheren „Coque“-Generaldirektor Gilbert Neumann ins Leben gerufen worden und seitdem gemeinsam mit dem COSL und eng in Kooperation mit den Wünschen der Sportler und ihrer Trainer und Föderationen ausgearbeitet worden. „Wir haben uns dabei auch eng am Ausland orientiert, es wurden ähnliche Einrichtungen in Spanien oder in England besucht“, erklärte Mathekowitsch.

Finanziert wurde das seit Juni vergangenen Jahres in Angriff genommene Projekt integral durch die Fonds der „Coque“. „Das konnten wir auch einhalten“, meinte Christian Jung gestern. „4,3 Millionen Euro an Budgetreserven, die so integral in den luxemburgischen Spitzensport investiert werden - ein positives Zeichen für die Finanzsstruktur der ,Coque‘ insgesamt.“

Spitzensport deshalb, weil sich das HPTRC nicht an den Breitensport richtet - privaten Zugang gibt es nicht. Das ist entgegen der ursprünglichen Planung. „Es wurde aber so vom Ministerium entschieden, damit wir uns voll und ganz auf die Elitesportler konzentrieren können“, erklärt Jung. Auf diese Weise würden auch die laufenden Kosten durch das Sportministerium gedeckt. Wer wann und wie oft trainieren darf, wird dann vom Institut für Hochleistungssport (LIHPS) bestimmt, basierend auf den Auswertungen von Sportexperten und Trainingswissenschaftlern.

„Für uns ist es ein gewaltiger Sprung nach vorn“, merkte COSL-Präsident André Hoffmann an. „Unsere Gegner hatten immer mehr im Tank als wir - gerade beim Training. Um die letzten fünf Prozent zur Weltspitze nicht aus dem Blick zu verlieren, ist eine solche Einrichtung essentiell.“ Mit dem HPTRC werde der Spitzensport in Luxemburg aufgewertet und nochmals besser. „Es macht Appetit, zu trainieren - und zwar endlich hierzulande und nicht in speziellen Einrichtungen im Ausland“, erklärte Hoffmann. Zudem erhalte jeder Sportler endlich das Training, das er brauche. „Damit wird die ,Coque‘ wahrhaftig zum ,Zuhause der Athleten‘“, betonte er.