CLAUDE KARGER

Während sich der „Tageblatt“-Leitartikler über porzellanzerdeppernde Genossen aus Sassenheim aufregt - Stichwort Käerjenger „Contournement“ und fluchtartiges Verlassen des Saals, um nicht gegen die Fraktion stimmen zu müssen - zerdeppert die „Wort“-Editorialistin die Bildungspolitik dieser Regierung. Der zuständige Minister bekommt zwar eine „bonne note“ für seine intensive Arbeit und seinen Reformwillen, „den Beweis aber, dass das Bildungssystem gerechter ist, bleibt er bislang schuldig“. Nun ist gewusst, dass sich besonders im Bereich Erziehung, wo an vielen Schrauben zu drehen ist, das Resultat von Reformen erst einige Jahre später gemessen werden kann. Aber die Haue gibt‘s natürlich sofort. „Meisch hat in den vergangenen fünf Jahren erleben müssen, dass der Job des Bildungsministers ein undankbarer ist“, stellt das „T“ fest, das ihn scheinbar auf Schritt und Tritt begleitet, sogar zur Signierstunde vor einem Büchergeschäft im Hauptstadtzentrum. Ob sich die Wege von Minister und Journalist wohl mit dem des „Républicain Lorrain“-Reporters kreuzten, der den großherzoglichen Palast besuchte? „Pas laid, ce palais!“ berichtet der Beobachter fasziniert, „l‘aménagement du palais actuel est tout le contraire du style Ikea“. Solches Mobiliar zerdeppert bei Aufregungsschüben definitiv zu leicht.