LUXEMBURG/PORT VILA
CHRISTIAN BLOCK MIT DPA

Nach Verwüstung durch Zyklon: Nothilfe für Vanuatu läuft an

Die enormen Zerstörungen des Zyklons „Pam“ werden drei Tage nach dessen Zug über den Inselstaat Vanuata immer deutlicher. Erste Bilder aus dem Katastrophengebiet und Aufklärungsflüge über abgelegenen Inseln bestätigten gestern die ersten Befürchtungen. „Es gibt Berichte über katastrophale Verwüstung auf den Inseln Erromango und Tanna im Süden, wo nicht aus Beton gebaute Gebäude komplett platt sind und die Betonbauten keine Dächer mehr haben“, sagte der Leiter des Büros der Hilfsorganisation Oxfam in der Hauptstadt Port Vila, Colin Collett van Rooyan.

Während Hilfe für die Opfer allmählich anlief, machte Vanuatus Präsident Baldwin Lonsdale den Klimawandel mitverantwortlich für die Verwüstung. „Der Meeresspiegel steigt, das Wetter ändert sich“, sagte er dem australischen Sender ABC gestern. „In diesem Jahr hatten wir mehr Regen, die schweren Niederschläge der vergangenen Wochen waren weit mehr als das, was wir früher erlebt haben.“ Ähnlich äußerte sich der Klimaforscher Mojib Latif vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Oeanforschung. „Die Rechenmodelle sagen alle voraus, dass die tropischen Wirbelstürme nicht häufiger werden, aber dass die Zahl der besonders starken Stürme steigt“, sagte Latif der dpa.

Lage auf südlichen Inseln ungewiss

Mit Blick auf die Folgen von „Pam“ sagte Orla Fagan von der UN-Nothilfekoordination OCHA: „Das australische Militär hat nach dem Überflug erhebliche Zerstörung gemeldet. Wir machen uns große Sorgen um die südlichen Regionen.“ Die Inseln Erromango und Tanna mit etwa 30.000 Einwohnern waren weiter von jeder Hilfe abgeschnitten. Die nördlichen Inseln könnten dem Schlimmsten entgangen sein, meinte Alex Mathieson von Oxfam. Van Rooyan schloss nicht aus, dass mehr als ein Drittel der 250.000 Einwohner im ganzen Land obdachlos geworden seien. Die Zahl der Todesopfer war weiter ungewiss. Bislang bestätigt sind mindestens acht Tote. Auch Nachbarstaaten wie Tuvalu waren betroffen, wo die Hälfte der 10.000 Einwohner Hilfe braucht, wie die Regierung sagte.

Nach Angaben von Präsident Lonsdale hat der Zyklon jahrelange Entwicklungsfortschritte zerstört. „Wir müssen wieder von vorn anfangen“, sagte er.

Die Katastrophe ist auch ein Thema der weltweiten Konferenz zur Katastrophenvorsorge. Noch heute nimmt Innenminister Dan Kersch auf der dritten Konferenz dieser Art im japanischen Sendai teil. Ziel ist ein neues UN-Rahmenwerk zur Risikoreduzierung von Naturkatastrophen mit einer Laufzeit von 15 Jahren. Kritiker äußerten jedoch zum Auftakt Zweifel an kommenden Vereinbarung. Kersch teilte auf der Konferenz die Unterstützung und die Solidarität Luxemburgs mit Vanuatu mit. Gleichzeitig werde sich das Land an den internationalen Hilfsanstrengungen beteiligen. Zwei Freiwillige der „Protection civile“ sind im Rahmen der UNDAC-Mission (United Nations Disaster Assessment and Coordination team) unterwegs nach Vanuatu. Das 1993 geschaffene Team nimmt eine Einschätzung der Lage vor Ort vor und koordiniert die Hilfsanstrengungen. Außerdem sollen mehrere Satellitenkommunikationskits von emergency.lu zum Einsatz kommen.

Luxemburg gibt derzeit mindestens fünf Prozent seiner humanitären Hilfe für Aktionen zur Prävention von Katastrophen, Reduzierung der Risiken und vorbereitende Maßnahmen aus.

Auch Forscher interessieren sich dafür, Katastrophen vorhersehbar zu machen. So haben Geophysiker der Universitäten Luxemburg und Bern ein Verfahren entwickelt, wie man die Vorwarnzeit für Fluten und Dürren deutlich erhöhen könnte. Diese Idee wird derzeit als EU-Projekt mit acht renommierten Partnern umgesetzt.