DÜDELINGEN
PATRICK WELTER

Die Stadt Düdelingen will einen Jugendbeauftragten einstellen,der die verschiedenen kommunalen Dienste für Kinder und Jugendliche koordiniert

Man kann es nicht beschönigen. Die Zahl der verhaltensauffälligen Kinder nimmt zu und damit wird die Kinder- und Jugendarbeit in den entsprechenden Einrichtungen immer schwieriger. Erschwert wird die Arbeit noch dadurch, dass in den meisten Kommunen gleich mehrere Dienststellen - getrennt nach Altersstufen - sowie Betreuungs- und Beratungseinrichtungen mit der Thematik befasst sind. Das kann dazu führen, dass doppelte Arbeit geleistet wird oder die Abteilungen aneinander vorbei „reden.“ Diesem Umstand macht die Stadt Düdelingen jetzt mit einem Pilotprojekt ein Ende, zunächst für zwei Jahre.

Transversale Zusammenarbeit

In Düdelingen wird jetzt eine Koordinierungsstelle für Jugend und Familie eingerichtet, oder einfacher formuliert ein oder eine „Jugendbeauftragte®“ eingestellt. Gestern Morgen wurde das Projekt in Düdelingen vorgestellt. Bürgermeister Dan Biancalana erklärte, dass die Bevölkerungsgruppe von 0 bis 24 Jahren 26 Prozent der 21.000 Einwohner-Stadt ausmacht. Was bisher nach Kinder- und Jugendbetreuung oder nach Einrichtung getrennt war, wird in Zukunft transversal zusammenarbeiten. Darin liege die zentrale Aufgabe der neu zu schaffenden „Schnittstelle.“

2019 habe man erste Gespräche mit den zuständigen Ministerien über diese Idee geführt und gleich überall Unterstützung dafür gefunden, erläuterte die zuständige Schöffin Josiane Di Bartolomeo-Ries. Man habe erkannt, dass es oft am globalen Überblick fehlt, in einzelnen Fällen seien oft mehrere Dienststellen involviert, wenn es schlecht lief ohne Kommunikation untereinander.

Die Probleme von Kindern und Heranwachsenden sind mehr und mehr altersunabhängig. Bisher gibt es eine Altersgrenze nach dem zwölften Lebensjahr, wenn aus dem Kind ein Jugendlicher wird und die Zuständigkeit „automatisch“ wechselt. Womit die Problemlösung unter Umständen wieder von vorne anfängt oder einen anderen Weg geht. Jeder mache sein Ding, das auch nicht schlecht, aber eben isoliert von anderen.

Das Konzept wurde durch eine Düdelinger Arbeitsgruppe mit Unterstützung der Ministerien und der Universität Luxemburg entwickelt. Für Bürgermeister Biancalana betritt man damit nicht nur in der Stadt, sondern in ganz Luxemburg Neuland.

Mehr Problemfälle

Unsere Frage nach der Zahl der potenziellen „Klienten“ wurde dahingehend beantwortet, dass es zunächst um alle Kinder- und Jugendeinrichtungen geht. Wobei die Zahl der Problemfälle natürlich erheblich geringer sei, aber von Jahr zu Jahr zunimmt. Eine der anwesenden Erzieherinnen meinte, dass sie sich im letzten Jahr um 30 Jugendliche, die in der Regel nicht nur ein Problem haben, gekümmert habe und dass das für eine Betreuerin schon viel Arbeit sei. Die Vertreter der Stadt Düdelingen unterstrichen noch einmal, dass diese Zunahme der „Problemkinder“ in den verschiedenen Altersklassen quasi nach der Einrichtung einer Zentralstelle verlangt.

Der „Jugendbeauftragte“ wie ihn die Stadt Düdelingen jetzt schafft, ist auch europaweit einmalig. Es gibt zwar ähnliche Stellen in der Schweiz, die sind aber entweder ehrenamtlich besetzt oder konfessionell gebunden.

Im nächsten Gemeinderat wird für den oder die Jugendbeauftragte eine Vollzeitstelle geschaffen werden. Anschließend erfolgt die Stellenausschreibung.