HETTERMILLEN
PATRICK WELTER

Neujahrsempfang des Privatwinzerverbandes im Weingut „Cep d’Or“ in Hettermillen

Veranstaltungen an der Mosel werden schnell zu „Familienfesten“, so auch beim gestrigen Neujahrsempfang des Privatwinzerverbandes im Weingut „Cep d’Or“ in Hettermillen. Alles, was an der Mosel in Weinbau und Politik Rang und Namen hat, war der Einladung des „Privatwënzer“-Präsidenten Ern Schumacher gefolgt. Selbstverständlich gehörte auch Landwirtschafts- und Weinbauminister Romain Schneider zu den Gästen.

Schumacher erklärte zu Beginn seiner kurzen Ansprache, dass er nicht über Weinbaupolitik sprechen wolle - letztendlich kam er aber doch nicht an dem Thema vorbei. Zunächst war der an der Mosel schon deutlich spürbare Klimawandel sein Thema. Die Winzer ständen vor einer neuen Situation. Einerseits hätten die Klimaveränderungen positive Auswirkungen: Seit mehr als 20 Jahren könne man einen Qualitätszuwachs bei den Trauben beobachten, der Säureanteil gehe immer weiter zurück. Der letzte wirklich schlechte Jahrgang sei der 1984er gewesen - vor mehr als dreißig Jahren. Andererseits gibt es keinen Winter mehr, konstatierte Schumacher. Frühes Blühen und zunehmende Wetterkapriolen hätten negative Folgen. In den letzten vier Jahren seien die Trauben durch Frühjahrsfrost massiv geschädigt worden. 2019 habe dazu noch etwas ganz Neues gebracht: Sommertemperaturen über 40° und Trauben mit Sonnenbrand, was zu weiteren Ernteverlusten führte. Die Verluste hätten bis zu fünfzig Prozent betragen.

Der Privatwinzer-Präsident streifte das Dauerthema „Glyphosat“ und nannte als langfristiges Ziel, die ganze luxemburgische Mosel zu einem herbizidfreien Anbaugebiet zu machen.

Wein sei weltweit unter Druck. Nicht nur hierzulande sei der Weinkonsum in den letzten Jahren um 20 Prozent zurückgegangen. Weltweit habe es einen Einbruch um zehn und europaweit einen Rückgang von 15 Prozent gegeben. Schumacher wünschte sich, dass die luxemburgische Politik - damit war wohl auch die Diplomatie gemeint - noch stärker zum Förderer des luxemburgischen Weins wird.

Er bedankte sich bei Weinbauminister Schneider für die stete Unterstützung und die unproblematische Hilfe bei den Folgen des Spätfrostes. Schumacher setzt darauf, dass die Winzer bei der Formulierung des neuen Agrargesetzes fest mit eingebunden werden.

Der „Ouvrier agricole“ kommt

Weinbauminister Schneider, der zunächst von der Schwierigkeit sprach, bei den vielfältigen Neujahrempfängen im landwirtschaftlichen Sektor jeweils andere politische Akzente zu setzen, verglich die Jahrgänge 2018 und 2019 als „exzellent“ und „kompliziert“. Mit den Beihilfen von 65 Prozent zu den Frostversicherungen der Winzer habe man aber als Staat schon einen wichtigen Beitrag geleistet. Auch Schneider setzt auf einen regelmäßigen Meinungsaustausch zwischen Weinbau und Politik.

Zum Abschluss kündigte er an, dass das Gesetzesprojekt „Ouvrier agricole“, das die Arbeitszeiten für landschaftliche Arbeiter flexibilisiert- Möglichkeit zu Mehrarbeit in der Lese, Freizeitausgleich im Winter -beim Staatsrat liegt und bald Realität wird.