ANNETTE WELSCH

Mit zwei Tagen Verzögerung und halbherzig hat US-Präsident Donald Trump am Montag doch noch unter dem wachsenden Druck der weltweiten Öffentlichkeit auf die rechtsextremen Ausschreitungen in Charlottesville reagiert: Er nannte zwar die Täter beim Namen und bezeichnete den Rassismus des Ku-Klux-Klans und der sogenannten White-Supremacy-Bewegung als „abstoßend“, das Wort Terrorakt vermied er. Dass in seinen vom Teleprompter abgelesenen Worte, in denen er die Phrase „All men are created equal“ mehrmals wiederholte, viel Trump steckte, muss man nicht meinen. Fehlte nur noch, dass er offen sagte, es tut mir leid, Leute, aber ich muss das jetzt sagen. Druck kam nicht zuletzt von Justizminister Jeff Sessions, der vorher in einem Fernsehinterview eine deutlichere Verurteilung ankündigte und ihn unter Zugzwang setzte, und vom neuen FBI-Chef Christopher Wray. Mit beiden hatte er vor seinem Auftritt Gespräche. Beide befürchteten wohl eine Welle an gewalttätigen Ausschreitungen rechtsextremistischer Gruppen, wenn Trump ihnen nicht direkt deutlich Grenzen setzt. Dass sich rechtsradikale Gruppierungen, die bislang hauptsächlich im Internet aktiv waren, nun - gewaltsam - in die Öffentlichkeit trauen und auf die Rückendeckung des Präsidenten berufen, ging wohl auch den Republikanern zu weit.

Das Beispiel Charlottesville zeigt ganz gut die Verfasstheit des amerikanischen Volkes, das in den vergangenen Jahren anfing, Teile seiner Vergangenheit zu bewältigen. Im Februar hatte der Stadtrat von Charlottesville mit 3:2 Stimmen dafür gestimmt, die Statue des Konföderierten-Generals Robert E. Lee zu entfernen und sie mit einem neuen Denkmal zur Erinnerung an die Sklaven-Bevölkerung der Südstaatenstadt zu ersetzen. Sowohl der Lee-Park als auch der Jackson-Park sollen dort neue Namen bekommen, wurde einstimmig beschlossen. Embleme „weißer Überlegenheit“ sollen aus dem Stadtbild verschwinden, die Stadt möchte sich eine Identität als Kapitale des Widerstands geben. Nun weiß man, welchen Preis Städte in Trump-Zeiten dafür bezahlen müssen.

Es ist ja nicht als hätte Trump nicht schon während des Wahlkampfes offen gezeigt, wes Geistes Kind er ist. Dass er zurück in die 1940er/50er Jahre will, als „America great“, ein weißer Nationalstaat war und noch Rassentrennung galt. Zurück in die Zeit vor Bürgerrechtsreformen. Er begann seine Präsidentschaftskandidatur mit einer rassistischen Tirade gegen Einwanderer aus Mexiko, er verniedlichte bei seinen Wahlversammlungen Gewalt, ermunterte und schürte sie, er zog Minderheiten und Muslime durch den Schmutz, machte sich lustig über Behinderte, prahlte mit Sexismus und holte sich mit Steve Bannon vom „Alternative Right Movement“ die rechte Szene ins Weiße Haus. Am Sonntag, als er sich noch nicht durchringen konnte, Neonazis und Co deutlich zu verurteilen, bezeichnete er in einem Interview einen wegen seiner rassistischen Politik verurteilten Ex-Sheriff aus Arizona als „großartigen Patrioten“ und erwägte seine Begnadigung. Wurde am Montag ein Sieg errungen? Nein, Trump sorgte dafür, dass er im rechten Sumpf populär bleibt und weiterhin auf deren Stimmen zählen kann.