LUXEMBURG-KIRCHBERG
GERHARD KLUTH

„Folias de España“-Konzert in der Philharmonie

Was war das nun eigentlich, dieses Konzert mit dem Titel „Folias de España“ in der Serie „Autour de l’orgue“ in der Philharmonie.

Laut dem Programm des Hauses soll bei diesen Abenden gezeigt werden, wie vielseitig die so genannte Königin der Instrumente ist. Eine gute Idee, denn in der Tat gibt es kein zweites Instrument, in dem so viele Möglichkeiten stecken, zumal, wenn es auch noch so groß ist, wie die Orgel im Grand Auditorium. Organist Claudio Astronio hatte sich zum Ziel gesetzt, zusammen mit Katharina Bäuml (Schalmey und Bombarde), Michel Godard (Serpent, Tuba und elektrische Bassgitarre), sowie dem Schlagzeuger Lucas Niggli anhand des aus Portugal stammenden Tanzes eine Verbindung zwischen klassischer Orgelmusik und Jazz zu schaffen und außerdem auch noch andere alte Instrumente wie Serpent oder Schalmey dabei einzubeziehen.

Zu viele offene Fragen

Ist das gelungen? Nein. Es blieben zu viele Fragen offen. So etwa, was die „Litanies“ von Jean Alain in diesem Programm zu suchen hatte. Alain schrieb dieses Werk im Angesicht des Todes seiner Schwester. Es ist eine Anklage und der Ausdruck von Verzweiflung, hat nichts mit der Ausgelassenheit und der Lustbarkeit zu tun, die einer Folia zu Grunde liegt. Was die sich anschließende Improvisation über die Litanies von Astronio, Godard und Niggli darstellen sollte, blieb dem Publikum restlos verborgen. Im Gegensatz zu seinen Partnern hatte der Organist, der sich laut Programm neben der historischen Aufführungspraxis der Barockmusik auch dem Jazz und der Popmusik widmet, auch etliche Probleme, mit dem Instrument und den Notentexten fertig zu werden. Bei „Xacara“ stellte er plötzlich den Orgelmotor ab, wodurch dem Instrument kläglich die Luft wegblieb. Außerdem spielte der Spezialist für alte Musik diesen Barockmeister mit romantischen Crescendi. Dietrich Buxtehudes Passacaglia in d-Moll, BuxWV 161, erging es ähnlich. Hätte er bei diesem weiß Gott nicht gerade schweren Werk wenigstens alle Töne richtig getroffen. Mit diesem Abend konnte die Philharmonie keine Werbung für ihre Konzerte mit der Orgel machen.