LUXEMBURG
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Bis dahin soll es keine Kinderarbeit mehr geben - Allerdings müssen heute noch 152 Millionen Minderjährige weltweit schuften, um sich und ihre Familien über Wasser zu halten

Gerade tagt in Genf die Jubiläumsversammlung der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO), die in diesem Jahr 100 wird. Sie beteiligt sich an der Ausarbeitung von internationalen Arbeitsnormen und -politiken und legt Programme auf, um dezente Arbeitsbedingungen für jeden zu ermöglichen.

Der Kampf gegen Kinderarbeit gehört für die Organisation dazu, die einst durch den Versailler Vertrag gegründet wurde, der den 1. Weltkrieg beendete, im Glauben, dass universeller und dauerhafter Frieden nur gewährleistet werden kann, wenn er auf sozialer Gerechtigkeit beruht.

Während die ILO für das Recht auf Arbeit streitet, kämpft sie von Anfang an auch gegen unmenschliche Arbeitsbedingungen und besonders auch gegen Kinderarbeit. Dagegen wurden internationale Abkommen ausgehandelt und 2002 rief die ILO am 12. Juni einen Welttag gegen Kinderarbeit aus, mit dem Ziel, ein kritisches Bewusstsein für die weltweite Ausbeutung von Kinder zu schaffen. Der Kampf gegen Kinderarbeit passiert im Verbund mit den ILO-Mitgliedsnationen, aber auch mit anderen Organisationen, wie etwa dem UN-Kinderhilfswerk Unicef, laut dessen Schätzungen 152 Millionen Mädchen und Jungen weltweit Kinderarbeit leisten. Fast die Hälfte von ihnen leide unter gefährlichen oder ausbeuterischen Bedingungen, teilte Unicef gestern in Köln anlässlich des Welttages gegen Kinderarbeit mit. Regierungen und Unternehmen auf der ganzen Welt stünden in der Verantwortung, Kinderarbeit zu verhindern, heißt es.

Positiver Trend, aber...

Die meisten Betroffenen leben nach Schätzungen von Unicef in Afrika (72 Millionen). In Asien sind es demnach 62 Millionen. Über 70 Prozent der arbeitenden Kinder müssen Unicef zufolge in der Landwirtschaft schuften. Nach Angaben des Kinderhilfswerkes „Terre des Hommes“ arbeiten Kinder darüber hinaus unter anderem im Bergbau, in Steinbrüchen oder als Dienstmädchen. Laut Unicef ist die Zahl der betroffenen Jungen und Mädchen zwar zwischen 2000 und 2016 um beinahe 100 Millionen gesunken, zuletzt habe sich der Rückgang aber verlangsamt. Es reiche nicht, Kinderarbeit zu verurteilen und zu verbieten, betont die Unicef, um Kinder wirksam vor Ausbeutung zu schützen, müssen sich die Lebensbedingungen der betroffenen Kinder ändern. So sei etwa der Zugang zu Bildung ein wichtiges Instrument, um Kinderarbeit zu verhindern.

Unicef zählt jede Tätigkeit als Kinderarbeit, für die Minderjährige zu jung sind oder die gefährlich beziehungsweise ausbeuterisch ist. Auch Arbeiten, die körperliche oder seelische Schäden hervorrufen sowie Tätigkeiten, die Kinder vom Schulbesuch abhalten, gelten laut Unicef als Kinderarbeit.

Die ILO sieht vorrangig drei Wege, um die Kinderarbeit zu beenden. In ihrem Bericht über Schätzungen zum Phänomen zwischen 2012 und 2016 unterstreicht sie die Notwendigkeit, Politiken gegen Kinderarbeit in breitere nationale Entwicklungspolitiken einzubetten. Kinderarbeit habe eine ganze Reihe von Auslösern, die in Betracht gezogen werden müssten. Dabei handelt es sich nicht nur um soziale Ungleichheiten, sondern auch um die Fragilität von Sozialsystemen und Staaten, Konflikte natürlich, aber auch die Effekte des Klimawandels.

Politische Aktionen müssten auch die Alters-, Geschlechts- und regionalen Aspekte der Kinderarbeit berücksichtigen. So sind etwas weniger als die Hälfte der betroffenen Kinder sind unter 12 Jahren, sie bräuchten eine andere Unterstützung als ältere Minderjährige. Auch die unterschiedlichen Stellungen von Mädchen und Jungen in unterschiedliche Kulturen und Gesellschaften müssten ein Thema sein. Die ILO sieht ferner einen bedeutenden Bedarf für die Messung des Wirkungsgrads von Politiken gegen Kinderarbeit und die Notwendigkeit, die internationale Zusammenarbeit gegen das Phänomen noch zu verstärken, um Kinderarbeit bis 2025 zu verbannen.