LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

„déi gréng“ wünschen sich neuen Elan für die Kulturpolitik

Je näher die Wahlen rücken, desto mehr häufen sich die Pressekonferenzen der politischen Parteien. Gestern war die Reihe erneut an den Grünen, diesmal zum Thema Kulturpolitik, die während der vergangenen Legislaturperiode leider ein Stiefkind der Regierungspolitik gewesen sei, wie der Vorsitzende der Regierungspartei „déi gréng“, Christian Kmiotek, und die kulturpolitische Sprecherin Samantha Tanson monierten, und die sich deshalb für einen neuen Elan in der Kulturpolitik aussprachen.

Esch 2022: „Es ist fünf vor zwölf“

Die Bilanz der letzten Jahre sei dann auch „ziemlich mager“, sehe man einmal vom Archivgesetz, vom Bau der Nationalbibliothek und vom Kulturentwicklungsplan ab, der allerdings zu spät komme und jetzt auch noch umgesetzt werden müsse, wozu man sich natürlich die nötigen finanziellen und personellen Mittel geben müsse, wie Tanson unterstrich. In die Puschen kommen müsse man aber auch bei „Esch 2022“, wo es momentan fünf vor zwölf sei.

Parteipräsident Kmiotek reagierte gestern auch auf eine Journalistenfrage zum Thema luxemburgische Sprache und Kultur, indem er bemerkte, dass es in Zeiten des Klimawandels und der Wohnungsnot wohl wichtigere Probleme gebe „wéi d’Gréisst vun de Buchstawen an d’Reiefolleg vun de Sproochen op Uertsschëlder“. So sei die Vielfalt der Kulturen hierzulande immer unser Reichtum gewesen und sei es immer noch.

Was nun die grünen Ideen zur Kulturpolitik anbelangt, so wollen „déi gréng“ die Kunstschaffenden stärken, dürften diese doch keine Hungerleider sein. Das Statut sowie die Arbeitsbedingungen der freischaffenden Künstler und temporär beschäftigten Techniker sollen evaluiert und verbessert werden, unter anderem durch die Vereinheitlichung der Mindeststandards bei Arbeits- und Werkverträgen, und durch die Einführung einer reduzierten Mehrwertsteuer auf künstlerische Darbietungen.

Auch wollen sich „déi gréng“ durch die Schaffung eines „Luxembourg Arts Council“ für die Promotion und den Export von einheimischer Kreativität in allen Kunstsparten stark machen; das erfolgreiche Beispiel des „Music-LX“ sollte spartenübergreifend funktionieren und mit den entsprechenden Mitteln ausgestattet werden.

Der Kulturentwicklungsplan soll indes eine Art Landesplanung des kulturellen Angebots beinhalten und entsprechende Richtlinien für eine bessere thematische und geographische Gewichtung des öffentlichen Kulturangebots festsetzen.

Auch wollen die Grünen die Aktivitäten und Programme der regionalen Kulturhäuser mittelfristig absichern, den Zugang zur Kultur für die Kinder in den Schulen und Betreuungseinrichtungen verbessern, die Konventionen zwischen den Kulturträgern und dem Kulturministerium verstärkt nutzen, um individuelle oder gemeinschaftliche Initiativen von unten zu fördern, sowie das reformierte Denkmalschutzgesetz endlich zur Abstimmung bringen.