CLAUDE KARGER

„Selbst bei jenen die ihn unterstützen, gilt stärker das Prinzip Hoffnung als wahre Überzeugung“, schrieb der Editpress-Chef gestern über den CSV-Boss, der ohne Mandat und mit knappem internen Rückhalt die „undankbare Aufgabe“ lösen soll, aus der Opposition heraus „die Wähler von der Unverzichtbarkeit der CSV zu überzeugen“. Nun ist die Unterstützung der Christsozialen unerlässlich, um die Verfassungsrevision erstmal durchs Parlament zu bringen und da hat sich der Boss entgegen früherer Abmachungen mit den anderen großen Parteien ja bereits quergelegt. Das „Zipfelchen Macht“ hat der orange Engel also schon ergriffen und schwärmt nun von Bürgerpartizipation per Referenden über einzelne Verfassungsfragen. „Je n‘ai aucune envie de faire une campagne qui consiste à chanter aux électeurs les prouesses des auteurs du projet de révision, sans possibilité pour les citoyens d‘amender quoi que ce soit“, sagte er dem „Quotidien“. Eine Aussage mehr, die illustriert, wie die Arbeit der letzten Jahrzehnte am Grundgesetz, an der übrigens auch die Bürger beteiligt wurden, von der CSV aus elektoralen Gründen über Bord geschmissen wird. „Verfassungserpressung“ nennt der „T“-Chef das ganze Getue... Erpresser leben gefährlich. Gut möglich, dass die Wähler der CSV nächstes Mal auch das letzte Zipfelchen Macht entziehen werden.