LUXEMBURGSVEN WOHL

„Deadly Premenition“ gilt als digitale Neuinterpretation von „Twin Peaks“

Filme sind für Videospiele das, was Bücher für die bewegten Bilder darstellen: Eine schier unerschöpfliche Inspirationsquelle. Während zahlreiche Videospiele wenigstens im Ansatz versuchen, diese Inspirationsquellen zu verstecken, geben einige ihre Wurzeln ganz offen Preis. So auch der Fall bei „Deadly Premonition“, das ganz offen die Kultserie „Twin Peaks“ zitiert.

Wegweisende Serie

Aber von vorne: „Twin Peaks“ ist eine Kult-Fernsehserie aus der Feder von David Lynch und Mark Frost. Während die Serie zu Beginn der 1990er der absolute Hit in den Vereinigten Staaten und Großbritannien war, blieben die Reaktionen in Kontintental-Europa relativ verhalten. Trotzdem konnte die Geschichte rund um den Mord der jungen Laura Palmer in dem idyllischen Dorf Twin Peaks zahlreiche Fans gewinnen. Die Serie setzte den neuen goldenen Standard, wie Fernsehserien zu funktionieren haben und bestach durch surreale Figuren und Situationen.

Wäre Videospielen Anfang der 1990er eine vergleichbare kulturelle Rolle zugewiesen worden, wie das heute teilweise der Fall ist, dann wäre damals schon eine lizensierte Adaptation erschienen. Diese blieb jedoch aus. „Deadly Premonition“ schließt nicht nur diese Lücke, sondern liefert gleichzeitig eine ganz eigene B-Movie-Version des Stoffes ab. Das Resultat ist verrückt, sympathisch und nervenraubend zugleich.

Ein Amalgam

FBI-Agent Francis York Morgan hat nicht nur eine Narbe im Gesicht und einen imaginären Freund
namens Zach, sondern er muss auch noch die Ermittlungen im Fall der toten Anna Graham untersuchen. Dabei muss er nicht nur die unzähligen, sehr merkwürdigen Dorfbewohner von Greenvale befragen und observieren, sondern zusätzlich auch noch in alptraumartigen Sequenzen bizarre Monster abwehren.

Der Plot oszilliert zwischen absolut brillant spannenden und bescheuerten Momenten hin und her und wandert erfolgreich auf dem schmalen Grat zwischen Horror und Komödie. Erstaunlich ist vor allem, dass das Spiel so viel Spaß macht, obwohl es aus mechanischer Perspektive wie ein Zugwrack wirkt: Auch im verbesserten Director’s Cut ist die Steuerung immer noch hackelig, die Grafik wäre vor zehn Jahren gerade einmal akzeptabel gewesen und die Synchronsprecher sind meistens unterster Kategorie. Die Musik will nur selten zum Geschehen passen, was vieles unfreiwillig komisch wirken lässt. Und trotzdem ist „Deadly Premonition“ absolut spielenswert, vor allem weil es so anders ist und eine kraftvolle Geschichte erzählt, die nur so von Merkwürdigkeiten strotzt.

Das Spiel hangelt sich an seinen Figuren und seinem Plot voran, was vollkommen legitim ist. Gerade deshalb konnte es sich bei Kritikern und Spielern zugleich zu einem Kult-Klassiker mausern. Die Kritiker bescheinigten dem Werk entweder Schrottwert oder absolute Exzellenz, mit nur sehr wenigen Kritiken, die dazwischen fallen. Anspielen sollte man es auf jeden Fall, ob man nun Fan von „Twin Peaks“ ist oder einfach einmal etwas anderes spielen will (Erhältlich bei „Le Reservoir“ für PlayStation 3 für 40 Euro).