LUC SPADA

Ich bin der Zombie. Heute, das Ende einer Trilogie. Zombie und Zombies II könnt ihr im Internet nachlesen. Internetarchiv. Danke Internetarchiv, dass Dein Archiv so groß ist. Danke Lëtzebuerger Journal, dass Du so ein großes Archiv im Internet hast.

Ich bin müde. Ich bin so müde. Ich bin heute aufgewacht, ich guckte in den Spiegel und dachte: Ich bin müde. Schlechte Poeten beginnen ihre Sätze in Texten über ihre Gefühle immer mit „Ich bin heute aufgewacht…“, gut, wirklich gut, dass ich kein schlechter Poet bin. 

Ich bin ein müder Poet. Ein müder Kolumnist. Ein müder Geschichtenerzähler. Ein müder Schauspieler. Ein müder Freund. Ein müder Mensch. Heute, nur heute. Morgen ist alles anders. 

Ich weiß nicht einmal, wie ich es schaffen soll, mich bis zum Ende des Textes „hinzuschreiben“. Vielleicht falle ich währenddessen mit dem Kopf auf die Tastatur meines Laptops, Platzwunde, weil es platzt, wenn ich mit dem Kopf gegen die Tastatur schlage, Blut, einschlafen und irgendwann wache ich auf und muss ganz schnell ins Krankenhaus, weil ich sonst verblute. Notaufnahme.

„Ein Arzt, schnell, ganz schnell, ein Arzt muss her, sonst verblutet er (ICH!).“

Ich bin der Zombie. Gestern habe ich angefangen, meine Wohnung aufzuräumen, Zeug („Hab und Gut“) in Kisten zu packen, weil Umzug, weil bessere Mietverhältnisse, weil Eigentum was für Loser ist. Gut, dass ich kein Verlierer bin. Gut, dass ich bald eine günstigere Wohnung mieten kann. Günstiger und größer. Wow. Win win. Und krass neue berufliche Perspektiven. Win win win.

Ich bin der Zombie. Vorhin an einem Kosmetiksalon vorbei gelaufen. Man kann auch KosmetikSTUDIO sagen, aber es war ein Salon. Salon, weil das klingt so schick. Weil Kosmetik so sehr schick ist.

Ein luxemburgischer Schriftsteller meinte mal, ich wäre ein Salonrebell. Ein Salonrebell, jemand, der so tut, als wäre er wild und voll krass drauf. 

Dabei kriecht er nur allen möglichen Personen in den Arsch, um noch salonfähiger zu werden, er blendet, simuliert, mehr Schein als Sein, um NOCH mehr Geld zu verdienen.

Gut, dass ich kein Salonrebell bin. Gut, dass dieser luxemburgische Schriftsteller nie Erfolg hatte, haben wird, weil er weder Salon, noch Rebell, noch wirklich ein guter Schriftsteller ist. Der luxemburgische Schriftsteller arbeitet nebenbei als „Ersatzlehrer“. Gut, dass ich nebenbei nicht als „Ersatzlehrer“ arbeiten muss. MUSS. Kinder machen mich noch müder.

Ich bin so müde, aber das darf ich nicht. Ich muss mein Manuskript so langsam beenden, weil ich doch groß bin und große Menschen schreiben Manuskripte fertig, der erste Roman, das erste Manuskript für einen hoffentlich sehr fertigen Roman. Ein guter Schriftsteller muss auch irgendwann einen Roman schreiben. Einen hoffentlich sehr guten Roman. Bestseller, wenn auch das meistverkaufte Buch oft kein Indiz dafür ist, dass es auch das beste Buch ist. Aber für einen Salonrebell, der ich ja nicht bin, ist das (oder wäre, wäre ich einer) gerade mal gut genug. Salonrebellen geben sich mit Verkaufszahlen zufrieden. Gut, dass ich es nicht so mit Zahlen habe. 

Am 30. März 2017 veröffentliche ich als, äääh, Übergangsmaßnahme (Verrate dies bloß nicht meinem Verlag!) bis zum Roman, meinen dritten Gedichtband. Wer schreibt heute noch Gedichte? FASS MICH AN heißt das Ding. Wenn ich angefasst werde, schlafe ich nicht so schnell ein, nicht währenddessen, vielleicht danach. Gut, dass heute nicht der 30. März 2017 ist. Schade, dass mich heute noch niemand angefasst hat.

Gut, dass ich heute in einem Restaurant in Berlin sitze. Eine Trattoria in Tempelhof, der Vater meiner Freundin L. ist Inhaber einer Trattoria. Man hat mir Wein hingestellt, ich soll den trinken, kosten, ob er schmeckt, er schmeckt sehr gut.