SIMON LAROSCHE

Die Luxemburger Urban Art Legende Sumo spricht im exklusiven „Journal“-Interview über die Besonderheiten seiner Kunstform, seine Abwendung von der Graffiti-Szene und seine bevorstehenden Projekte

Urban Art ist dieser Tage nicht nur in Großstadtgalerien zu bewundern, auch in Luxemburg stellen mittlerweile Künstler dieses Genres in angesagten Galerien aus. Bist du zufrieden mit der Entwicklung deiner Kunstform?
sumo Ja, auch wenn es in Luxemburg immer noch nicht viel Konkurrenz gibt. Mir gefällt es jedoch, dass jetzt eine gewisse Akzeptanz in der Gesellschaft für Urban Art besteht. Ich habe ja mit Graffiti angefangen, was dann irgendwann zu etwas anderem mutierte. Heute kann man meinen Stil als Urban Art bezeichnen, da weiterhin eine unbestreitbare Nähe zum Graffiti besteht.

Wann hört Urban Art auf, Graffiti zu sein?

sumo Urban Art ist ein Etikett, welches nicht von den Künstlern dieses Genres erfunden wurde. Ein Künstler macht sein Ding, ihm ist es egal, wie es in der Gesellschaft genannt wird, er macht es einfach. Die ersten Leute, die Mauern bemalten, kamen auch nicht von sich aus mit dem Begriff Graffiti. Es war die Gesellschaft, die diese Bezeichnung erfand, um diese neue Kunstform in eine bestimmte Schublade einordnen zu können. Mir sind solche Begriffe eigentlich egal.

Bleiben wir bei den Definitionen: Gibt es einen Unterschied zwischen Street Art und Graffiti?
sumo Ja, ich sehe schon eine Differenz. Graffiti wird in der Straße gemalt, um zu stören. Je knalliger der Schriftzug, je mehr es ins Auge sticht, desto besser. Auf welcher Oberfläche der Schriftzug gemalt wird, ist dem Künstler letztendlich egal, Hauptsache sein Name oder seine Botschaft kommt klar rüber. Bei Street Art dagegen geht es um Kunst, die in die Umgebung einfließen soll, öfters fällt sie den Leuten beim ersten Hinschauen nicht mal auf. Du interagierst anders mit der Oberfläche, die Technik ist dementsprechend auch eine andere, als beim Graffiti, häufig werden beim Street Art keine Spraydosen benutzt, sondern Pinsel oder Papier.

Wie hältst du den Kontakt zur Graffiti-Szene aufrecht?
sumo Also Graffitis mache ich schon lange keine mehr. Ich halte bewusst einen Abstand zur Szene, ich will nicht mehr wissen, wer sich hinter welchem Pseudonym verbirgt, auf diese Weise brauche ich nicht eines Tages zu lügen. Ich habe mit dem Graffiti abgeschlossen, von meinen ehemaligen Weggefährten, zu denen ich teilweise noch regelmäßigen Kontakt habe, machen nur noch einige Graffitis.

Seit wann malst du deine berühmten „Crazy Baldheads“, diese eierköpfigen Männchen, die zu deinem eindeutigen Markenzeichen geworden sind? Und wie kam es dazu?
sumo Das war 1999, als ich diese Figuren fürs erste Mal auf eine Mauer malte. Vorher zierte ich meine Schriftzüge gewöhnlich mit unmanierlichen Schweinchen oder Männchen, welche die Hip Hop-Kultur darstellten. Allerdings suchte ich was noch Originelleres, was mir nicht so leicht fiel. Nach längerem fruchtlosem Rumskizzieren malte ich dann aus Frust heraus einfach eine Kartoffel mit einem Gesicht. Es war die Geburtsstunde der „Crazy Baldheads“. Mit diesen Figuren wollte ich ein deutliches Image kreieren, mit dem die Leute meine Werke klar erkennen können. Da Figuren besser behalten werden, als Schriftzüge, habe ich mich für diese Figuren mit Erkennungseffekt ausgedacht. Leider werden sie schon von anderen Künstlern kopiert.

Wie stolz bist du darauf, dass deine bekannten eierköpfigen Figuren vor kurzem auf Bofferding- und Rosport-Flaschen und BIL-Bankkarten benutzt wurden?
sumo Das ist natürlich genial, vor allem wenn ich an die Risiken zurückdenke, die ich in der Vergangenheit eingehen musste, damit die Leute meinen Künstlernamen behalte. Die Tatsache, dass ich jetzt gefragt werde, erleichtert das natürlich. Wenn ich mich in meine ehemalige Rolle als Graffiti-Sprayer zurückversetze, könnte ich behaupten, dass ich die Flaschen dieser beiden Marken „tagge”, sie also mit meiner Identität versehe. Und das ganz ohne Risiko.  

Kennen Marketing-Leute innerhalb der Firmen etwas von Urban Art oder geben sie dir bloß Aufträge, weil deine Kunst einfach anders als das Bisherige ist?
sumo Ich glaube es hat damit zu tun, dass die Sprache, die ich durch meine Bilder vermittle, eine recht junge Sprache ist. Ich sehe mich weiterhin als jung. Jugendliche betrachten mich wahrscheinlich schon als alt und für ältere Leute bin ich ebenfalls noch jung, ich stecke also irgendwo dazwischen. Eine Marketing-Person, die mein Alter hat, ist also teilweise mit den gleichen Referenzen aufgewachsen als ich, sie kennt etwa die gleichen Zeichentrickfilme, Motive oder Albumcover. Sachen, die mich beeinflusst haben, haben auch bei diesen Personen einen Eindruck hinterlassen. Ihnen fällt der Bezug zu meinen Bildern vielleicht einfacher, als zu Bildern von Künstlern, welche aus einer anderen Epoche stammen und von einer anderen Technik Gebrauch machten.

Du arbeitest momentan an zwei hochinteressanten und grundverschiedenen Ausstellungen. Kannst du uns mehr darüber verraten?
sumo Zum Ersten arbeite ich zusammen mit Will Kreutz an einer zweiten Ausgabe des „Goodbye Monopol“, die im Juni anfangen wird. Ähnlich wie die erste Ausgabe 2012 in Differdingen wird das noch viel größere Monopol-Gebäude in Gasperich (in der Route d'Esch, dort wo sich jetzt ein Delhaize Supermarkt befindet– die Red.) in einen Tempel der Urban Art verwandeln, mit einer Teilnahme von einheimischen und ausländischen Künstlern. Dieses Projekt wird bis Ende des Jahres laufen. Zweitens bereite ich, ebenfalls für Juni, eine große Ausstellung in der Galerie de l'Indépendance in der BIL-Zentrale vor. Einen endgültigen Titel für die Ausstellung habe ich zwar noch nicht, ich freue mich aber schon ganz besonders darauf, da mich diese Galerie beeindruckt. Den Künstlern werden dort sehr große und auch hohe Wände zum Ausstellen geboten. Meine Bilder werden dementsprechend von großem Format sein.